Eine mit Glyphosat behandelte Wiese.Foto: SEBASTIAN WILLNOW/AFP/Getty Images

Giftregen in Argentinien: Neue Langzeitstudie belegt Glyphosat in Regenwasser

Epoch Times27. August 2018 Aktualisiert: 27. August 2018 17:39
Glyphosat und andere Chemikalien wurde im Regenwasser in Argentinien nachgewiesen. In Städten in Agrarregionen ist ein erheblicher Anstieg an Krebsfällen sowie eine auffällige Steigerung der Fehlgeburten und Missbildungen festzustellen.

Seit 2012 untersuchen Wissenschaftler in Argentinien die Niederschläge in den Städten der weiträumigen Pamparegion, in der heute vor allem gentechnisch veränderte Agrarpflanzen angebaut werden. Nun stellt sich heraus, dass in 80 Prozent der Regenwasserproben Glyphosat und Atrazin nachgewiesen wurden, die zwei am meisten verwendeten Mittel zur Unkrautvernichtung in der argentischen Landwirtschaft.

Die Forscher des argentinischen Zentrums für Umweltforschung (CIM) an der Universität de la Plata sowie der Nationalrat wissenschaftlicher und technischer Studien Argentiniens (CONICET) veröffentlichten ihre neusten Ergebnisse einer Langzeitstudie in der US-Zeitschrift Science of Total Environment“.

Zudem stellten die Wissenschaftler fest, dass der Wind die Giftpartikel auch in Regionen verteilt, in denen die Chemikalien weniger intensiv verwendet werden. In den Städten, die innerhalb der Agrarzonen liegen, wurde am meisten Glyphosat in der Luft gemessen.

Die Forscher fanden weiterhin im Boden am häufigsten Rückstände von Glyphosat (41 Prozent), gefolgt von Atrazin (32 Prozent) und dem Herbizid AMPA (22 Prozent).

In Regionen mit häufigen Regenfälle wurden niedrigere Werte in der Luft gemessen, da der Regen die Reinigung der Luft begünstige. Entsprechend seien die Belastungswerte im Regen niedriger – wohingegen sich die Giftpartikel in trockenen Gebieten mehr ansammelten und länger hielten, heißt es in der Studie.

Glyphosat macht Argentinien Krank

Argentinien, das Land mit der größten Sojaproduktion weltweit, kauft bereits seit Jahrzehnten genverändertes Soja von Monsanto, um Ernteerträge zu steigern und besprüht diese seit 1996 mit dem unter Krebsverdacht stehenden Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat.

Da sich mittlerweile Resistenzen gegen das „Round Up“ ergeben haben, werden auch immer mehr chemische Cocktails mit Glyphosat verwendet, ohne, dass die negativen Wechselwirkungen der Stoffe untereinander wissenschaftlich abgeklärt sind, berichtet der „Deutschlandfunk“.

Die Ernteerträge seien zwar angestiegen, es gebe jedoch gleichzeitig einen erheblichen Zuwachs an Krebsfällen in Städten in Agrarregionen sowie eine auffällige Steigerung von Fehlgeburten und das Erscheinen seltener Krankheiten. Eine achtjährige Studie des 41-jährigen Professor für Gerichtsmedizin an der medizinischen Fakultät in Rosario, Damián Verzeñassis, belegt schwere gesundheitliche Folgen durch den Einsatz von Glyphosat für Menschen, die dem Gift ausgesetzt sind.

Wie die „Neue Züricher Zeitung“ berichtet, erhob Verzeñassis die Daten von 150 000 Menschen in 31 Ortschaften, die in der Nähe von Feldern lebten, die mit Glyphosat besprüht wurden. Auffällig sei demnach Krankheitsbilder wie Schilddrüsenkrankheiten, Atembeschwerden, Hautkrankheiten und neurologische Schäden, die sich von den sonst üblichen Mustern in Argentinien unterscheideten.

Dramatische Ergebnisse zeigten die Langzeitwirkungen, die Verzeñassi beobachtete. Durch Fragen nach Krankheiten in den Familien, die bis zu 20 Jahre zurücklägen, stellte Verzeñassis Team fest, dass Fehlgeburten und pränatale Missbildungen nach 1996 sprunghaft zugenommen und sich dann auf dem höheren Niveau stabilisiert hätten. 1996 war genau das Jahr der Zulassung von Glyphosat in Argentinien.

Je länger die Zeitreihe der Erhebungen fortschreite, desto mehr nähmen Krebserkrankungen in den Dörfern zu, so Verzeñassi. Der Mediziner vermutet, dass Schwangere in den ersten Monaten sofort auf die negativen Einflüsse von Glyphosat reagierten, es aber Jahre dauere, bis sich im Körper Krebs entwickele.

Brasilien verbietet vorerst Einsatz von Glyphosat

In Brasilien gibt es starken Widerspruch gegen den Einsatz von Glyphosat und anderen Chemikalien aufgrund des Einsatzes von gentechnisch veränderten Agrarpflanzen. Wie „RT“ berichtete, erließ die brasilianische Richterin Luciana Raquel Tolentino des 7. Distrikts der Regionaljustiz am 20. August ein vorläufiges Verbot, Produkte, die chemische Wirkstoffe wie Glyphosat enthielten, anzuwenden und zu verkaufen.

Zudem solle Brasiliens Regierung keine Produkte mehr zulassen, die Wirkstoffe wie Parathion, Methyl, Lactofem, Phorat, Carbofuran, Abamectin, Quitan, Paraquat und Glyphosat enthielten, hieß es in dem Urteil. Nun müsse die brasilianische Gesundheitsbehörde bis zum 31. Dezember eine neue toxikologische Bewertung dieser Produkte vornehmen. Solange würde das Verbot bestehen bleiben.

Dem Richterspruch ging ein Antrag der Staatsanwalt voraus, Glyphosat und andere chemische Mittel zu verbieten. Anlass dafür sei eine Reihe von wissenschaftlichen Studien gewesen, laut denen diese Stoffe unter anderen Missbildungen bei Mensch und Tier hervorriefen, krebserzeugend wären und Veränderungen im Erbgut bewirkten.

Die brasilianische Industrievereinigung für Pflanzenschutz, der brasilianische Verband der Sojabohnenproduzenten und Unternehmen wie FMC, Monsanto, Syngenta und Taminco hätten laut „RT“ die gerichtliche Entscheidung kritisiert. (nh)


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