Nikolaus gefeuert: SPD-Bürgermeisterin reagiert auf Facebook-Like für „Kinderehe = Kindesmissbrauch“

Von 18. November 2016 Aktualisiert: 18. November 2016 20:12
Die SPD-Bürgermeisterin von Mühldorf am Inn in Oberbayern feuert den seit 30 Jahren als Nikolaus beim örtlichen Christkindlmarkt tätigen Peter Mück. Grund dafür war sein Facebook-Like und Teilen für eine Banner-Aktion der "Identitären Bewegung" gegen Kinderehen. Der Mann geriet unter den gewaltigen Druck einer politisch korrekt ausjustierten Umgebung.

In Mühldorf am Inn, Oberbayern, 80 Kilometer östlich von München, reagierte die SPD-Bürgermeisterin Marianne Zollner auf einen Facebook-Like und Kommentar des örtlichen Nikolaus-Darstellers vom Christkindlmarkt.

Seit 30 Jahren Nikolaus

„Schon mein Vater trug 1958 das erste Mal im Kindergarten St. Nikolaus das heilige Gewand. Etwa zwei Jahrzehnte war er auch als Nikolaus auf dem Christkindlmarkt im Einsatz. Und meine Mutter ist ebenfalls als Nikolaus gegangen. Beide engagierten sich zudem beim Adventssingen. Und auch ich bin in dem Moment, wenn ich dieses Gewand anlege, voll und ganz der Nikolaus und nichts anderes. Wir sind einfach eine Weihnachtsfamilie“, erklärt der von der Bürgermeisterin enttäuschte Peter Mück im „Wochenblatt“.

Like: Kinderehe = Kindesmissbrauch

Dem ganzen vorangegangen war eine Aktion der „Identitären Bewegung“ in Mühldorf am Inn. Diese hatte vor städtischen und kirchlichen Kindergärten Transparente aufgehängt, auf denen stand: „Kinderehe = Kindesmissbrauch“ – dazu der Zusatz: „Das Maas ist voll“. Ein Foto der Aktion wurde auf der Internetseite der „IB“ präsentiert.

Dem „Nikolaus“ Peter Mück gefiel die Aktion und er teilte das Posting, gab ein Like ab und kommentierte: „Gut gemacht Jungs.“

Daraufhin meldeten sich besorgte Eltern „von den Engerln, die den Nikolaus begleiten“ bei der Bürgermeisterin, wie diese den Vorfall schildert. Doch die Eltern waren nicht besorgt wegen der Kinderehen, sondern wegen der Meinungskundgebung des Peter Mück. Dieser wurde nämlich zum Gespräch ins Rathaus gebeten, am Montag, 14. November.

Dabei ging es um die Teilung dieses Beitrags und ein Like mit Konsequenzen:

Keine zwei Wahrheiten

Es gehe ihm nur um die Aussage „Kinderehe = Kindesmissbrauch“, da stehe er nach wie vor dahinter. „Das habe ich auch Marianne Zollner gesagt, die mich daraufhin mit großen Augen anschaute“, so Mück. In dem Gespräch sei es gar nicht um die „Identitäre Bewegung“ gegangen, ob er Mitglied sei oder mit ihr sympathisiere.

Er sollte sich lediglich von der Kindesmissbrauch-Aussage distanzieren. Dies tat er nicht. “

Dabei habe ich doch nur die Aktion auf Facebook gesehen, gelikt, geteilt und kommentiert und ich finde, bei Kinderehe oder Kindesmissbrauch gibt es keine zwei Wahrheiten.“

(Ex-Nikolaus Peter Mück)

Er versuchte ihr im Gespräch noch zu erklären, dass er nicht fremdenfeindlich sei und auch das Nikolausgewand niemals für irgendwelche politischen Aussagen missbrauchen würde, „aber das half alles nichts“.

Missbrauch am Gebäude statt Missbrauch am Kind

Dass sie ihren Nikolaus deswegen gefeuert hatte, weil er von der Aussage „Kinderehe = Kindesmissbrauch“ nicht zurücktreten wollte, kam in der Stellungnahme der Bürgermeisterin dann nicht mehr vor. Die „IB“ hätte mit ihrer Plakataktion „unsere Gebäude für ihre Zwecke missbraucht“, weshalb Anzeige erstattet wurde.

Und wie schon bei den „besorgten Eltern“ war nicht das Thema „Kinderehe = Kindesmissbrauch“ vorrangig, sondern der Missbrauch am Gebäude durch die Plakataktion. Eine sonderbare Logik und Doppelmoral, die sich vielleicht nicht jedem erschließen mag.

Version 2 – Die Bürgermeisterin

Laut Peter Mücks Aussage habe die Bürgermeisterin ihn überhaupt nicht nach seinem Verhältnis zur „Identitären Bewegung“ gefragt, sondern nur die Distanzierung von der Kindesmissbrauchs-Aussage gefordert. In der Erklärung der Bürgermeisterin zum Gespräch wurde das ganz anders geschildert und plötzlich stand die „IB“ im Zentrum des Gesprächs.

„Im Gespräch mit Peter Mück ging es mir vor allem darum, in welcher Beziehung er zur ‚Identitären Bewegung‘ steht. Dazu hat er sich aber nicht geäußert. Und da er sich nicht bereit erklärte, sich in irgendeiner Form von der IB zu distanzieren, ließ er mir keine Wahl“, so Marianne Zollner im „Wochenblatt“.

Jeder darf natürlich seine Meinung sagen, man muss aber dann auch mit den Konsequenzen leben.“

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(Bürgermeisterin Zollner, SPD)

Das Aus für den Nikolaus

Und damit schnürte die Bürgermeisterin den Sack zu: „Einen Nikolaus, der sich anscheinend für so eine menschenverachtende und ausländerfeindliche Bewegung engagiert, kann ich als Bürgermeisterin der Stadt Mühldorf nicht vertreten.“

Was hilft es, dass sie dem noch hinzufügte, dass es ihr schwergefallen sei, diese Entscheidung zu treffen und es ihr persönlich leidtue, was möglicherweise sogar ehrlich gemeint war. Offenbar hatte die Bürgermeisterin und SPD-Politikerin einen inneren Konflikt zu bewältigen, einen Konflikt als Mensch und Frau und ihrer Position als Bürgermeisterin und einer sozialdemokratischen Ideologie.

Und wieder fällt diese seltsame Logik auf: Da werden die politischen „Gegner“, in diesem Fall die Plakatierenden als „menschenverachtend“ dargestellt und nicht das eigentliche Menschenverachtende, die erzwungene Kinderehe.

Nach den Bestimmungen orthodoxer islamischer Rechtsschulen dürfen Mädchen ab neun Jahren heiraten. Diese Rechtsschulen orientieren sich an der Ehe des Propheten Mohammeds mit seiner dritten Frau Aischa, die nach islamischer Überlieferung (Hadith) zum Zeitpunkt des Eheschließungsvertrages sechs Jahre und bei der Hochzeit neun Jahre alt gewesen sein soll.“

(Wikipedia)

Doch wie schon das alte deutsche Sprichwort besagt: Wer die Macht hat, hat das Recht.

Die „offene“ Tür für den Nikolaus

Die Bürgermeisterin will aber dem Nikolaus nicht alle Türen verschließen: „Sollte er sich öffentlich auf Facebook klar von der IB distanzieren, so könne er auch wieder das Mühldorfer Nikolausgewand tragen“, berichtet das „Wochenblatt“.

Kein Wort mehr von dem sensiblen Thema Kindesmissbrauch. Es geht nur noch um die politische Meinungskonfrontation. Doch wie schon weiter oben Peter Mück in seiner Version des Gesprächs erwähnte, sei genau das Thema des Gesprächs gewesen und nicht die „Identitäre Bewegung“.

Keine Rückkehr – der Kinder wegen

Für Peter Mück jedoch gibt es keine Rückkehr als Nikolaus auf dem Christkindlmarkt mehr. „Das ist kein Thema mehr“, so Mück. Er sei ja teilweise schon vorverurteilt. Ihm gehe es nicht um sich.

Ich will es den Engerln und allen anderen Kindern ersparen, dass mir jemand beim Süßigkeitenverteilen am Mühldorfer Christkindlmarkt hinterher ruft: Da ist er ja der Nazi-Nikolaus!“

(Ex-Nikolaus Peter Mück)

Wie das „Oberbayerische Volksblatt“ meldete, distanzierte sich Mück inzwischen von der „Identitären Bewegung“ und der AfD in einer schriftlichen Stellungnahme. Er hätte sich viel besser informieren müssen, sagte er. Doch sei er weder Mitglied der „IB“ noch der AfD, wie ihm ebenfalls unterstellt wurde, noch unterstütze er deren Aktionen.

Worauf seine jetzige Stellungnahme beruht, bleibt Mücks Geheimnis. Allerdings bewahrte sich der Mann gegenüber einem wohl immensen Druck einen Rest an Gewissen: „Die Kernaussage, ‚Kinderehe ist gleich Kindesmissbrauch‘ ist für mich dennoch richtig und vertretbar.“

Hintergrundinfo: Identitäre Bewegung

„Die ‚Identitäre Bewegung‘ fällt seit einigen Jahren durch Aktionen und Positionen auf, die islam- und fremdenfeindlich geprägt sind“, so Torsten Voß, Leiter des Hamburger Landesamtes für Verfassungsschutz in einem Artikel der „Zeit“.

Dem widersprach der Bundessprecher der „IB“, Leon Degener: „Die ‚Identitäre Bewegung‘ ist eine patriotische Jugendorganisation. Wir wollen Patriotismus wieder frei von irgendwelchen überkommenen Ideologien erfahrbar machen.“

Laut Degener seien die Beobachtungen des Verfassungsschutzes ungerechtfertigt, man bekenne sich zur demokratischen Grundordnung und verstehe sich als außerparlamentarische Opposition.

Wir gehen den Weg des friedlichen, aktiven Widerstands gegen die vorherrschende Politik: mit überspitzten Aktionen, die gern auch ein bisschen frech und satirisch sein dürfen.“

(Leon Degener, Bundessprecher der „Identitären Bewegung“)

Die „Zeit“ sieht die Mitglieder der „IB“ als „redegewandt, ihre Sprache hat nichts gemein mit der dumpfen Rhetorik rechter Skinheads. Man ist stolz auf den akademischen Hintergrund der ‚IB‘.“

In Wikipedia wird über die Ideologie der „IB“ Folgendes geschrieben: „Die Ideologie der ‚Identitären Bewegung‘ folgt dem Konzept des Ethnopluralismus, das statt von einer biologisch gestifteten Einheitlichkeit einer Volks- und Abstammungsgemeinschaft, wie sie etwa im NS-Rassismus dominant war, die kulturelle ‚Reinhaltung‘ der Gesellschaft anstrebt. Die IB erhebt die Forderung nach ‚ethnopluralistischer Vielfalt‘ statt ‚kulturellen Einheitsbreis'“.

 

Werbefilm der „Identitären Bewegung“ Deutschland

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