Papst Franziskus nach seiner Ankunft am Flughafen Tocumen während einer Begrüßungszeremonie.Foto: Arnulfo Franco/AP/dpa

Papst wirft französischer Ordensgemeinschaft „Versklavung von Frauen“ vor

Epoch Times6. Februar 2019 Aktualisiert: 6. Februar 2019 15:32
Franziskus sagte bei einem Gespräch mit Journalisten, in einer Frauenkongregation habe es Missbrauch gegeben. Dies habe "bis zur sexuellen Versklavung durch Priester und den Gründer" gereicht.

Papst Franziskus hat erstmals sexuellen Missbrauch von Nonnen in der Katholischen Kirche eingeräumt – und dabei nach Angaben seines Sprechers unter anderem auf die französische Johannesgemeinschaft angespielt. Diese hatte bereits vor Jahren Verstöße „gegen die Keuschheit“ eingeräumt und war auch wegen Pädophilie in die Kritik geraten:

Welche Vorwürfe erhebt der Papst?

Franziskus sagte bei einem Gespräch mit Journalisten, in einer Frauenkongregation habe es Missbrauch gegeben. Dies habe „bis zur sexuellen Versklavung durch Priester und den Gründer“ gereicht. Nach Angaben seines Sprechers bezog sich der Papst auf die französische Kongregation der kontemplativen Schwestern vom heiligen Johannes, einer Untergruppe der Johannesgemeinschaft.

Was ist zu dem Fall bekannt?

Die Johannesgemeinschaft, die in Frankreich zur Diözese Autun gehört, hatte bereits im Mai 2013 Verstöße ihres gestorbenen Gründers Marie-Dominique Philippe „gegen die Keuschheit“ eingestanden. Diese hätten sich gegen „erwachsene Frauen gerichtet, die er begleitet“ habe. Eine „sexuelle Vereinigung“, also Geschlechtsverkehr, habe es aber nicht gegeben, sagte der Generalprior der Gemeinschaft, Thomas Joachim. Angaben zu den Opfern und zur Zahl der Betroffenen machte er nicht.

Wer war Marie-Dominique Philippe?

Der 1912 geborene Dominikaner aus Nordfrankreich hatte die Gemeinschaft vom heiligen Johannes 1975 als kontemplativen Orden in Freiburg in der Schweiz gegründet, wo er Philosophie an der Universität unterrichtete. Die Gemeinschaft mit zeitweise bis zu tausend Mitgliedern – Frauen wie Männern – gelangte zunächst in der Schweiz und in Frankreich zu Einfluss. Später zählte sie rund 60 Konvente auf fünf Kontinenten.

Der als charismatisch geltende Pater Philippe wurde Zeit seines Lebens verehrt, Anhänger forderten nach seinem Tod 2006 seine Seligsprechung.

Welche Kritik gab es an dem Ordensgründer?

Der französische Sektenschutzbund UNADFI kritisierte bereits seit den 90er Jahren „einen wahren Personenkult“ um Pater Philippe und sektenähnliche Strukturen in seiner Ordensgemeinschaft. Junge Menschen würden dazu gebracht, „sich fast vollständig von ihrer Familie und ihren alten Freunden zu isolieren“, hieß es. Es gebe Berichte über „schwere Depressionen und sogar Suizide, Gesundheitsprobleme und Sittlichkeitsverbrechen“.

Welche Konsequenzen hatte dies?

Pater Philippe wurde selbst nie belangt. Drei Mönche wurden dagegen in den Jahren 2012 bis 2016 in Frankreich wegen Pädophilie verurteilt. Die Johannesgemeinschaft bat die Opfer der früheren Konventsmitglieder deswegen um „Entschuldigung“.

Die französische Online-Zeitung „Médiapart“ veröffentlichte 2016 ein internes Schreiben aus dem Vatikan, in dem der Ordensgemeinschaft „verdächtige Nachsichtigkeit“ im Umgang mit den Skandalen vorgeworfen wurde.

Was tut die Gemeinschaft heute gegen Missbrauch?

Im Frühjahr 2017 erklärte die Gemeinschaft, sie habe in Übereinstimmung mit dem Vatikan interne Strukturen geschaffen, um „den Umgang mit Fällen von Pädophilie und sexuellem Missbrauch“ zu verbessern. Die Rede war von einer engen Zusammenarbeit mit der Justiz und der Schaffung einer Kommission, um Beschwerden anzuhören. (afp)



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