Staatliche Stiftung aus Katar betreibt islamistische Unterwanderung – getarnt als Wohltätigkeit

Von 8. November 2019 Aktualisiert: 8. November 2019 16:51
Wie Investigativjournalisten enthüllen, will die staatliche Stiftung Qatar Charity neben 140 Moscheen auch eine Reihe von Schulen, Unternehmen und Kulturzentren in Westeuropa errichten. Im Schlepptau führt sie die extremistische Muslimbruderschaft.

Sind Warnungen vor islamischer Unterwanderung europäischer Gemeinwesen übertrieben – oder gibt es tatsächlich Ambitionen mächtiger und finanzstarker Akteure, den politischen Islam, nicht zuletzt auf dem Wege der Einflussnahme auf Einwanderercommunitys, auch in Europa zu einem tragenden Machtfaktor zu machen?

Zumindest was weltweit präsente und gut organisierte extremistische Einflussgruppen wie die Muslimbruderschaft (MB) anbelangt, warnen zahlreiche Muslime aus dem In- und Ausland selbst davor, die Augen vor der Gefahr zu verschließen, die von deren Ideologie und politischer Agenda ausgeht. Was beispielsweise die MB anbelangt, sei es nicht nur die Radikalität ihrer Vorstellungen, die Wachsamkeit als geboten erscheinen lässt, sondern auch der Umstand, dass finanzstarke private, aber auch staatliche Akteure deren Vorhaben unterstützen.

Einkreisungsstrategie gegenüber muslimischen Gemeinschaften

Bereits im August warnte „Egypt Today“ vor einer regelrechten Einkreisungsstrategie, die vonseiten der Muslimbrüder verfolgt werde, um die Kontrolle über die organisierten muslimischen Gemeinschaften in Frankreich zu erlangen. Französische Muslime, so schreibt die Zeitung unter Berufung auf Rechercheergebnisse der pakistanischen Journalistin Taha Siddiqui, seien in allen Bereichen, in denen sie sich mit ihrer Religion verbinden, von der Muslimbruderschaft umgeben. Dies betreffe Moscheen ebenso wie NGOs, Wohltätigkeitsvereinigungen oder Kulturprojekte.

Im Zuge des „Arabischen Frühlings“ habe die MB versucht, die Machtambitionen, die bereits ihr geistiger Wegbereiter Sayyid Qutb zum Zeitpunkt ihrer Gründung im Jahre 1928 skizziert hatte, im Nahen Osten und in Nordafrika in die Tat umzusetzen. Zum Teil ist ihr dies auch gelungen, so kontrolliert die Bruderschaft eine der drei rivalisierenden „Regierungen“ in Libyen, die jeweils Anspruch auf Legitimität erheben.

In Ägypten und Syrien scheiterten jedoch die Versuche, dauerhaft die Macht an sich zu reißen – obwohl die Türkei und Katar sich uneingeschränkt hinter die Muslimbrüder gestellt hatten. Ägypten, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate stufen die Muslimbruderschaft nun einhellig als Terrororganisation ein. Dies habe die MB dazu veranlasst, ihre Schwerpunkte wieder nach Europa und in die dortigen muslimischen Einwanderercommunitys zu verlagern.

Ideologischer Kern von MB und Al-Kaida ist identisch

Siddiqui nennt die Organisation „Muslime Frankreichs“ (MDF), in die sich die seit 1983 operierende „Vereinigung der islamischen Organisationen Frankreichs“ vor zwei Jahren umbenannt habe, als eines der Zentren der Muslimbrüder in Westeuropa. Ihr sollen 1600 Mitglieder und mehr als 600 verbündete NGOs angehören.

Die USA hätten, so Siddiqui, die MB bislang nicht als Terrororganisation eingestuft, weil ihre Netzwerkstruktur zu lose sei, um die Definitionskriterien zu erfüllen. Auf den Kern der MB möge dies auch tatsächlich zutreffen, allerdings lasse sich auch nicht leugnen, dass islamistische Terrorgruppen, die sich – oft unter stetiger Änderung ihres Namens – zusammenfinden und offiziell als solche betrachtet werden, zumindest in den theoretischen Aspekten ihrer Ideologie mit der MB übereinstimmen.

Offiziell leugnen Organisationen, die der Muslimbruderschaft zuzurechnen sind, jede Gewaltaffinität und geben sich als gutwillige zivilgesellschaftliche Akteure. Tatsächlich gehen aber einige der gefährlichsten terroristischen Gruppen und Einzelakteure aus der MB hervor – so etwa der zweite Al-Kaida-Führer Aiman al-Zawahiri.

Im Gespräch mit dem „Investigative Journal“ erklärt auch der frühere MDF-Funktionär Mohamed Louizi, dass die Gruppe immer noch mit der Muslimbruderschaft verbunden sei und – ebenso wie die „Vereinigung Pluralistischen Frankreich“ des Islamisten Anouar Kbibech – eine „Triebfeder der islamischen Radikalisierung in Frankreich“ sei. Wie stark der Einfluss der Muslimbrüder auf Frankreichs Moscheegemeinden sei, zeige, so Louizi, dass er selbst Hausverbot in seiner lokalen Moschee habe.

Reiche leisten Zakat an die Qatar Charity

Worauf Louizi nachdrücklich hinweist und was auch die französischen Journalisten Georges Malbrunot und Christian Chesnot in einem Beitrag für Arte herausgearbeitet haben, ist die Rolle, die der reiche Golfstaat Katar beim Auf- und Ausbau radikal-islamischer Strukturen der Muslimbruderschaft spielt.

Eine Schlüsselstellung nimmt dabei die Stiftung Qatar Charity ein, die das Emirat selbst betreibt und die unter anderem darauf zählen kann, von reichen Muslimen in der Golfmonarchie umfangreiche finanzielle Mittel aufgrund der islamischen Verpflichtung zur Zakat, der Spende für die Bedürftigen, zur Verfügung gestellt zu bekommen.

Ein Insider hat vor Monaten den Journalisten einen USB-Stick zur Verfügung gestellt, der tausende Dokumente aus dem Innenleben der dem Qatar Charity enthält und belegt, wie die Muslimbruderschaft das Dach der Stiftung und der Wohltätigkeit nutzen will, um den radikal-islamischen Einfluss in Westeuropa voranzubringen.

Präsident der Qatar Charity ist Mohammed al-Thani, der ehemalige Innenminister von Katar und ein Neffe des Emirs. Unter seiner Führung soll mithilfe von mindestens 140 neuen Moscheebauten, durch die Errichtung von Schulen und Kulturzentren und den Betrieb von Unternehmen eine Parallelgesellschaft auf- und ausgebaut werden, die einzig dem Motto der MB gehorcht, welches laute: „Der Islam ist die Lösung für alles.“ Offiziell bestreitet die Regierung in Doha, dass ihr Wohlfahrtsverband in irgendwelche religiösen oder politischen Aktivitäten involviert sei.

Parallelgesellschaft im Elsass?

Ein Beispiel für ein Projekt der Qatar Charity sei die 29 Millionen Euro teure Errichtung des An-Nour-Gemeindezentrums im elsässischen Mülhausen, wo sich neben einer Moschee auch Scharia-konforme Kultur-, Freizeit- und Einkaufszentren befinden, die auch reichlich Besucher aus den Grenzregionen Deutschlands und der Schweiz anziehen. Die Hälfte der Investitionssumme soll demnach von Stiftung des Golfemirats beigesteuert worden sein. Das Gemeindezentrum soll erst der Anfang sein – es sollen weitere dieser Art in Deutschland, Frankreich, Luxemburg und Großbritannien folgen.

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Auch ein Flüchtlingszentrum im sizilianischen Catania, das auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise vor allem Migranten aus Syrien aufnahm und betreute, soll von der Qatar Charity betreut werden. In Sizilien, das 400 Jahre lang unter muslimischer Herrschaft stand, soll die Qatar Charity insgesamt zehn eigene Projekte unterhalten haben.

Es ist oft schwierig, den Nachweis zu erbringen, dass von Katar aus finanzierte Einrichtungen automatisch auch der Verbreitung der Doktrin der Muslimbruderschaft dienen. Allerdings scheinen die „Wohlfahrtseinrichtungen“ Kräften, die genau dies beabsichtigen, ein ruhiges Hinterland zu bieten.

IHH als Beispiel für Terrorunterstützung unter dem Dach der Wohltätigkeit

Die türkische IHH, unter deren Dach extremistische und terroristische Aktivitäten zur Entfaltung kamen, ehe sie beispielsweise wegen ihrer Unterstützung der Hamas in Israel und später auch in Deutschland verboten wurde, stellt jedoch ein bekanntes Beispiel für die Förderung politisch extremer Ziele unter dem Dach einer Wohlfahrtsorganisation dar.    

In Großbritannien war, wie der „Telegraph“ berichtet, beispielsweise Hanane Aboulhana, eine frühere Mitarbeiterin des Generaldirektorats der Qatar Charity UK, in einen Gefangenenaufstand islamistischer Häftlinge im französischen Alencon-Conde-sur-Sarthe involviert. Dabei erstach sie selbst mit einem Messer zwei Angehörige von Spezialeinheiten, bevor sie erschossen wurde.

Die Messer hatte sie zuvor ins Gefängnis geschmuggelt und sich, um Einlass zu finden, als Ehefrau eines Inhaftierten ausgegeben, mit dem zusammen sie eine Nacht in einer Besucherzelle für Paare verbringen wolle.

Das Buch „The Qatar Papers”, in dem Malbrunot und Chesnot ihre Erkenntnisse über die vom Golfemirat ausgehenden Unterwanderungsversuche in Westeuropa darlegen, ist bislang in französischer Sprache erhältlich. Ob es in weitere Sprachen übersetzt werden soll, ist noch offen.