Wie China die Welt nach der Corona-Pandemie formen will

Von 21. Mai 2021 Aktualisiert: 21. Mai 2021 17:17

Dieser Gastbeitrag ist der Originaltext zum Video: „Wie China die Welt nach der Corona-Pandemie formen will“ vom YouTube-Kanal „Leas Einblick“

Wer sich mit China beschäftigt, kennt bestimmt den Namen Sunzi. Er wurde 500 Jahre vor Christus geboren und galt als ein Genie in der strategischen Kriegsführung.

Sein berühmtestes Werk „Die Kunst des Krieges“ gilt bis heute als Pflichtlektüre für jede Führungskraft, ob in der Wirtschaft oder in der internationalen Politik.

Einer der meist zitierten Sätze aus dem Buch heißt: Wenn du dich selbst und auch deinen Gegner kennst, kannst du ohne Gefahr hundert Schlachten gewinnen.

Diesen Satz möchte ich jedem ans Herz legen, der eine enge Zusammenarbeit mit der kommunistischen Führung Chinas anstrebt. Denn der globale Markt ist auch ein Teil des geopolitischen Schlachtfeldes.

Zugegeben ist es keine leichte Aufgabe, die wahren Intentionen der chinesischen Politiker immer genau zu verstehen. Zum einen liegt es an der chinesischen Sprache. Immerhin gibt es in Europa viel zu wenig Menschen, die die chinesische Sprache verhandlungssicher beherrschen. Zum anderen liegt es an Chinas politischen Gegebenheiten. Die Parteizentrale verlangt, dass alle Mitglieder der Partei mit einer Stimme sprechen. Wer aus der Reihe tanzt, muss mit Konsequenzen rechnen. Und ich stelle fest, dass Politiker der westlichen Länder ihr Wissen über China hauptsächlich aus den öffentlichen Reden der chinesischen Politiker und aus Berichten Chinas englischsprachiger Staatsmedien entnehmen.

Doch wenn man sich die zum Teil öffentlichen Diskussionen über die Außenpolitik unter chinesischen Fachleuten in China anhört, bekommt man schon ein anderes Bild gezeigt.

Nach dem Motto: „Wer Gedanken liest, ist klar im Vorteil“, würde ich euch heute gern in die Gedankenwelt eines außenpolitischen Beraters der chinesischen Regierung einführen. In einem Videobeitrag hat er ausführlich eine Strategie vorgestellt, wie China die Welt nach der Corona-Pandemie formen sollte.

Wer meinen Kanal schon seit letztem Jahr verfolgt hat, kennt mit Sicherheit den Namen Dr. Di Dongsheng, Professor an der Chinesischen Volksuniversität in Beijing.

Im vergangenen Jahr erzählte er vor einem Millionenpublikum in China, wie die kommunistische Führung Chinas die Wall Street benutzt hat, um Einfluss auf die USA zu nehmen.

In einem Videobeitrag zum Thema „Belt and Road, die Neue Seidenstraße in der Post-Pandemie-Welt“, verriet Dr. Di, worum es bei Chinas „Neuer-Seidenstraße-Initiative“ tatsächlich geht.

Bis jetzt kennt man diese Initiative als ein gigantisches Infrastrukturprojekt – eine Methode Pekings, die Land- und Seehandelsrouten von Asien nach Europa und Afrika zu bauen, Absatzmärkte für die Überproduktion im eigenen Land zu finden oder sogar Naturressourcen in Ländern entlang der Neuen Seidenstraße für sich selbst zu gewinnen.

Aber ist das alles, worauf China abzielt? Lasst uns mal hören, was Professor Di dazu sagt:

„Wir gehen in die vielen Länder, die an den Routen der Neuen Seidenstraße liegen. Welche Ziele verfolgen wir? Liberale Ökonomen sagen oft, dass wir auf die Energien und Minen dieser Länder abzielen. Diese Meinung halte ich für oberflächlich. Wie ich bereits gesagt habe, ist die Quelle des Wohlstands der Mensch und nicht materielle Gegenstände. Wonach wir streben, sind die jungen Menschen aus den Ländern entlang der Neuen Seidenstraße. Sie wollen konsumieren, haben jetzt aber kein Geld. Wir können diesen Ländern Geld leihen und dort investieren, dann haben sie das Geld. Wir können diese jungen Leute anstellen, dann haben sie ein Einkommen. Wenn sie Einkommen haben, haben sie Geld, dann werden sie unsere Produkte kaufen und Geld an uns zahlen.“

So soll ein Kreislauf entstehen, damit junge Menschen der Entwicklungsländer und Schwellenländer in den Kapitalkreislauf, Güterkreislauf und Geldkreislauf Chinas eingebunden werden.

„Allerdings dürfen sie nicht in unserer Gesellschaft leben – das heißt: Fremde Völker dürfen nicht direkt in unsere Gesellschaft geführt werden. Eine multikulturelle, mehrsprachige Gesellschaft mit Menschen aus verschiedenen Völkern würde letztendlich zu starken sozialen Konflikten führen.“

Nach Dis Vorstellung sollte China nach der Corona-Pandemie nicht nur in Infrastrukturprojekte der Entwicklungsländer, sondern auch in die arbeitsintensiven Fertigungsbranchen in diesen Ländern investieren. Um den Erfolg zu sichern, sollten Sonderzonen – eine Art von Kolonien unter chinesischer Verwaltung – in den Entwicklungsländern eingerichtet werden. China wird bestimmte Gebiete im jeweiligen Land für einhundert oder zweihundert Jahre pachten.

Durch die Corona-Krise sind viele Länder, die ohnehin arm sind, noch härter angeschlagen. Viele Länder in Afrika oder auch Serbien in Europa haben mit der Rückzahlung von chinesischen Krediten Probleme. Bei Zahlungsunfähigkeit greift Peking rigoros durch. Sri Lanka etwa hat mit chinesischen Krediten seine Infrastruktur modernisiert – musste aber 2017 das Gebiet um den Hafen Hambantota an China abtreten. Und das gleich für 99 Jahre.

Auf diesem Weg hätte China die Möglichkeit, gleich mehrere Sonderwirtschaftszonen in Schuldnerländern einzurichten.

Nach Professor Dis Vorstellung würde eine große Sonderzone dann so aussehen:

„Wenn zum Beispiel eine Industriestadt mit 10 Millionen Einwohnern entsteht, darf der Anteil der Chinesen nicht mehr als 1 Million sein. Woher kommen also die anderen 9 Millionen Menschen? Vielleicht 3 Millionen aus Pakistan, 3 Millionen aus Indien und weitere 3 Millionen aus Ägypten oder aus armen Ländern wie dem Jemen. Die Menschen aus diesen Ländern können nicht miteinander kommunizieren. Deshalb wird Chinesisch als ihre gemeinsame Sprache fungieren. Die politischen und rechtlichen Normen basieren auf den chinesischen Erfahrungen. Somit wird ein einzigartiges lokales System aufgebaut. Eine Sonderzone bestehend aus mehreren Völkern, die unter einer homogenen Kultur vereinigt sind. Diese homogene Kultur darf nur die chinesische Kultur sein. Wenn wir 80 Jahre lang so weiter machen, könnten wir vielleicht bis Ende dieses Jahrhunderts 100 solcher Industriestädte mit jeweils 10 Millionen Einwohnern aufbauen.“

Die Bewohner der chinesischen Kolonialgebiete sollten also die chinesische Sprache sprechen, chinesisches Geld benutzen, unter chinesischer Verwaltung und nach dem chinesischen Gesetz leben. Anscheinend dürfen nur diejenigen dort leben, die die Lobeshymne auf die Kommunistische Partei Chinas mitsingen.

Zu dem China-Traum von Professor Di Dongsheng gehört die Entstehung einer neuen Volksgruppe, die er als „neue Chinesen“ bezeichnet. Wie wird dieses neue Volk aussehen?

„In 80 Jahren wird die Gruppe ‚neuer Chinesen‘ aus Mischlingen bestehen. Sie haben eine Art ‚gemischter‘ Hautfarbe und sprechen fließend Chinesisch. Aber es könnte sein, dass ihr Essen mehr nach Curry riechen würde. Somit wird es auf der Welt eine Milliarde ‚neuer Chinesen‘ und eine Milliarde ‚alter Chinesen‘ geben. Neugeborene chinesische Kinder – im weiteren Sinne – würden weltweit einen stabilen Anteil von 20 Prozent aller Neugeborenen ausmachen.“

So sollte also die demografische Dividende für China gesichert werden. Und das ist noch nicht alles. Zu den Zielen der Seidenstraße-Initiative gehört auch, eine Welt mit chinesischem Renminbi als Leitwährung aufzubauen.

Das Rennen um die Leitwährung ist auch ein Kampf um die Vorherrschaft in der Finanzwelt.

Noch ist der US-Dollar die Leitwährung der Welt. Seit etlichen Jahren träumt Peking aber davon, den Dollar vom Thron zu stoßen.

Doch um die Leitwährung der Welt zu sein, müsste der Renminbi vor allem frei konvertibel sein. China müsste also den Wechselkurs freigeben. Allerdings ist die chinesische Regierung keinesfalls bereit, die Kontrolle über ihre Währung zu verlieren. Somit ist der Renminbi nicht für die internationale Verwendung geeignet.

Deshalb träumt Peking nun davon, 5 Milliarden Menschen aus den Entwicklungsländern an sich zu binden und somit eine Welt mit Renminbi als der mächtigsten Währung aufzubauen. In jener Welt wäre China derjenige, der den Ton gibt.



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