„Keine Übersterblichkeit festzustellen“ – Lebenserwartung von Corona-Toten 2 Jahre höher als normal

Bereits seit dem Frühjahr schreibt das RKI, dass die Hälfte aller Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19 etwa 82 Jahre oder älter waren. Zuletzt lag der Altersmedian der „Corona-Toten“ bei 84 Jahren – 82 Jahre entsprechen etwa der mittleren Lebenserwartung in Deutschland. Ein Vergleich mit entsprechenden Zahlen des Statistischen Bundesamtes bringt überraschende Ergebnisse.
Von 27. Januar 2021

Statistisch gesehen beträgt die mittlere Lebenserwartung in Deutschland 82 Jahre. Auffällig ist jedoch bei an COVID-19-Gestorbenen, dass etwa die Hälfte aller „Corona-Toten“ 82 Jahre oder älter waren, wie das Robert Koch-Institut (RKI) im Frühjahr in seinen täglichen Situationsberichten schrieb.

Im Situationsbericht vom 19. Januar 2021 heißt es:

Von allen Todesfällen waren 42.287 (89 %) Personen 70 Jahre und älter, der Altersmedian lag bei 84 Jahren.“

In der Statistik gibt der Median den Wert an, der genau in der Mitte aller Werte liegt. Bezogen auf das Sterbealter bedeutet das: Die Hälfte aller Gestorbenen ist älter als der Median, die andere Hälfte jünger.

Mit anderen Worten: Die mittlere Lebenserwartung von Menschen mit Corona liegt bei 84 Jahren, die der „normalen“ Bevölkerung bei 82 Jahren.

„Corona-Tote“ lebten durchschnittlich 3,4 Jahre länger

Im täglichen Situationsbericht vom 19. Januar 2021 veröffentlichte das RKI zudem folgende Tabelle zum Alter der COVID-19-Todesfälle:

Darüber hinaus stellt das Statistische Bundesamt in der GENESIS-Online-Datenbank, Tabelle „12613-0003“ Angaben zum Alter aller Gestorbenen für die vergangenen Jahre bereit. In der Sonderauswertung der Sterbefälle führt das Statistische Bundesamt die Sterbefälle für 2020.

Aus den Genesis-Daten lassen sich Durchschnittsalter, Altersmedian sowie die Anteile der über 70-Jährigen und der über 80-Jährigen der Gestorbenen berechnen. Gleiches kann man mit obigen Altersangaben für die COVID-19-Todesfälle tun:

Deutlich ist in allen vier Kenngrößen die etwa gleichmäßig steigende Lebenserwartung erkennbar. Die Datenpunkte ganz rechts in der Tabelle [siehe auf der Leiste Corona20] – berechnet aus den Angaben des RKI über „Corona-Tote“ – passen jedoch nicht in diese Reihe.

Im Vergleich zur Gesamtheit aller Sterbefälle 2020 ist der Altersdurchschnitt der „Corona-Toten“ um 3,4 Jahre und der Altersmedian um 2 Jahre höher. Der Anteil der über 70-jährigen „Corona-Toten“ übersteigt den der „normalen“ Todesfälle um 10 Prozentpunkte. Der Anteil der über 80-Jährigen liegt um 11 Prozentpunkte höher.

Wenn durch COVID-19 die Menschen also nicht vorzeitig sterben, sollte es auch keine „Übersterblichkeit“ geben. Ein Blick auf die Zahlen und die Methoden erklärt, wo diese dennoch entsteht.

Übersterblichkeit hängt vom Vergleichswert ab

Die vom Statistischen Bundesamt angegebene Übersterblichkeit ist definiert als „absolute Anzahl der Todesfälle über dem Durchschnitt der Jahre 2016-2019“. Um diese zu ermitteln, vergleicht das Statistische Bundesamt in der ‚Sonderauswertung Sterbefälle‘ [EpochTimes berichtete, hier mit den Daten bis November] die wöchentlichen Sterbezahlen von 2020 mit den Werten der Jahre 2016 bis 2019.

Die Definition „absolute Anzahl der Todesfälle über dem Durchschnitt der Jahre 2016-2019″ bedeutet jedoch auch, ab dem ersten Toten, der mehr stirbt als in den Vorjahren, gibt es eine Übersterblichkeit.

Der Vergleich zeigt sowohl im April als auch ab Mitte Oktober für 2020 teils deutlich höhere Werte. Dabei wird allerdings der langfristige Trend der Sterbefallzahlen ignoriert: Seit der Jahrtausendwende steigen die Sterbezahlen. Unter Berücksichtigung dessen muss es zwangsweise jedes Jahr eine deutliche „Übersterblichkeit“ geben.

Das folgende Diagramm ergibt sich aus den Daten von GENESIS-online und der Sonderauswertung. Die Werte für 2020 beruhen auf vorläufigen Zahlen.

Aus diesem Diagramm und der berechneten Trendfunktion lässt sich ableiten:

  • In den letzten Jahren stieg die Anzahl der Sterbefälle im langfristigen Trend jährlich um etwa 12.000.
  • Der Mittelwert der Jahre 2016 bis 2019 (934.389) entspricht in dieser Zeitreihe etwa dem „Jahr“ 2017,5 (935.381).
  • In den letzten 2,5 Jahren bis 2020 ist laut Trend mit einer normalen Erhöhung um ca. 30.000 zu rechnen [2,5 · 12.000 = 30.000].

Da 2019 bereits unter dem Trend lag, ist eine höhere Steigerung nicht auszuschließen, sondern zu erwarten. In den vergangenen Jahren folgte auf ein Jahr mit weniger Toten ein Jahr mit mehr Toten und umgekehrt.

Sterbefälle 2020 insgesamt unauffällig – bezogen auf den langfristigen Trend

Anhand der Regressionsfunktion sind 2020 insgesamt 965.550 Sterbefälle zu erwarten. Das sind 30.000 mehr als der Mittelwert der Jahre 2016 bis 2019. Betrachtet man stattdessen den, unter anderem in der Sonderauswertung ausgewiesenen Mittelwert der letzten Jahre, liegt die Sterblichkeit 2020 – aus logischen Gründen wie jährliche Schwankungen und der allgemeinen Zunahme der Sterbefälle – darüber.

Die in der Sonderauswertung beobachtete Übersterblichkeit bis zur 50. Kalenderwoche von 28.428 ist daher nur im Vergleich zum Jahr 2017,5 vorhanden. Bezogen auf die langfristige Entwicklung ist bislang keine Übersterblichkeit zu erkennen.

Selbst bei weiteren Todesfällen in den letzten Dezemberwochen ist es unwahrscheinlich, dass die Gesamtzahl der Sterbefälle 2020 eine wesentliche Übersterblichkeit bezogen auf den langfristigen Trend darstellt.

Ähnliches zeigt auch die längere Zeitreihe der monatlichen Sterbefälle. Die Sterbefälle 2020 fügen sich dabei unauffällig in das langjährige Muster ein. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren zeigen sie jedoch keine Spitzenwerte durch Grippewellen wie, insbesondere im März 2018.

Auch Prof. Joachim Ragnitz, stellvertretender Geschäftsführer des ifo Instituts – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Dresden, kommt zu dem Ergebnis, dass

über alle Altersgruppen hinweg betrachtet […] eine über die normalen Altersstruktureffekte hinausgehende Übersterblichkeit im bisherigen Pandemieverlauf bis in den November hinein nicht festzustellen [ist].“

Corona-Übersterblichkeit: Endgültige Bewertung nicht vor Mitte 2021

Eine abschließende Betrachtung ist jedoch nicht vor Mitte 2021 möglich, warnt das Statistische Bundesamt. Erst dann lägen die endgültigen Zahlen vor. Weiter heißt es in den Hinweisen zur Sonderauswertung der Sterbefälle:

Erst mit diesen Daten sind abschließende und umfassende Bewertungen, Analysen und Vorjahresvergleiche zur Beurteilung einer sogenannten ‚Übersterblichkeit‘ möglich. Hierbei müssen auch Veränderungen in der Größe und Altersstruktur der Bevölkerung berücksichtigt werden.“



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