Seit der Corona-Krise ist nicht mehr wie zuvor, vor allem Kinder sind die Leidtragenden.Foto: iStock

„Wir züchten gerade die Generation Corona heran“

Von 17. Oktober 2021 Aktualisiert: 17. Oktober 2021 13:12
Pädagoge und Visualisierungstherapeut Maurice Janich über Selbstmordgedanken, den massiven Anstieg psychischer Störungen und soziale Isolation von Kindern – und was Eltern tun können, um ihrem Nachwuchs zu helfen.

Epoch Times: Was bedeutet Kindsein in Zeiten von Corona?

Maurice Janich: Sozialkontakte sind lebensrelevant für Kinder und Jugendliche. Je kleiner ein Kind, desto wichtiger sind sie – angefangen von einem stabilen, sozialen Umfeld wie dem Elternhaus, den Großeltern, Verwandten und befreundeten Familien bis hin zu altersgleichen Freunden. Alle Menschen – insbesondere Kinder und Jugendliche – benötigen für ihre emotionale beziehungsweise psychische Entwicklung und Gesundheit neben Routinen, Zukunftsperspektiven und Stabilität auch intellektuelle Auslastung. Sie müssen ihr Leben selbstbestimmt und selbstwirksam gestalten können.

ET: Wie wichtig ist vor diesem Hintergrund das sozioökonomische Umfeld? Kommen Kinder, die in einem stabilen Elternhaus leben, besser durch die Krise?

Janich: Je stabiler die Familie, desto mehr Sicherheit bekommt ein Kind. Ein bedeutender Grundsatz in der Persönlichkeitsentwicklung lautet: Du bist der Durchschnitt jener fünf Menschen, mit denen du am meisten Zeit verbringst. Und das stimmt auch, denn wir Menschen lernen durch das Nachahmen unseres Umfelds.

Hinzu kommt, dass Menschen gefallen möchten. Sie wollen, dass man gut über sie denkt und spricht, sie wollen einer Gruppe angehören – und zwar der richtigen. Momentan ist die richtige Gruppe jene, die Maßnahmen mitmacht. Wer dies nicht tut, könnte Herabwürdigung und Repressalien erfahren.

ET: Was sind die größten Sorgen von Kindern und Jugendlichen?

Janich: Grundsätzlich müssen wir die Kinder in zwei Gruppen teilen. Die einen glauben an das gefährliche Virus, die anderen nicht. In einer weltweiten Online-Befragung haben Medienwissenschaftler von Ende März bis Ende April vergangenen Jahres 4.300 Kinder zu ihren Ängsten befragt. Das Ergebnis: 88 Prozent der Befragten haben Angst davor, dass die Familie krank wird, und 70 Prozent davor, dass die Freunde Schaden nehmen.

Die übrigen Punkte bestätigen das, was die meisten Kinder äußern, die ich befrage: Nämlich dass sie die andauernde Situation, die nie zu enden scheint – mit allem, was sie beinhaltet, zum Beispiel Maske, Test, Impfung, Schulschließung, soziale Isolation, sozialer Druck und Ausgrenzung – emotional belastet und es ihnen an Strategien fehlt, damit umzugehen.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass im Jahr 2020 die Belastung durch die Maßnahmen am schlimmsten für die Kinder waren. Nicht etwa die Angst vor einer Krankheit. In diesem Jahr kam die Angst hinzu, dass die Maßnahmen nie wieder enden.

ET: Wie äußern sich diese Ängste?

Janich: Ich unterteile Ängste in Verhaltensauffälligkeiten und Psychosomatik, die aber nicht unbedingt voneinander zu trennen sind. Die Mehrheit der Kinder klagt über körperliche Symptome wie zum Beispiel Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Unwohlsein. Das wäre dann der Psychosomatik zuzuordnen – eine psychische Belastung, die sich auf der körperlichen Ebene zeigt.

Darüber hinaus gibt es Kinder, die sich auffällig verhalten, zunächst aber keine körperlichen Symptome zeigen. Sie gehen beispielsweise anderen Menschen aus dem Weg, wirken schüchtern oder gar verstört.

Im schlimmsten Fall werden zerebrale Mechanismen in Gang gesetzt, wodurch das rationale Denken unmöglich wird. Das haben wir bei den Menschen zu Beginn der Coronakrise gesehen. Sie sind panisch losgelaufen, weil sie dachten, die Welt würde zugrunde gehen, und haben Nudeln und Klopapier gekauft.

An diesem Beispiel können wir gut erkennen, dass mit dem Einsetzen der Angst zerebrale Mechanismen in Gang gesetzt werden, die rationales Denken nahezu unmöglich machen. Würden Sie wirklich, wenn Sie davon ausgingen, dass die halbe Menschheit durch ein Virus ausgerottet würde, Nudeln und Klopapier kaufen?

ET: Wie erklären Sie sich dieses Verhalten?

Janich: Hier ist Folgendes passiert: Diese Menschen fühlten sich in ihrer Existenz bedroht, womit das sogenannte Reptiliengehirn – der älteste und tiefliegendste Teil des menschlichen Gehirns – aktiviert wurde und das System des Menschen in den Überlebensmodus wechselt. Doch unsere Existenz –im Sinne von Überleben – war nicht direkt gefährdet.

Stünde ein Tiger vor uns, wäre die Angst am ehesten berechtigt, denn dann ist unsere Existenz genau in diesem Moment bedroht: Der Tiger könnte uns fressen. Bei einem Virus sieht dies anders aus. Hier gibt es viele Dinge, die man tun kann, um sich zu schützen – allen voran die Stärkung des Immunsystems.

ET: Haben seit dem Ausbruch der Krise bei den jungen Menschen auch Selbstmordgedanken zugenommen?

Janich: Definitiv, ja. Dies zeigt nicht nur meine tägliche Praxis, sondern auch die Wissenschaft. Aus einer Studie der Donau-Universität Krems mit der Uni Wien etwa geht hervor, dass in der Pandemie gut jeder sechste Jugendliche mit Suizidgedanken zu kämpfen hatte.

ET: Lässt sich heute schon prognostizieren, ob es Langzeitfolgen geben wird?

Janich: Kathrin Sevecke ist Professorin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und erforscht die Auswirkungen der Pandemie auf die Psyche von Kindern. In „Die Covidkrise wirkt komplexer als Tschernobyl“ bezieht sie sich auf eine Hamburger Studie, aus der hervorgeht, dass rund 70 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen angaben, dass sie sich durch die Coronakrise seelisch belastet fühlen.

Ihr Risiko für eine psychische Auffälligkeit stieg hierbei von 18 auf 31 Prozent. Die COPSY-Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf wiederum belegt, dass fast jedes dritte Kind ein knappes Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland psychische Auffälligkeiten zeigt.

ET: Mit welchen Schwierigkeiten kommen Kinder zu Ihnen?

Janich: Die häufigsten Symptome sind Ängste, Depressionen, Schlafstörungen und suizidale Gedanken. Erst letzte Woche kam ein 14 Jahre altes Mädchen zu mir, das aus lauter Angst nicht mehr in der Schule sprechen konnte und Selbstmordgedanken mit sich trug.

In einer Visualisierung konnte die Klientin mit der Kraft ihrer Gedanken und dem Denken in Bildern ihre Problematiken so weit auflösen, dass suizidale Gedanken verschwanden und sie wieder am Unterricht teilnehmen konnte.

Ängste beziehungsweise Angststörungen gehören übrigens zu den häufigsten psychischen Störungen in dieser Altersgruppe. Wir züchten gerade die Generation Corona oder die Corona-Kinder heran, eine traumatisierte, psychisch kranke Generation, mit der man alles machen kann.

ET: Wie kann man grundsätzlich mit Angst umgehen?

Janich: Wir sollten uns klarmachen, dass unsere Angst, keine Handlungsmöglichkeiten zu besitzen, die Kontrolle zu verlieren oder einer Situation hilflos ausgeliefert zu sein, nicht existenzbedrohend ist. Das Motto lautet: Raus aus der Ohnmacht, hinein ins Tun.

Ängste können wir relativ kurzfristig mit einem Zettel und einem Stift mildern, indem wir unsere Handlungsmöglichkeiten aufschreiben. So sehen wir, dass wir jede Menge tun können. Zudem gibt es natürlich diverse Mentaltechniken wie zum Beispiel gezielte Meditation.

ET: Was können Eltern tun, um ihren Kindern zu helfen?

Janich: Eltern können ihre Kinder nur das lehren, was sie selbst wissen. Gerate ich auf einem Schiff in einen Sturm und habe keine Idee, wie ich mich verhalten muss, wird das Boot kentern. Habe ich mir Wissen angeeignet und wende es in dieser Situation an, fahre ich sicher zurück in den Hafen. Eltern sollten sich Wissen aneignen, ihre eigenen Kindheitsthemen auflösen und dies an ihre Kinder weitergeben.

Je besser die Eltern also aufgestellt sind, desto gefestigter ist auch das Kind. Gedanken und Gefühle sollten besprochen, Tipps an die Hand gegeben und Strategien erarbeitet werden, die dem Kind helfen, besser mit dieser Situation umgehen zu können.

Selbstverständlich gibt es hier auch eine Grenze –und zwar dort, wo Eltern Auffälligkeiten bei ihrem Kind feststellen, die bleiben und/oder sich verschlimmern. Spätestens dann sollten sie einen Profi kontaktieren, zum Beispiel über das Kontaktformular meiner Website: https://www.mauricejanich.de

Zu seiner Person: Maurice Janich, ausgebildeter Hypnose-Therapeut, hat seine wahre Berufung nach seinem Studium der Musikpädagogik an der Musikhochschule Köln entdeckt und sich den Problemen der Kinder gewidmet. Der leidenschaftliche Trompeter arbeitete zunächst an Grund- und weiterführenden Schulen und betreibt seit zwölf Jahren seine eigene Praxis. Um möglichst viele Menschen erreichen zu können, hat sich der 37-jährige auf Online-Coaching spezialisiert.



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