Absurd: Es droht die Verschrottung eines nagelneuen 1,2 Milliarden Euro teuren Kraftwerks

Epoch Times13. August 2019 Aktualisiert: 14. August 2019 16:10
Das Kraftwerk in Datteln steht still. Eine neue und noch unbenutzte Anlage, die möglicherweise nie ans Netz gehen wird. "Wenn es beim Kohleausstieg rational zugehen soll, dann müsste 2038 Datteln 4 als Letztes vom Netz gehen – und zuerst die ältesten Kohlekraftwerke, die das meiste CO2 ausstoßen“, sagt der Bauleiter Ingo Telöken.

Das sauberste Kohlekraftwerk der Welt steht still. Man war schon kurz vor dem Stromeinspeisen im November 2017, doch nur Minuten, bevor „Datteln 4“ mit seiner Kapazität von 1100 Megawatt Strom liefern sollte, stellte sich heraus, dass die Schweißnähte des Stahlkessels dem Druck nicht standhielten. Also ging es nie ans Netz.

Zur besseren Absicherung werden rund 8.000 Quadratmeter Stahl ausgetauscht und ein neuer, stärkerer Kessel eingebaut. 2020 wäre die Arbeit beendet, sagt Ingo Telöken, Ingenieur und Bauleiter in Datteln dem „Focus“. Doch dann könnte es allerdings zu spät sein.

Denn „Datteln 4“ ist nun das Objekt politischer, taktischer Verhandlungen. Hinzu kommt der Beschluss der Kommission, die den Ausstieg Deutschlands aus der Kohleverstromung bis 2038 zum  Ziel gemacht hat.

Weltweit Spitze: Wirkungsgrad von 50 Prozent

Wirtschaftsminister Peter Altmaier wäre es gar am liebsten, das hochmoderne Kraftwerk in Datteln gar nicht erst hochfahren zu lassen. Und das, obwohl laut Ingo Telöken das Kraftwerk eine perfekte Schnittstelle zwischen Kohlekraft und erneuerbaren Energien darstelle.

„Zusammen mit der ausgekoppelten Fernwärme“, sagt er, „haben wir hier einen Wirkungsgrad von 50 Prozent. Und kein Kohlekraftwerk weltweit lässt sich so schnell hoch- und wieder runterfahren. Wir sind wie gemacht für das Zusammenspiel mit den erneuerbaren Energien. Wenn es beim Kohleausstieg rational zugehen soll, dann müsste 2038 Datteln 4 als Letztes vom Netz gehen – und zuerst die ältesten Kohlekraftwerke, die das meiste CO2 ausstoßen.“

Etwa 120 Kohlekraftwerke laufen derzeit in Deutschland mit einer Kapazität von 42,6 Gigawatt, das macht knapp 40 Prozent des deutschlandweit erzeugten Stroms aus. In China und Indien geht der Trend in eine andere Richtung. Dort werden mehr als 450 neue Kohlekraftwerke gebaut, die über 500 Gigawatt Leistung erzeugen können.

„Ich rechne immer noch damit, dass wir 2020 ans Netz gehen.“ so Telöken. „Bisher gibt es von der Politik jedenfalls keine klare Ansage, dass das nicht passiert.“ Es bleibt abzuwarten, ob Telöken recht behält. (rm)

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