Das Nullsummenspiel

Von 11. März 2005 Aktualisiert: 11. März 2005 2:39
Anscheinend gibt es bei diesem Geschäft nur Gewinner

Gelegentlich werden Ökonomen dazu verleitet, den Zustand der Weltwirtschaft in einem Satz auszudrücken. Der bekannte Aktienanalyst Stephen Roach von Morgan Stanley meinte etwa: „China produziert, Amerika konsumiert und der Rest der Welt zahlt fröhlich die Zeche und läuft mit.“ Vor allem den zweiten Punkt sehen viele Experten eher mit Sorge und fragen sich, wie lange wohl der Rest der Welt noch fröhlich zahlen wird.

Bei einigen der größten Zahlmeister erkennt man zwar ein Eigeninteresse an einer weiteren Finanzierung der amerikanischen Defizite. Japan sei angewiesen auf einen im Vergleich zum Yen relativ stabilen Dollar, was die Exportwirtschaft, die Hoffnung der Japaner, weiterhin dringend benötige. Aber, vor allem Japan, einer der größten Zahlmeister der USA, steht im Verdacht, langsam seine Käufe von US-Staatsanleihen einzuschränken und mehr in Euros zu investieren. Dies vor dem Hintergrund des schwächelnden, oder eher schon in Zeitlupe kollabierenden Dollars. So fragt sich also die Welt der Wirtschaft offen oder hinter vorgehaltener Hand, wie lang die Japaner noch immer wertlosere Dollars anhäufen und dieses Verlustgeschäft mitmachen werden.

Demzufolge erwartet oder fürchtet man einen baldigen Ausstieg der Japaner aus diesem scheinbaren Negativgeschäft.

Wenn eine Zentralbank die Geldmenge ausweitet, müssen andere folgen

Ein Wirtschaftsexperte, Professor Emeritus Antal Fekete, hat unlängst eine neue Sicht der Dinge entwickelt, die der herkömmlichen Meinung völlig widerspricht. Er meint, kurz gesagt, dass dieses Phänomen noch nicht am Abebben sei, im Gegenteil.

Zur Erklärung folgendes: Man muß zunächst den Ausgangspunkt in Japan beachten. Die Zinsen sind niedrig, sie liegen bei maximal 1,5 %. Dies ist bedingt durch die hohe Sparrate der Japaner, den darniederliegenden Konsum, verbunden mit seit einem Jahrzehnt tendenziell fallenden Konsumpreisen und einem Überangebot an billigen Krediten durch die Geldmengenexpansion der japanischen Zentralbank, alles wegen der weltweit vorherrschenden keynesianischen Theorie. Wenn eine Zentralbank, in dem Fall die japanische, die Geldmenge ausweitet, müssen andere folgen, sonst gäbe es zuviel Volatilität auf dem Devisenmarkt sowie andere Störungen im wirtschaftlichen Gleichgewicht. Insofern ist Amerika „gezwungen“, ebenfalls die Geldmenge auszuweiten (was es, zugegeben, aufgrund der genannten vorherrschenden Wirtschaftstheorie nicht ungern tut).

In den USA jedoch sind die Zinsen um einiges höher, sie liegen um die 4,5 % für langfristige Schatzanleihen. Für die Großanleger und die Banken eröffnet sich so ein lukratives Geschäftsfeld. „Leihe billige Yen, kaufe höherverzinsliche Dollaranleihen, streiche Windfall Profits ein.“ Das ganze wird dann als „Yen Carry Trade“ bezeichnet und ist in Großanlegerkreisen wohlbekannt.

Wie lange werden Japaner so unvernünftig sein dieses Spiel mitzumachen?

Seit jedoch der Dollar immer mehr fällt, erwarten nicht wenige Experten, dass die Japaner sich von dieser Art der Geldvermehrung verabschieden und fragen sich, wie lange die Japaner so unvernünftig sein können, dieses Spiel mitzumachen, werden doch ihre Dollaranleihen, die sie in vielfacher Milliardenhöhe angehäuft haben, immer wertloser, was durch die Zinserträge nicht wettgemacht werden kann.

Und so wartet man weltweit, dass Japan (sowie China, et al.) sich allmählich von den Auktionen des amerikanischen Schatzamts zurückziehen. Diesbezüglich gab es in den letzten Monaten vor allem seitens chinesischer Offizieller Unheil verkündende Äußerungen. Soweit die gegenwärtig vorherrschende Befürchtung .

Prof. Fekete setzt seine Theorie dagegen

Nun setzt aber Prof. Fekete seine Theorie dagegen. Ihm zufolge wird die Angelegenheit mit einem fallenden Dollar erst recht für die Beteiligten interessant:

Im erwähnten Yen Carry Trade leihen sich die Investoren kurzfristig Yen und kaufen damit langfristige US-Anleihen. Als Beispiel nehmen wir an, man leiht sich für drei Monate Yen um langfristige Schatzanleihen zu kaufen, die um die 4,25 % rentieren. Nach Ablauf der drei Monate wird der Kredit zurückgezahlt, und ein neuer Kredit in Yen wird aufgenommen, und damit ebenfalls Dollaranleihen gekauft. Aber die Kosten für den Kauf der im Dollarwert gleichen, langfristigen Dollaranleihe, in Yen berechnet, ist jetzt niedriger, da der Dollar in den drei Monaten an Wert verlor.

Also muß für den Kauf der Dollaranleihe der Kreditnehmer weniger Yen ausgeben, was ihm erneut einen großen „Windfall Profit“ beschert. Idealerweise sollten die Beteiligten Global Player sein, die gleichsam über den Währungen stehen. Wäre es ein geschlossenes System, könnte man theoretisch irgendwann die Kredite gegen Null bringen, die Dollaranleihen dagegen beliebig vermehren.

Konkurrierende Geldabwertung ist aus den Dreißiger Jahren bekannt

Notwendig hierbei ist natürlich die Bereitschaft der japanischen Notenbank, immer mehr Yen zu drucken. Der gleiche Mechanismus, konkurrierende Geldabwertung genannt, ist aus den Dreißiger Jahren bekannt. Die japanische Notenbank ist insbesondere durch den scheinbar unterbewerteten chinesischen Renminbi gezwungen, den Yenkurs niedrig zu halten. Der unbeabsichtigte Nebeneffekt ist der niedrige Zinssatz in Japan sodass Anleihetrader den Yen Carry Trade ausführen können.

Anscheinend gibt es bei diesem Geschäft nur Gewinner, alle Seiten profitieren, Japan, die USA und die Spekulanten. Leider führt dieses System zu großen Verwerfungen der internationalen Wirtschaft.

Laut Prof. Fekete ist diese Art von Geschäften Garant für das Überleben unseres Währungssystems in den letzten Jahrzehnten gewesen.

Das Anwerfen der Geldruckmaschine

Fekete spricht von der „Linkage“ (Kopplung) zwischen Zinsraten und dem allgemeinen Zinsniveau. Seiner Meinung nach gibt es einen ständig oszillierenden Zu- und Abfluß zwischen den Anleihe- und Rohstoffmärkten. Wenn die Geldwelle zu den Rohstoffmärkten hin schwappt, verebbt sie bei den Anleihemärkten und es entsteht eine Inflationsspirale. Dies war zwischen 1966 und 1980 der Fall. Wenn es der umgekehrte Fall ist, bekommen wir eine Deflation.

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Fekete glaubt, dass die Unfähigkeit der Politiker und Zentralbanken, diese Kopplung zu erkennen, die handelnden Akteure dazu verdammt, die gleichen Fehler wie bei der Weltwirtschaftskrise in den dreißiger Jahren zu wiederholen. Die US-Zentralbank, so seine Schlussfolgerung, habe vor einigen Jahren die Sorge geäußert, dass es zu einer Deflation kommen könnte. Da man den herkömmlichen Theorien folgte, glaubte die FED, dass die Deflation durch das Anwerfen der Geldruckmaschine im Zaum gehalten werden könnte, wodurch Allan Greenspan, Chef der Federal Reserve Bank, in Wirtschaftskreisen seinen Spitznamen „Mr. Printalot“ verdiente. Laut Fekete funktioniert das am Anfang und bis heute, wodurch höhere Preise und niedrigere Zinsraten auftreten.

Aber aufgrund der „Linkage“ gibt es langfristig sinkende, nicht steigende Preise. Dies komme dadurch zustande, dass die Anleihespekulanten und andere Marktteilnehmer dieses Spiel der Notenbank letztendlich durchschauen und das meiste des von der Zentralbank neu geschaffenen Geldes dazu benutzen, um Anleihen zu kaufen, anstelle von Gütern oder Rohstoffen. Deflation und Rezession ist also seiner Theorie zufolge der Preis, den die Welt für dieses Spiel später zu zahlen hat.

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