EZB-Präsident Mario Draghi.Foto: Thierry Charlier/AFP/GettyImages)

EZB-Präsident Draghi schürt Hoffnungen auf Zentralbankhilfe

Von 26. Juli 2012

 

Der Präsident der Europäischen Zentralbank Mario Draghi hat am Donnerstag auf einer informellen Investment Konferenz in London die Märkte überrascht und Hoffnung auf erneute Hilfestellung der EZB geschürt: „Innerhalb ihres Mandates ist die EZB bereit alles tun, um den Euro zu erhalten. Glauben Sie mir, es wird ausreichend sein.“

Diese Kommentare wurden von Marktteilnehmern sehr positiv aufgenommen, vor allem, da die vorhergehende Stille der EZB und der Federal Reserve angesichts der schwachen Weltbörsen die Geduld der Investoren stark auf die Probe gestellt hatte.

Sobald die Worte des Präsidenten über den Ticker liefen, drehten die Aktien und der Euro: Sowohl der italienische und spanische Aktienmarkt schlossen über 5 Prozent im Plus, der Eurostoxx gewann 3,9 Prozent und der Euro legte 1,36 Dollarcent auf $ 1,23 zu. In den USA war der S&P 500 am Nachmittag New Yorker Zeit 1,5 Prozent im Plus.

Die arg gebeutelten spanischen Staatsanleihen mit Laufzeit von 10 Jahren verzeichneten einen Rückgang der Rendite um 0,5 Prozent, auf Kredit spekulierende Händler mussten ihre Leerverkäufe glattstellen um die Papiere zu kaufen. Draghi betonte, dass wenn zu hohe Renditen auf Staatsanleihen den Mechanismus korrumpieren, mit dem die EZB die Geldmärkte steuert, dann sei es im Verantwortungsgebiet der EZB, dieses Problem zu lösen.

Was kann die EZB gegen die Eurokrise tun?

Draghi lud die Volkswirte diverser Investmentbanken zur Spekulation ein, welche Maßnahmen die EZB nun ergreifen könnte.

In einem Memo für Kunden erklärt der Euro-Chef-Ökonom der japanischen Bank Mizuho, Riccardo Barbieri Hermitte, was die EZB nun konkret tun kann. Die eher traditionelle Methode würde eine Ausdehnung des Securities Markets Program (SMP) beinhalten. Bei dieser Operation kauft die EZB Anleihen der Krisenstaaten und verkauft Deutsche Staatsanleihen, ohne so die Bilanz auszudehnen. So werden die Risikoaufschläge beispielsweise spanischer Anleihen reduziert.

Des weiteren könnte die EZB eine neue „Long Term Refinancing Operation“ (LTRO) starten. Im Laufe dieser 3-jährigen Refinanzierungsgeschäfte hinterlegen Banken kürzer laufende Anleihen als Sicherheiten für Bargeld bei der EZB. Laut EZB Daten hat das Volumen der ersten beiden Transaktionen am Anfang dieses Jahren 1 Billion Euro erreicht.

Beide Methoden unterscheiden sich vom „Quantitative Easing“, das die amerikanische Federal Reserve anwendet und welches Hermitte bevorzugen würde: „Die LTRO bürden dem Bankensystem grosse Positionen an Staatsanleihen auf. Bei QE würde allein die EZB ihr Portfolio an Staatsanleihen vergrößern und die Banken kämen in den Genuss einer willkommenen Liquiditätsspritze.“

Dirk Schumacher von Goldman Sachs sieht das ähnlich und schreibt in seiner Recherche von gestern: „[Das SMP und LTRO-Programm] würden wahrscheinlich nur kurzfristige Abhilfe schaffen und es bräuchte ein stärkeres Eingreifen um einen bleibenden Effekt bei den Anleihen der Peripherie zu erzielen.“

Die EZB ist im Handlungsraum eingeschränkt

Beide Volkswirte denken, dass gewisse Hürden genommen werden müssten, bevor wirklich unkonventionelle Maßnahmen wie QE ergriffen werden können: „Die Entscheidung, Anleihen gewisser Staaten zu kaufen ist sicherlich kontrovers und wird durch die starke Opposition Deutschlands erschwert,“ sagt Hermitte und Schumacher meint sogar, dass „es rechtlich nicht gesichert ist, ob [diese Maßnahmen] implementiert werden können.“

Die EZB wurde der deutschen Bundesbank nachempfunden und verbietet direkte Finanzierung von Staatsschulden durch die Zentralbank. Mario Draghi selbst hat den Artikel 123 in einer Pressekonferenz im Dezember 2011 hervorgehoben: „Dieser Vertrag beinhaltet die besten Traditionen der deutschen Bundesbank, wo die direkte Finanzierung von Staatsschulden schon immer verboten war.“

Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass Mario Draghi seine Äußerungen genau jetzt platziert hat, als die Kanzlerin Merkel gerade am Mittwoch ihren Sommerurlaub angetreten hat und deshalb nicht auf seine Kommentare eingehen konnte.

Hermitte glaubt trotzdem, dass die EZB vielleicht sogar schon nächste Woche zur Tat schreiten wird: „Ich erwarte ähnliche Kommentare von Draghi nächste Woche auf der EZB Pressekonferenz und vielleicht sogar die Ankündigung etwaiger monetärer Maßnahmen.“

 



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