Symbolbild.Foto: istock

Trotz Negativzins: Deutsche sparen wie die Weltmeister – Experten sehen das kritisch

Epoch Times1. Januar 2020 Aktualisiert: 1. Januar 2020 11:19
Sparen, sparen, sparen: Die Privathaushalte in Deutschlands pflegen eine deutsche Tugend und mehren dadurch trotz Zinsflaute ihr Vermögen. Volkswirte sehen die Entwicklung allerdings mit Sorge.

Die Menschen in Deutschland sparen wie die Weltmeister – und werden vor allem deshalb in Summe immer reicher.

Nach Berechnungen der DZ Bank, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen, dürfte das Geldvermögen der privaten Haushalte im abgelaufenen Jahr 2019 um rund 441 Milliarden Euro auf den Rekordwert von 6,6 Billionen Euro zugenommen haben.

Im Vergleich zum Jahr 2018 habe sich der Vermögensaufbau stark beschleunigt. Die Wachstumsrate erhöhte sich von 2,2 Prozent 2018 auf 7,1 Prozent 2019. Positiv wirkten sich dabei auch steigende Aktienkurse aus. Während Privatanleger 2018 noch Kursverluste an den Aktienmärkten hinnehmen mussten, konnten sich Anleger 2019 über kräftige Kurssteigerungen freuen.

„Den größten Anteil am Vermögensaufbau hatte aber erneut der Sparfleiß der Bürger“, stellen die Ökonomen der DZ Bank fest. Die Sparquote der privaten Haushalte dürfte sich mit rund 11 Prozent auf dem erhöhten Niveau von 2018 eingependelt haben.

Seit 2014 ist die Sparquote in Deutschland stetig gestiegen, 2018 lag sie nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes bei 11 Prozent. Von 100 Euro verfügbarem Einkommen werden also 11 Euro auf die hohe Kante gelegt.

„Trotz extrem niedriger Zinsen lassen sich die Bürger bei ihren Sparbemühungen nicht entmutigen“, heißt es in der DZ-Bank-Studie.

Denn eigentlich wird Sparen, so wie es die meisten Deutschen lieben, nicht mehr belohnt: Auf Sparbuch, Tagesgeld und Co. gibt es in der Regel keine Zinsen mehr, zudem kassieren immer mehr Institute für besonders hohe Einlagen sogar Negativzinsen.

Damit reagieren Banken auf die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die die Zinsen im Euroraum seit Jahren auf extrem niedrigem Niveau hält.

„Mit der inzwischen seit Jahren andauernden Phase extrem niedriger, teils negativer Zinsen, ist der Zinseszinseffekt als wichtige Säule des Vermögensaufbaus weitgehend weggebrochen“, erklärte DZ-Bank-Chefvolkswirt Stefan Bielmeier.

Dennoch sind nach Berechnungen der DZ Bank rund 1,8 Billionen Euro, also gut ein Viertel (27 Prozent) des privaten Geldvermögens der deutschen Haushalte, „zwischengeparkt“ – vorwiegend in Form von Sichteinlagen, die Sparer bei Bedarf schnell umschichten können.

In einer kürzlich veröffentlichten Umfrage des Fondsanbieters Union Investment gaben knapp drei Viertel (74 Prozent) der Befragten an, dass sie am Sparbuch festhalten – wohlwissend, dass es derzeit kaum noch Erträge abwirft.

Immerhin mehr als der Hälfte der Sparer (56 Prozent) ist demzufolge bekannt, dass es Anlagemöglichkeiten gibt, die im Zinstief höhere Renditen versprechen. Allerdings glaubt mehr als jeder Zweite (55 Prozent) zugleich, das Zinstief aussitzen zu können.

Relativ wenige Menschen in Deutschland investieren Geld in Aktien oder Fonds. Zahlen des Aktieninstituts zufolge besaßen im Jahr 2018 etwa 10,3 Millionen Bürger in Deutschland, die älter sind als 14 Jahre, Anteilsscheine von Unternehmen oder Aktienfonds. Das ist zwar der höchste Stand seit 2007.

Dennoch bleibt Deutschland mit einer Aktionärsquote von gut 16 Prozent meilenweit entfernt von anderen Industrieländern. In den USA etwa, wo der Staat die Altersvorsorge über den Kapitalmarkt stärker fördert, liegt sie bei über 50 Prozent.

„Die anhaltende Niedrigzinsphase erfordert ein verändertes Sparverhalten der privaten Haushalte in Deutschland. Wir brauchen in Deutschland eine neue Sparkultur“, mahnte Bielmeier.

„Statt der traditionellen Fixierung auf verzinsliche Anlageformen sind mehr Investitionen in reale Sachwerte wie Immobilien sowie Aktien, Fonds und Zertifikate gefragt. Die Vielfalt der Sparvarianten eröffnet Möglichkeiten zur Überwindung des Geldanlagestaus.“

Experten halten ein solches Umdenken insbesondere deshalb für notwendig, weil die Rente alles andere als sicher ist und die Menschen zunehmend gefordert sind, privat fürs Alter vorzusorgen.

Von der Deutschen Bundesbank gibt es bislang offizielle Zahlen zum Geldvermögen im zweiten Quartal 2019: Demnach sind die Menschen in Deutschland trotz der Zinsflaute in Summe so vermögend wie nie:

Auf 6237 Milliarden Euro summierte sich demnach das Vermögen der privaten Haushalte in Form von Bargeld, Wertpapieren, Bankeinlagen sowie Ansprüchen gegenüber Versicherungen. Zahlen für das dritte Quartal 2019 veröffentlicht die Bundesbank im Januar. (dpa)


Unterstützen Sie unabhängigen und freien Journalismus

Danke, dass Sie Epoch Times lesen. Ein Abonnement würde Sie nicht nur mit verlässlichen Nachrichten und interessanten Beiträgen versorgen, sondern auch bei der Wiederbelebung des unabhängigen Journalismus helfen und dazu beitragen, unsere Freiheiten und Demokratie zu sichern.

Angesichts der aktuell schwierigen Zeit, in der große Tech-Firmen und weitere Player aus dem digitalen Werbemarkt die Monetarisierung unserer Inhalte und deren Verbreitung einschränken, setzt uns das als werbefinanziertes Nachrichten-Portal unter großen Druck. Ihre Unterstützung kann helfen, die wichtige Arbeit, die wir leisten, weiterzuführen. Unterstützen Sie jetzt Epoch Times indem Sie ein Abo abschließen – es dauert nur eine Minute und ist jederzeit kündbar. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Monatsabo ab 7,90 Euro Jahresabo ab 79,- Euro

Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Eine Buchempfehlung vom Verlag der Epoch Times

Wenn der Staat eine aktive Rolle in der Wirtschaft spielt, hat jede Aktion einen Dominoeffekt auf den Markt. Neue Richtlinien und Gesetze können ganze Branchen verändern und viele Unternehmen und Investoren von den Entscheidungen der Regierung abhängig machen. Der Staat, der traditionell nur Gesetze verabschiedete und durchsetzte, ist dadurch ein führender Akteur in der Wirtschaft geworden.

Der Staat ist wie ein Schiedsrichter, der bei einem Fußballspiel auch noch zum Spieler wird: Er kontrolliert und reguliert das Kapital in einer Wirtschaft, die früher privat war und ersetzt damit die „unsichtbare Hand“ durch die „sichtbare Hand“.

Es gibt mindestens zwei Hauptfolgen der umfangreichen staatlichen Eingriffe. Erstens erweitert sich die Macht des Staates hinsichtlich seiner Rolle und seines Umfangs. Regierungsbeamte entwickeln zunehmend Überheblichkeit hinsichtlich ihrer Fähigkeit, in die Wirtschaft einzugreifen und den Staat die Rolle des Retters spielen zu lassen. Auch nach der Bewältigung einer Krise behält die Regierung für gewöhnlich ihre erweiterten Befugnisse und Funktionen bei – wie im Kapitel 9 des Buches „Wie der Teufel die Welt beherrscht“ analysiert wird.

Zweitens führt der Interventionismus zu mehr Abhängigkeit von der Regierung. Wenn die Menschen auf Herausforderungen stoßen oder wenn der freie Markt nicht die Vorteile bieten kann, die sie sich wünschen, werden sie sich für mehr staatliche Eingriffe einsetzen, um ihre Forderungen erfüllt zu bekommen.

Hier weitere Informationen und Leseproben.

ISBN Band 1: 978-3-9810462-1-2, Band 2: 978-3-9810462-2-9, Band 3: 978-3-9810462-3-6, Drei Bände 1-3: 978-3-9810462-6-7. Einzeln kostet jeder Band 19,90 Euro (zzgl. 2,70 Euro Versandkosten), alle drei Bände gemeinsam sind im Moment noch zum Sonderpreis von 50,50 Euro (kostenloser Versand innerhalb Deutschlands) zu erwerben. Das Buch hat insgesamt 1008 Seiten und über 1200 Stichworte im Indexverzeichnis.

Bestellmöglichkeiten: Das dreibändige Buch ist sofort erhältlich in unserem neuen Online-Buch-Shop, bei Amazon oder direkt beim Verlag der Epoch Times – Tel.: +49 (0)30 26395312, E-Mail: [email protected]

Das Buch gibt es auch als E-Book und als Hörbuch

Das E-Book gibt es in den Formaten PDF, EPUB oder MOBI. Das Hörbuch bieten wir im MP3-Format zum Download an. Einzeln kostet jeder Band 17,90 Euro, alle drei Bände sind im Moment noch zum Sonderpreis von 43,00 Euro zu erwerben. E-Books und Hörbücher sind in unserem neuen Online-Buch-Shop oder direkt beim Verlag der Epoch Times bestellbar – Tel: +49 (0)30 26395312, E-Mail: [email protected]

Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion