Handelsblatt: Ab Herbst droht tausenden Unternehmen die Pleite – Schnäppchenjäger starten Beutezug

Von 27. Juli 2020 Aktualisiert: 28. Juli 2020 16:51
Derzeit verhindern Corona-bedingte Sonderregeln eine Insolvenzwelle in Deutschland. Weltweit droht jedoch ab Herbst eine Pleitewelle. Zudem könnten Akteure mit zweifelhaften Absichten darauf warten, Unternehmen zum Schnäppchenpreis aufzukaufen.

Eine eher düstere Prognose hat ein Rechercheteam des „Handelsblatts“ auf der Basis von Expertenmeinungen für die deutsche Wirtschaft im Herbst abgegeben. Nicht nur in den kommenden Monaten drohte demnach als Folge der Corona-Krise tausenden Unternehmen die Pleite. Auch für das Jahr 2021 sei nicht von einer substanziellen Verbesserung auszugehen.

Auf globaler Ebene geht der Kreditversicherer Euler Hermes bis Ende 2021 von einer Zunahme der Insolvenzen um mehr als ein Drittel im Vergleich zu 2019 aus. Ab dem dritten Quartal werde es diesbezüglich auch in Deutschland ernst. Auch hier wird mit einem deutlichen Plus bei den Pleiten gerechnet.

Zwölf Prozent mehr Pleiten in Deutschland befürchtet

Immerhin würde die hiesige Wirtschaft mit geschätzten zwölf Prozent Anstieg, was etwa 21.000 zusätzlichen Insolvenzen gleichkäme, im weltweiten Maßstab noch relativ glimpflich davonkommen. Das ifo-Institut sah Anfang Juni auf der Basis der Ergebnisse einer eigenen Umfrage jedes fünfte deutsche Unternehmen in seiner Existenz gefährdet. Die Banken wären keine Hilfe, da sie selbst mit Kreditausfällen in großem Umfang zu rechnen hätten. Die Binnenkaufkraft würde an hoher Arbeitslosigkeit und gebremster Dynamik leiden und der Staat muss mit geringeren Steuereinnahmen rechnen.

Da einige der in der Lockdownphase eingeführten Schutzmaßnahmen wegfielen, sei zu befürchten, dass insbesondere in Bereichen, in denen eine Normalisierung auch weiterhin nicht zu erwarten ist – etwa Tourismus, Gastronomie, Veranstaltungen oder Flüge – der Herbst zu einem bösen Erwachen führen werde. Zu viele Unternehmensbilanzen, so heißt es bei Euler Hermes, seien irreparabel geschädigt. Auch zuvor gesunde Unternehmen könnte es treffen.

Eine Hoffnung für viele Betroffene biete das sogenannte Schutzschirmverfahren. Diese in Paragraf 270b der Insolvenzordnung festgeschriebene Einrichtung bezeichnet eine dem regulären Insolvenzverfahren vorgeschaltete Vorgehensweise, die eine Fortführung der Geschäfte in Eigenregie mit einem Sanierungskonzept verbindet – gleichzeitig aber auch bereits substanzielle Vorbereitungen auf ein Insolvenzverfahren beinhaltet, das im Fall eines Scheiterns des Sanierungsplans nicht mehr abzuwenden wäre.

Wird Aussetzung der Antragspflicht im Insolvenzrecht über den Herbst verlängert?

Das Handelsblatt macht im Wesentlichen vier große Faktoren aus, die entscheidend sein werden bezüglich der Frage, wie die deutsche Wirtschaft die Corona-Pandemie überstehen wird.

Der erste davon ist das, was die Fachredakteure als „Ruhe vor dem Sturm“ bezeichnen und was im Wesentlichen die Frage betrifft, inwieweit vorübergehende Schutzmaßnahmen, Schutzschirmverfahren und Rettungspakete in der Lage sind, in der Substanz gesunde Unternehmen durch die Krise zu bringen.

Dem „Too Big To Fail”-Gedanken der Weltfinanzkrise von 2008 verpflichtet, sah sie die Bundesregierung offenbar bei der Lufthansa. Für deren neun Milliarden Euro schweres Rettungspaket griff der Bund tief in die Tasche der Steuerzahler – um ein in seiner psychologischen Außenwirkung möglicherweise problematisches Schutzschirmverfahren abzuwenden.

Autoindustrie als Wackelkandidat

Diese Rettungsoption ist nicht in der Fläche anwendbar, und so werden sich Branchen auf ohnehin umkämpften Märkten, etwa Mode oder Einzelhandel, auf zahlreiche Schutzschirmverfahren einstellen müssen. Esprit und Galeria Karstadt Kaufhof sind die prominentesten Namen in diesem Bereich. Die Tom-Tailor-Holding hingegen ist jetzt schon insolvent.

Die Autoindustrie sei aber ebenfalls ein potenzieller Wackelkandidat, zumal diese bereits vor der Corona-Krise unter Druck stand – und auch nicht absehbar ist, ob der politisch-ideologische Dirigismus, der dazu beigetragen hatte, durch diese ein Ende erfahren würde.

Leidet die Autoindustrie, leiden aber auch die Zulieferer. Ein Teufelskreis. Im Unterschied zu noch stärker belasteten Branchen wie Gastronomie und Tourismus ist in diesem Sektor aber immerhin die Eigenkapitalquote höher.

Ein zusätzliches Fragezeichen werfe die Zukunft des Arbeitsmarktes auf. In diesem Jahr schätzt das ifo, dass durchschnittlich 2,2 Millionen Menschen in Kurzarbeit sein werden. Das bundeseigene Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) rechnet mit etwa 500.000 mehr Arbeitslosen im Herbst als im Vorjahr.

Zudem droht eine Flut an Insolvenzanträgen, die bislang nicht eingebracht worden seien, weil die Pflicht, bei Vorliegen eines entsprechenden Tatbestandes einen solchen einzubringen, in der Zeit des Corona-Lockdowns temporär außer Kraft gesetzt wurde.

Zombie-Unternehmen drohen Markt zu verzerren

Eine zweiter Faktor, vor dem bereits zuvor Experten gewarnt hatten, sei die Gefahr, „Zombie-Unternehmen“ auf dem Markt zu halten. Diese hänge ursächlich mit den Veränderungen in der Insolvenzgesetzgebung zusammen.

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Eric Schweitzer, Chef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), will ebenso wie Reinhold von Eben-Worlée, Präsident des Verbands der Familienunternehmen, eine noch bessere Abfederung von Unternehmen, die mit vorgeschalteten Sanierungsmaßnahmen gesunden könnten. Sie befürworten tendenziell die im Bundesjustizministerium derzeit diskutierte mögliche Verlängerung des Aussetzen der Pflicht zur Insolvenzanmeldung über den 30. September hinaus

Die Kehrseite dessen wäre jedoch, dass auch Unternehmen von einem solchen Schritt profitieren könnten, die bereits vor der Krise nicht mehr gesund waren und unabhängig davon Insolvenz hätten beantragen müssen.

Lucas Flöther, der Vorsitzende des Gravenbrucher Kreises der wichtigsten Sanierungsexperten in Deutschland, befürchtet, dass jede Verlängerung der Ausnahmeregelung zur Insolvenzanmeldungspflicht mehr Zombie-Unternehmen im Markt halte, die keine Marktperspektive mehr hätten.

Die Folge davon wären nicht nur vermeidbare Zahlungsausfälle für Gläubiger, sondern auch Marktverzerrungen: Die nicht mehr sanierbaren Unternehmen würden Arbeitskräfte binden, die gesunden Unternehmen fehlen würden, und durch Verbleib auf dem Markt die Preise drücken – was zu Lasten der Gewinnmargen der überlebensfähigen Unternehmen ginge. Euler Hermes geht für die gesamte Euro-Zone von etwa 13.000 Firmen mit Umsätzen von rund 500 Milliarden Euro aus.

Schutzschirm als Chance

Der dritte entscheidende Faktor hängt auch indirekt mit dem Insolvenzrecht zusammen, aber auch mit den Rahmenbedingungen für die Erholung der Unternehmen nach dem Lockdown: Es sind die Grenzen der Staatshilfe und der nach mehreren teuren Hilfspaketen immer engere Spielraum der öffentlichen Hand.

Das Schutzschirmverfahren, das seit 2012 existiert, ist je nach Stellung des Unternehmens, das es beantragt, eine Chance oder ein Anfang vom Ende. Im Fall der Lufthansa wäre ein solcher Antrag – der immerhin vor dem Insolvenzgericht gestellt werden muss – mit der Botschaft von einem Glas verbunden gewesen, das halbleer wäre.

Hingegen ist es für Kleinunternehmen und Mittelständler häufig ein Impuls, noch einmal durchzustarten, weil die Situation nicht so schlimm zu sein scheint, dass die Insolvenz unausweichlich sei – sondern ausreichend Potenzial vorhanden sei, um sich mit einem Sanierungskonzept, das in eigener Verwaltung durchgesetzt wird, neu zu erfinden.

Auch gegenüber Lieferanten und Gläubigern erhöht das Schutzschirmverfahren den Spielraum, weil diese lieber die Chance wahren, mit einem sanierten Unternehmen dauerhaft weiter Geschäfte zu machen, als sich im Insolvenzfall mit einer Minimalquote zufriedenzugeben. Ein Fachmann muss im Vorfeld dieser Lösung dem betroffenen Unternehmen bescheinigen, dass eine Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung droht, aber nicht vorliegt. Ob dies bei vielen Unternehmen noch möglich bleibt, die im Herbst finanziell mit dem Rücken zur Wand stehen, ist jedoch fraglich.

Verbindlichkeiten der Unternehmen steigen weiter

Dennoch scheint in einer Zeit fehlender verbleibender Spielräume für aktive Hilfen diese Sonderform des Insolvenzverfahrens eines der letzten Mittel des Staates, um Pleiten abzuwenden. Ein anderes wäre möglicherweise ein Überdenken politischer Entscheidungen der vergangenen Jahre, die zu immer größeren Belastungen für Unternehmen geführt hatten.

Die Verbindlichkeiten der Unternehmen sind tendenziell jedenfalls weiter gewachsen. Mittlerweile, so das Handelsblatt, haben fast 76.000 Firmen und Selbstständige allein bei der staatlichen Förderbank KfW Anträge im Volumen von gut 50 Milliarden Euro gestellt. Genehmigt sind davon bis dato mehr als 96 Prozent.

Der vierte entscheidende Faktor, der zu beachten sei, sei das Phänomen von „Distressed Equity“. Dies bezeichnet eine Situation, in der finanziell gut ausgestattete Beteiligungsspezialisten auf Schnäppchenjagd gehen und versuchen, strategische Positionen in Unternehmen auszubauen, die infolge der Krise günstige Einstiegschancen bieten.

Das Handelsblatt spricht zwar davon, dass Finanzinvestoren in Zeiten der Corona-Krise selbst noch zurückhaltend seien und auf Notverkäufe und noch niedrigere Preise warteten. Je länger man warte, umso mehr werde die Frage des Einstiegs zu einem Glücksspiel.

Neben Private-Equity-Branche macht sich Regime in China startbereit

Immerhin, so der Informationsdienst Prequin, sei von weltweit 1,48 Billionen US-Dollar an Kapital auszugehen, das von Beteiligungsunternehmen grundsätzlich für Investitionen vorgesehen sei, aber noch brachliege. Die Suche sei jedoch intensiv, meint Joachim Ringer von Credit Suisse gegenüber dem Handelsblatt, und die Frage, ob ein Target noch günstig bewertet sei, wäre immer schwieriger zu beantworten. Der Gorbatschow-Spruch „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ scheint auch in diesem Bereich Geltung zu haben.

Im Herbst könnten unter dem Eindruck sich abzeichnender Insolvenzwellen Notverkäufe einsetzen, auf die Private-Equity-Größen jetzt schon warten.

Eine weitere Ausdehnung der geltenden Corona-Insolvenzregeln könnte eine Marktverzerrung nach sich ziehen, die am Ende keinem der Beteiligten nutzen würde.

Neben Private-Equity-Größen könnten jedoch noch ganz andere Interessensträger auf Schnäppchenjagd gehen und strategische Positionen aufbauen wollen. Einer davon ist das totalitäre Regime der Kommunistischen Partei Chinas. Die Staatspartei, die mit öffentlichen Mitteln großzügig ausgestattete Konzerne bei ihrer weltweiten Expansion unterstützt, hat ebenfalls ein Auge auf mögliche Schwachstellen, die man strategisch vereinnahmen könne.

Erst jüngst hat der chinesische Social-Media-Gigant Tencent Anteile von Warner Music in den USA eingekauft und damit einen weiteren Fuß in die Tür der westlichen Unterhaltungsindustrie gesetzt. Tencent ist unter anderem bekannt dafür, über seine Plattform WeChat chinesische Bürger für das Regime auszuspionieren und zu überwachen.

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Wenn der Staat eine aktive Rolle in der Wirtschaft spielt, hat jede Aktion einen Dominoeffekt auf den Markt. Neue Richtlinien und Gesetze können ganze Branchen verändern und viele Unternehmen und Investoren von den Entscheidungen der Regierung abhängig machen. Der Staat, der traditionell nur Gesetze verabschiedete und durchsetzte, ist dadurch ein führender Akteur in der Wirtschaft geworden.

Der Staat ist wie ein Schiedsrichter, der bei einem Fußballspiel auch noch zum Spieler wird: Er kontrolliert und reguliert das Kapital in einer Wirtschaft, die früher privat war und ersetzt damit die „unsichtbare Hand“ durch die „sichtbare Hand“.

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