Das schwimmende LNG-Terminal «Höegh Gannet» am Anleger im Industriehafen Brunsbüttel.
Das schwimmende LNG-Terminal „Höegh Gannet“ am Anleger im Industriehafen Brunsbüttel.Foto: Marcus Brandt/dpa

„Höegh Gannet“: Brunsbüttel begrüßt drittes schwimmendes LNG-Terminal

Von 20. Januar 2023
Großer Bahnhof für das Spezialschiff „Höegh Gannet“ in Brunsbüttel: Die Ankunft bedeutet den Start des dritten schwimmenden LNG-Terminals in Deutschland.

Politprominenz feierte am Freitag (20. Januar) die Ankunft des dritten schwimmenden LNG-Terminals in Deutschland, der „Höegh Gannet“, in Brunsbüttel. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck war ebenso anwesend wie Ministerpräsident Daniel Günther und Energiewendeminister Tobias Goldschmidt von Schleswig-Holstein. Für die Energiewirtschaft nahm RWE-Chef Markus Krebber neben anderen Vertretern der Branche teil.

„Höegh Gannet“ als „weiterer Meilenstein“ zu sicherer Energieversorgung

Bei dem Terminal handelt es sich um eine sogenannte Floating Storage and Regasification Unit (FSRU). Sie ist dazu in der Lage, Flüssigerdgas (LNG) von Tankern aufzunehmen und es an Bord in Gas umzuwandeln.

Mit seiner Inbetriebnahme ist das mittlerweile dritte Terminal dieser Art in Deutschland entstanden. Bereits im Dezember hatte Minister Habeck das erste Terminal in Wilhelmshaven eingeweiht. Eine weitere, privat betriebene Einrichtung dieser Art arbeitet bereits in Lubmin an der Ostsee.

Mit der Ankunft der „Höegh Gannet“ in Brunsbüttel wird die Versorgungssicherheit Deutschlands weiter gestärkt, heißt es aus der Politik. Energiewendeminister Tobias Goldschmidt sprach von einem „weiteren Meilenstein“ auf dem Weg hin zu einer sicheren Energieversorgung „ohne russisches Kriegsgas“.

Goldschmidt mahnt schnelle Umrüstung an

Zunächst soll die „Höegh Gannet“ in Brunsbüttel Flüssiggas aufnehmen und wieder in den gasförmigen Zustand umwandeln. So soll es in den Leitungen transportfähig werden, bevor das feste Terminal arbeitsfähig sein wird. Dessen Inbetriebnahme ist für 2026 geplant.

Ein Spezialschiff soll dabei helfen, noch im laufenden Jahr 3,5 Milliarden Kubikmeter Gas in das Netz einzuspeisen. Sobald die erforderliche lange Anbindungsleitung fertiggestellt ist, soll das Volumen auf 7,5 Milliarden Kubikmeter steigen. Das Projekt soll eine wichtige Rolle bei der Sicherstellung einer stabilen und diversifizierten Gasversorgung in Deutschland spielen.

Goldschmidt mahnte jedoch auch ein zügiges Vorgehen bei der Vorbereitung künftiger fester LNG-Terminals für sogenannte grüne Gase an. Dafür müsse die Bundesregierung die erforderlichen gesetzlichen Anforderungen schaffen. Es sei vonnöten, eine schnelle Umrüstung auf die klimaneutrale Nutzung der Infrastruktur zu ermöglichen.

Anlage soll fit für Transport von Ammoniak werden

Dies betrifft insbesondere die Verstärkung der Tanks selbst, während der Betreiber bereits eine solche bezüglich der Fundamente zugesagt habe. Die Maßnahmen seien erforderlich, um später auch Ammoniak umschlagen zu können. Dieser spielt eine zentrale Rolle bezüglich einer künftigen Energieversorgung auf der Basis von Wasserstoff.

Bei Ammoniak handelt es sich um eine Verbindung aus Wasserstoff und Stickstoff. Er findet Verwendung als Treibstoff für Brennstoffzellen, um Strom und Wärme zu erzeugen. Zudem lässt er sich auch als Trägermedium für Wasserstoff verwenden, der dann in Brennstoffzellen verbrannt werden kann, um Strom zu erzeugen. Es ist möglich, Ammoniak in großen Mengen zu produzieren und zu lagern. Ein weiterer Vorteil ist, dass er bei der Verbrennung kein CO₂ freisetzt.

Strom aus erneuerbaren Energien soll künftig die Erzeugung von Wasserstoff auf breiter Basis ermöglichen. Ammoniak ist eine Verbindung aus Wasserstoff und Stickstoff. Sein Transport ist leichter zu handhaben als Wasserstoff, stellt aber höhere Ansprüche an die Infrastruktur als LNG.

Experten weisen darauf hin, dass die Verwendung von Ammoniak als Treibstoff für Brennstoffzellen noch in den Anfängen sei, Sie gehen davon aus, dass es weitere Forschung erfordert, um das Verfahren auf breiter Ebene als kommerzielle Treibstoffalternative zu etablieren.

RWE: „Höegh Gannet“ leitet kein Abwasser in die Elbe

Ob ähnlich wie in Wilhelmshaven auch die Deutsche Umwelthilfe oder andere Umweltorganisationen gegen das Terminal vorgehen werden, ist noch ungewiss. Die Vereinigung warnte zumindest schon im Dezember vor aus ihrer Sicht „überdimensionierten“ Terminalplänen der Bundesregierung. Derzeit ficht sie die Betriebserlaubnis des Terminals in Wilhelmshaven an. Auch BUND und NABU wollen wegen der Chloreinleitungen in die Nordsee gegen den Weiterbetrieb der „Höegh Esperanza“ klagen.

Anders als das in Wilhelmshaven stationierte LNG-Terminal soll die „Höegh Gannet“ bei Reinigungsprozessen allerdings kein Chlor in die Elbe einleiten. Gegenüber dem NDR heißt es vonseiten des Energieversorgers RWE:

Sollte eine Reinigung der Wärmetauscher erforderlich sein, erfolgt diese durch ein einfaches Rückspülverfahren mit Elbewasser, das den Wärmetauscher wieder freispült.“

RWE hat die „Höegh Gannet“ im Auftrag der Bundesregierung gechartert. Abwasser werde fachgerecht entsorgt und gelange keinesfalls in die Elbe.

(Mit Material von dpa und AFP)



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