Eisenerzlager am Hafen von Qingdao im August 2012.Foto: STR / AFP / Getty Images

Hütchenspiel um Kupfer und Aluminium in China aufgedeckt

Von 11. Juni 2014 Aktualisiert: 11. Juni 2014 14:45

Sind Sie auch schon mal beim Hütchenspiel hereingelegt worden? Dann kennen Sie gewiss das Gefühl der Enttäuschung, das sich beim Aufdecken einstellt, weil der Wettgegenstand verschwunden ist. Genau das spielt sich gerade in China ab.

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters haben die Behörden der nordwestlichen Hafenstadt Qingdao die Verschiffung von Aluminium und Kupfer eingestellt. Der Grund dafür? Metall, das eigentlich auf Lager sein sollte, existiert gar nicht!

„Es gab sofort einen großen Auflauf – viele Menschen gingen sofort zum Lagerplatz um zu sehen, ob das Metall auf dem Lager-Empfangsschein tatsächlich dort ist“, berichtete eine Quelle aus Singapur gegenüber Reuters.

Sowohl chinesische als auch ausländische Unternehmen nutzen gleichermaßen die Lagerhäuser am Hafen, um Metall und andere Transportwaren vorübergehend für den Import und Export zu lagern. Dazu wird eine Empfangsbestätigung des Lagers, die das Eigentum an der Ware bestätigt, ausgestellt.

[–Weiterverpfändung–]

Wie alles in China ist die Geschichte jedoch ein wenig komplizierter. Da das Bankensystem größtenteils staatlich kontrolliert ist und es die Kreditvergabe an bestimmte Sektoren und Finanziers einschränken kann, haben die Unternehmen andere Wege gefunden, um selbst Geld zu verleihen, nämlich über das so genannte Schattenbanksystem.

Und das funktioniert so: Ein Unternehmen lagert Kupfer oder andere Metalle ein und erhält dafür eine Quittung. Diese kann sie bei einer anderen nicht staatlich kontrollierten Firma oder Bank hinterlegen, um einen kurzfristigen Kredit zu bekommen. Das wäre in Ordnung, weil das Darlehen durch die Menge an Metall im Lager gedeckt ist. Sollte der Kreditnehmer zahlungsunfähig werden, dann hat der Kreditgeber ein Pfandrecht an diesen Gütern und kann sie verpfänden.

Womit das Spiel jedoch noch nicht zu Ende ist. In einer Kaskade der Weiterverpfändung wird der ursprüngliche Lagerschein mehrmals an verschiedene Kreditgeber verpfändet. Aber solange niemand in Zahlungsverzug gerät und jeder pünktlich sein Darlehen zahlt, scheint es, dass nichts passiert ist.

Der Besitzer des Metalls bekommt seine Waren zurück und der Kreditgeber bekommt seinen Kredit plus Zinsen zurückgezahlt. In der Praxis wird der Pfandschein drei bis viermal weitergereicht, ist aber nur durch eine Ladung Metall gesichert.

Gerät einer der Kreditnehmer innerhalb der Kette in Zahlungsverzug wird der Kreditgeber versuchen die Sicherheiten einzulösen, dabei aber herausfinden, dass andere Parteien ebenfalls einen Anspruch auf den Besitz haben, und das genau ist der Grund, warum die Behörden in Qingdao eine Ermittlung eingeleitet haben.

[–Was ein Angestellter einer Firma mit Niederlassung im Hafen gegenüber Reuters berichtete–]

„Wir hören, es gäbe eine Diskrepanz von 80.000 Tonnen Aluminium und 20.000 Tonnen Kupfer, aber dann hören wir wiederum, die Volumina seien in Wirklichkeit höher, entweder ist es nicht vorhanden oder es war nie da.“ Die Dokumentation existiert in dreifacher Ausführung.

Sobald das Vertrauen in das System wegbricht, werden die Kreditgeber ihre Kredite unerwartet zurückziehen, weshalb bei den Kreditnehmern ein Gerangel um das Geld beginnt. Einige der Kreditnehmer jedoch werden nicht zahlen können und zur Bank (dem Lagerhaus) laufen, nur um herauszufinden, dass nie etwas unter dem Hütchen war.



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