Schau, trau, wem

Von 12. November 2008

„Schließt eure Herzen sorgfältiger als eure Tore! Es kommen die Zeiten des Betrugs.“ Der große Johann Wolfgang von Goethe hat, auch wenn es aus dem 18. Jahrhundert stammt, wie immer das richtige Zitat parat, auch für die derzeitige Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Vertrauenskrise. Eine unheilige Trias, ob derer es keines biblischen Propheten vonnöten ist, um eines vorauszusagen: nicht nur Houston hat dieser Tage ein Problem.

Über die Finanz- und die mit ihr einhergehende Wirtschaftskrise finden sich in der jüngsten Vergangenheit all überall Medienberichte. Darum sei hier näher auf die wohl noch größere, weil nachhaltigere Krise eingegangen – die des Vertrauens. Wem kann man in Zeiten wie diesen noch trauen? Meint es noch irgendjemand ehrlich? Ohne blindwütig auf Bankmanager hinzuschlagen oder nur „die da oben“ zu kritisieren, so grenzt es doch an eine bodenlose Frechheit, was sich die modernen Propheten des Geldes, die Finanzanalysten, geleistet haben und noch immer leisten. Allerorts rasseln die Kurse nach unten, und noch immer werden Kaufempfehlungen für Aktien am laufenden Band ausgesprochen. Zwischenzeitlich wurden zwar die Kursziele, also der für gewöhnlich innerhalb eines Jahres angepeilte Wert der Aktie, von den Finanz-Auguren teilweise auf die Hälfte nach unten gesetzt. Dass zwischenzeitlich auch einmal Aktien zum Verkauf empfohlen worden wären, diese Mühe machten sich nur wenige Analysten.

„Davon geht die Welt nicht unter“ sang Zarah Leander 1942 im Film „Die große Liebe“. Soviel gilt auch für die Vorgehensweise der Finanzanalysten und Ratingagenturen wie Standard & Poor´s und Moody´s. Doch soll das „System Kapitalmarkt“ jemals wieder ein funktionierendes werden, braucht es einen anderen Zugang zur Verantwortung, die dieser Berufsstand mit sich bringt. Das gilt analog für alle Akteure im großen Spiel der Finanzmärkte. Denn hier werden leichtfertig nicht nur die Ersparnisse – von denen jeder selbst entscheidet, wie er sie anlegt – verzockt, sondern auch zu einem guten Teil die Pensionen der Bevölkerung. Doch wie impft man einem Berufsstand Ethos ein? Im Moment mit der – schon in Dreißiger Jahren sinnlosen – Gesetzesspritze. Von außen aufgezwungene Moralität hat aber noch nie gewirkt, zumindest nicht mit nur ansatzweiser Nachhaltigkeit. Doch hat Zarah Leander nicht im gleichen Film auch gesungen: „Ich weiß, es wird noch einmal ein Wunder geschehen“…?



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