Ein LNG-Tanker aus Katar passiert den Suezkanal in der Nähe der ägyptischen Hafenstadt Ismailia (Archivbild).Foto: -/AFP via Getty Images

Schwimmende Gas-Lager: LNG-Tanker warten auf bessere Preise

Von 9. November 2022
Vor Europas Küsten kreisen LNG-Tanker. Sie warten mit dem Entladen auf höhere Preise. Das Beruhigende daran: Sie werden nicht in Richtung Asien abgezogen.

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Stau vor europäischen Häfen – etwa 30 riesige LNG-Tanker fahren entweder im Kreis oder steuern ihr Ziel mit halber Kraft an. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, warten sie auf steigende Gaspreise. Betroffen sind unter anderem die Häfen von Rotterdam, Den Haag, Portugal oder dem Ärmelkanal. Die Reedereien sollen die Schiffe angewiesen haben, eine Entladung zum derzeitigen Zeitpunkt nicht anzustreben.

TFF-Future auf knapp ein Drittel des Sommerniveaus gefallen

Anders als in der Zeit der Corona-Krise ist diesmal kein Entladungsstau in den Häfen der Grund für die Verzögerungen. Jedoch ist der Gaspreis an den europäischen Börsen deutlich gesunken. Der niederländische Ein-Monats-TFF-Future – ein virtueller Handelspunkt – lag am Montag (7.11.) bei 112,50 Euro für Gas – gegenüber knapp 330 Euro im Sommer.

Das „T-Online“-Portal schreibt von einem „schwimmenden Gaslager“, das sich vor Europas Küsten aufbaue. Immerhin ließen sich mit dem Gas, das die LNG-Tanker geladen haben, bis zu 2,7 Millionen Haushalte über ein gesamtes Jahr mit Energie versorgen.

Die Preise werden voraussichtlich noch über einige Tage oder Wochen in etwa auf dem derzeitigen Niveau verharren. Die Gasspeicher in Europa sind voll und allein mit der dort gespeicherten Menge wären zwei Wintermonate zu überstehen. Zusätzlich fließt Gas etwa aus Norwegen in das deutsche Ferngasnetz und demnächst gehen wohl die ersten LNG-Terminals vor den deutschen Küsten in Betrieb. Aus Unsicherheit über die künftige Versorgungslage ordern Einkäufer weiterhin LNG. Die Industrie hält sich hingegen mit Käufen zurück.

LNG-Tanker dürften spätestens im Januar entladen werden

Der häufig bereits empfindlich kalte November beginnt mild – erst für die zweite Hälfte rechnen Meteorologen mit einer deutlichen Abkühlung. Auch der Januar könnte in Mitteleuropa überdurchschnittlich kalt werden. Spätestens zu diesem Zeitpunkt dürften die Gaspreise wieder anziehen – und die LNG-Tanker werden ihre Ladung löschen.

Zwar wäre nach „Argus Media“ ein sofortiges Entladen immer noch nicht mit einem Verlust verbunden, dennoch erscheine es für Verkäufer ratsamer, damit noch zu warten. Der erzielbare Preis für eine Million British Terminal Units (MMBTU – ein MMBTU entspricht etwa 26,4 Kubikmetern Gas) läge im November bei 30,55 US-Dollar. Im Dezember könnte er jedoch voraussichtlich auf 31,72 und im Januar bei 32,46 US-Dollar liegen.

Der Unterschied im Gewinn könnte für einen einzigen LNG-Tanker bis zu sieben Millionen US-Dollar ausmachen. Bei den TFF-Futures kann es für Januar sogar einen Aufschlag von 35 Prozent geben.

Umlenken nach Asien unwirtschaftlicher als Abwarten

Allerdings sind die LNG-Tanker, während sie vor den Küsten verharren, für anderweitige Einsätze nicht verfügbar. Dies lässt die Mietkosten steigen, weshalb diese pro Tag bereits auf bis zu 23.000 US-Dollar steigen können. Weltweit sind 693 Schiffe dieser Art verfügbar.

Beruhigend für Europäer ist dabei, dass die Kapazitäten vor den eigenen Küsten gebunden sind. Das bedeutet, dass es trotz höherer Preise, die dort geboten werden, bis auf Weiteres nicht zu einem Abzug in Richtung Asien kommen wird. Neben den knapperen Transportkapazitäten stehen hohe Kosten derzeit einem Umlenken entgegen.

Das „Handelsblatt“ sieht in der derzeitigen Situation einen Beleg dafür, dass der Gasmarkt funktioniere und die europäischen Verbraucher davon profitierten. Dass bei Erreichen einer bestimmten Preisschwelle die Entladung erfolgen werde, würde die Preisentwicklung nach oben wieder abbremsen.

Reeder hätten LNG-Tanker bei Importpreis-Bremse abgezogen

Insgesamt vergrößerten die vor der Küste kreisenden LNG-Tanker die in Europa verfügbare Gasmenge. Die Entwicklung zeige zudem, dass eine Vielzahl an EU-Staaten, die einen Höchstpreis für Gasimporte festlegen wollten, falsch gelegen hätten. Die deutsche Bundesregierung hatte zusammen mit den Niederlanden Ende Oktober auf dem EU-Krisengipfel eine EU-weite Gaspreis-Obergrenze verhindert.

Stattdessen wird es angepasste „Marktkorrekturmechanismen“ geben – wie die Gaspreisbremse in Deutschland. Diese zielt nicht auf die Importpreise selbst, sondern darauf, Verbraucher zu entlasten, die mit den gestiegenen Energiepreisen konfrontiert sind.

Experten hatten dies auch Abgesandten der EU-Staaten im Rahmen einer Seminarveranstaltung deutlich gemacht. Im Fall eines Importpreisdeckels hätten die Reeder wahrscheinlich ihre Schiffe abgezogen, weil es lukrativer gewesen wäre, sie nach Asien zu dirigieren. De facto scheint es unmöglich, eine Gaspreis-Obergrenze zu verfügen, ohne langfristige Verträge oder die Versorgungssicherheit zu gefährden.



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