Ein Büroangestellter geht aus dem Lloyd's-Gebäude, dem Haus der Versicherungsinstitution Lloyd's of London in London, England.Foto: Matt Cardy/Getty Images

Die Modernisierung von Lloyd’s of London

Von 21. Dezember 2009 Aktualisiert: 21. Dezember 2009 17:38

Lloyd’s of London, der 300 Jahre alte internationale Versicherungs- und Rückversicherungsmarkt, erfindet sich neu.

Der Markt entwickelt ein elektronisches Austauschsystem, das The Lloyd’s Exchange heißt. Damit möchte er den Versicherungsprozess vereinfachen sowie leistungsfähiger und transparenter werden. Außerdem verschafft er so seinen Mitgliedern einen Wettbewerbsvorteil.

Lloyd’s ist eine Mitgliedschafts-Organisation, die Versicherungsprodukte anbietet, für die Mitgliedsgesellschaften und Einzelpersonen die Haftung übernehmen. Sie ist in der ganzen Welt bekannt und die älteste beständige Versicherungsbörse.

The Lloyd’s Exchange wurde Anfang 2009 eingeführt. 35 Prozent ihrer Marktorganisationen haben sich in das elektronischen Börsenkonzept eingekauft. Ihr Pilotprogramm besteht aus mehreren Pilotphasen, von denen die ersten in Partnerschaft mit Aon Brokerage Group, Marsh Inc., und der Willis Group Holdings abgeschlossen wurden.

Die Bezahlung geschichtlicher Forderungen

Lloyd’s bekannte Versicherungsforderungen betreffen das Sinken der Titanic im Jahr 1912, das Erdbeben von San Francisco im Jahr 1989, die Explosion der Phillips-Petroleumfabrik, den Bankrott der Enron Corporation und die Exxon-Valdez-Ölkatastrophe.

In den 90er Jahren wurde Lloyd’s von Versicherungsforderungen in Höhe von etwa 15 Milliarden US-Dollar aufgrund von Asbestbelastung in US-Gebäuden getroffen. Lloyd’s hatte in den 30er Jahren eine allgemeine Haftungsrisiko-Police angeboten, die einen Vorbehalt gegen Umweltgefahren nicht einschloss.

Lloyd’s versicherte die World-Trade-Center-Gebäude in New York City und musste nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 11 Milliarden US-Dollar von insgesamt 40 Milliarden US-Dollar an Forderungen bezahlen.

Bei diesen vielen großen Forderungen muste Lloyd’s sein Wahrzeichen, sein Haus in London, verkaufen und seine Risikoannahme-Police verändern.

Richard Ward, Geschäftsführer bei Lloyd’s, sagte kürzlich in einem KW-Bericht (Knowledge @ Wharton): „Wir verkauften absolut alles außer dem Silber.“ KW ist die Abteilung für Veröffentlichung und Forschung der University of Pennsylvania’s Wharton School of Business.

In den Schnellgang schalten

Ward sagte: „Es ist merkwürdig, wie schnell Reputationen zerstört werden können und wie lange es dauert sie wieder herzustellen. Bei Lloyd’s brauchten wir zehn Jahre, um unsere Reputation, die in den 90er Jahren über Nacht verloren ging und im World Trade Center über Nacht verloren ging, wiederherzustellen. Wir wurden zum Schlagwort für Katastrophe“, sagte er im KW-Bericht.

1974 betrieb Lloyd’s eine hektische Mitgliedschaftsförderung und stellte zum ersten Mal Amerikaner, Australier, Kanadier und Südafrikaner sowie andere Länder ein. Es öffnete damit seine Türen weltweit und verheimlichte, was es über die kommenden Forderungen wusste.

1986 forderte Lloyd’s alle Mitglieder auf eine Vereinbarung zu unterzeichnen, wonach jeder Rechtsstreit nur in Großbritannien eingereicht und angehört werden kann. Dabei wusste das Versicherungsunternehmen genau, dass es fast unmöglich war, Betrugsfälle vor ein britisches Gericht zu bringen.

Lloyd’s verbesserte seine Generalpolice und schloss Forderungen aus Umweltschäden aus, außer wenn sie plötzlich und zufällig auftraten.

„Verstehen Sie Ihre Risiken“, sagte Ward während eines kürzlich erfolgten Wharton-Führungsvortrags.

Lloyd’s nahm dies ernst und führte Standards für das Übernehmen von Risiken ein, die alle Mitglieder akzeptieren und befolgen mussten. Gleichzeitig ließ es seine Versicherer-Policen überprüfen, die von seinen Mitgliedern geschrieben wurden, um sicherzustellen, dass sie sich an die Lloyd’s-Standards hielten.

Lloyd’s kürzte die Versicherung von Produkten von Finanzinstituten, „weil wir uns bei dieser Art von Risiko nicht wohlfühlten. Wir verstanden es wirklich nicht so gut. Und wenn man es nicht so gut versteht, sollte man es nicht tun“, sagte Ward.

Vernunft und Vorsicht führten dazu, dass nur wenige Firmen und Institutionen aufgenommen wurden, die von zweitklassigen Hypothekenforderungen betroffen waren. Das betraf Systeme wie Bernie Madoffs Schneeballsystem oder Allen Stanfords Investitionsmodell, mit dem dieser Anleger um acht Millionen Dollar betrogen hatte.

Lloyd’s fördert jetzt offen prinzipientreue Vorgehensweisen beim Tätigen von Geschäften und hält bei verschiedenen Treffen Vorträge darüber.

„Wir dürfen nicht zwischen Prinzipien und Gewinnen wählen. Und sie existieren auch nicht einfach nebeneinander, sondern sind voneinander abhängig“, sagte Lord Peter Levene, der Chef von Lloyd’s, beim Treffen des Council of Christians and Jews am 25. November.

Marktplatz – keine Gesellschaft

Lloyd’s funktioniert als ein Treffpunkt für Agenten unterschiedlichen Hintergrunds, einschließlich Maklern, Versicherern, Mitgliedern und Einzelpersonen (die traditionell „Names“ genannt werden) sowie Gesellschaften. So werden Risiken zusammengefasst und verteilt.

Bis 1994 wurde Lloyd’s Risiko von wohlhabenden „Names“ unterstützt, deren ganzer Reichtum die von ihren Mitgliedern geschriebenen Policen absicherte. Die dramatischen Verluste Anfang der 90er Jahre machten einige dieser „Names“ bankrott. Heute werden nur 10 Prozent von Lloyd’s Risiken von „Names“ getragen, neuen „Names“ dürfen nicht mehr beitreten.

Ein Drittel der Lloyd’s-Policen sind Rückversicherungen. Die Rückversicherung verteilt das Risiko auf zwei oder mehr Versicherer und wird meistens für große Verpflichtungen wie bei Verlust durch Feuer, Flut oder ein Erdbeben verwendet.

„Für die meisten Unternehmen ist Risiko eine Bedrohung … Lloyd’s existiert, um diesem vorzugreifen, es zu verstehen und damit umzugehen. Es gibt nichts Leichtsinniges an diesem Appetit auf Risiko. Alles basiert auf Forschung und Analyse, Erfahrung und Sachverstand und einer gemeinsamen Kultur von angewandtem gesundem Menschenverstand“, sagte Peter Levene, der Chef von Lloyd´s in seinem Jahresbericht für 2008.

Die Gesellschaft besteht aus 51 Bevollmächtigten, und 80 Syndikaten einschließlich Pembroke Insurance Agency, Liberty Syndicates Management Ltd. und Japans Mitsui Sumitomo Insurance Group Holdings Inc.

Die Mitglieder von Lloyd´s liefern das Kapital, das 99,5 Prozent einer bestimmten Risikoübernahme der Mitglieder darstellt. Das Kapital besteht aus Vermögenswerten, die jede Haftbarkeit abdecken, die aus den Versicherungstätigkeiten der Mitglieder entstehen. Diese werden nicht verwendet, um die Haftbarkeit anderer Mitglieder abzudecken.

Lloyd’s wurde 1688 gegründet und versicherte 1.807 Schiffe, die im Rahmen des afrikanischen Sklavenhandels eingesetzt wurden. Heute versichert Lloyd´s alles. Angefangen von Körpermerkmalen eines Filmstars, den Geschmacksnerven eines Nahrungsmittelkritikers und der Stimme des Rockstars Bruce Springsteen bis zu Immobilienbeständen, Flugzeugen, Ölbohrinseln und Autos.

„Im wesentlichen versichern wir Dinge, die andere nicht versichern können oder wollen“, sagte Ward in dem KW-Artikel.

 

Originalartikel in Englisch: Modernizing Lloyd´s of London

 

 



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