Deutsche Bank und die Abschaffung von Bargeld: Bargeld schützt vor Negativzinsen und Bankpleiten + Video

Von 14. January 2017 Aktualisiert: 14. Januar 2017 21:59
Die Deutsche Bank sieht eine Abschaffung des Bargeld kritisch: "Die Entscheidung zwischen Bargeld und Buchgeld auf elektronischen Konten sollte den Nutzern überlassen bleiben, denn sie sind gleichzeitig auch Bürger, Steuerzahler, Verbraucher und Produzenten." Für Privatpersonen ist Bargeld ein einfaches und effektives Mittel, Erspartes vor Negativzinsen und Bankenpleiten zu schützen.

Die Deutsche Bank hat am 12. Januar 2017 einen Bericht zum Bargeld mit dem Titel „Bargeld, Freiheit und Verbrechen – Bargeld in der digitalen Zeit“ veröffentlicht. Bargeld wird hinterfragt, über neue elektronische Währungen diskutiert und seine Bedeutung für die Geldpolitik, Verbrechensbekämpfung und Wirtschaftlichkeit angezweifelt.

Nur mit einer grundlegenden Umstellung des Finanzsystems wäre es möglich, zu verhindern, dass die Menschen ihr Geld in Massen abheben, falls die Banken kollabieren. Hier einige Grundaussagen der Studie.

Die Nachfrage nach Euro-Bargeld steigt

„Der Euro-Bargeldumlauf stieg bis zum 3. Quartal 2016 auf 1,1 Billionen Euro. Das ist eine Verdreifachung im Vergleich zu 2003. Zudem wuchs der Bargeldumlauf  schneller als das nominale BIP“, schreibt Autorin Heike Mai.

Dabei verloren Banknoten mit geringerem Wert (5, 10 und 20 Euro) an Bedeutung, die Beliebtheit der 50-Euro-Scheine nahm zu. Frau Mai verweist darauf, dass dies möglicherweise den zunehmenden Gebrauch von Kartenzahlungen im Einzelhandel beweist. Es sollte jedoch auch bedacht werden, dass Produkte schlicht und einfach mehr kosten.

100-Euro-Scheine sind ebenfalls beliebter geworden. Vor allem die 500-Euro-Scheine werden als „sicherer Hafen“ für das Horten von Geld zu Hause verwendet. Da die Zentralbank diese bis 2018 abschaffen will ist bereits zu bemerken, dass auch 200-Euro-Scheine verstärkt nachgefragt werden.

Bargeld ist ein effektives Mittel, Erspartes zu schützen

Was sind die Vorteile von Bargeld im Gegensatz zu Bankeinlagen? Für Privatpersonen ist Bargeld ein einfaches und effektives Mittel, Erspartes vor Negativzinsen und Bankenpleiten zu schützen.

Sparen die Menschen mit Bankeinlagen und gerät die Bank in die Lage, diese Einlagen nicht auszahlen zu können, verlieren die Menschen ihr Geld. Bankeinlagen sind nur ein Versprechen, eine Art Anspruch: „Banknoten begründen zwar einen Anspruch an die ausgebende Zentralbank, aber der Besitzer einer Banknote ist nur zu einer eher theoretischen Erstattung in Form von neuen Banknoten oder einer Gutschrift auf einem Zentralbankkonto in der jeweiligen Währung berechtigt.“

Der Euro ist ein Giralgeldsystem, in diesem System gibt die Zentralbank Vollgeld aus, während normale Geschäftsbanken Fiat-Money-Geld aus dem Nichts erschaffen. Das bedeutet, dass Banken jederzeit beliebig viel Geld erzeugen können: Braucht ein Kunde einen Kredit, dann leiht ihm die Bank Geld aus, indem sie es erfindet. Es schreibt das Geld einfach dem neuen Kunden gut. Im Laufe der Zurückzahlung des Kredites wandelt sich diese Geld-Luftblase durch die Rückzahlung in echte Werte um.

Bargeld ist sogenanntes Vollgeld („high-powered money“). Vollgeld wird in der Regel von der Zentralbank ausgegeben und existiert als Bargeld und vor allem als Buchgeld der Zentralbank. Bargeld ist die einzige Art Vollgeld, die privaten Haushalten und Unternehmen zur Verfügung steht – und Vollgeld ist sicher.

Doch Bargeld kann die Fähigkeit der Zentralbanken einschränken, Zinssätze deutlich unter Null abzusenken – und so tauchen immer wieder Forderungen nach der völligen Abschaffung von Bargeld auf. Kommt es zu einem starken Abzug von Bargeld, wenn die Menschen negative Zinsen zahlen sollen, können diese in Zahlungsschwierigkeiten kommen.

„Um das Risiko eines Bankensturms auszuschließen, müsste das Giralgeldsystem durch ein Vollgeldsystem ersetzt werden: Nur die Zentralbank würde dann Geld schöpfen, d.h. es würde nur eine „Geldsorte“ ausgegeben. Dies würde jedoch zu einer grundlegenden Transformation des Finanzsystems führen“, schreibt Frau Mai.

Bargeld abschaffen? Die Folgen sind nicht absehbar

Die Deutsche Bank schreibt: „Die Reaktion auf eine so extreme Maßnahme wie die Abschaffung des Bargelds wäre nicht abzusehen. Es könnte zu einem Vertrauensverlust der Öffentlichkeit in den Euro und in das gesamte Finanzsystem der EWU kommen, vor allem dann, wenn das Ziel die Durchsetzung negativer Zinssätze auf Einlagen wäre.“

Nach der Studie soll die Nullzinspolitik der Banken dazu führen, dass die Menschen mehr konsumieren: „Letztendlich geht es darum, die privaten Haushalte und Unternehmen dazu zu bewegen, Geld auszugeben statt zu sparen, um auf diese Weise das Wirtschaftswachstum anzukurbeln und die Deflationsgefahr zu überwinden.“

Die Abschaffung des Bargelds mit der Begründung „Kriminalität“ ist unsinnig

Das Argument, mit der Abschaffung von Bargeld würde die Kriminalität sinken, ist nur teilweise richtig. Bargeld kann nicht nachverfolgt werden, es kann für Bestechung und Schattenwirtschaft genutzt werden. Legale Geschäfte, die nicht dokumentiert werden um Steuern zu vermeiden gehören gleichfalls dazu. Auch die illegale Beschäftigung von Arbeitskräften oder Drogen- und Menschenhandel und Betrug zählen zur Schattenwirtschaft.

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Deutschland und Österreich zählen als „bargeldintensive“ Länder, haben jedoch nur einen kleinen Schattensektor. Schweden – mit einem überwiegend bargeldfreiem System – hat hingegen einen viel größeren Schattensektor: „In Schweden wird nur noch selten in bar gezahlt, aber es gibt einen Schattensektor mittlerer Größe.“

Die Größe der Schattenwirtschaft wird weniger vom Bargeld als von anderen Faktoren bestimmt. Dazu zählen die Besteuerung, die Qualität der öffentlichen Institutionen, die Steuermoral und die Höhe des Pro-Kopf-Einkommens. Somit würde die Abschaffung von Bargeld einen Schattensektor nicht beseitigen, jedoch die Kosten für illegale Zahlungen erhöhen: „So könnte die Größe der Schattenwirtschaft um geschätzt 2-3% verringert werden.“

Bargeld macht nur einen geringen Teil des kriminellen Umgangs mit Geld aus. Die Einnahmen aus Finanz- und Steuerbetrug werden ungefähr auf das Doppelte der Einkünfte des internationalen organisierten Verbrechen geschätzt – und diese werden nicht mit Bargeld abgehandelt.

Auch das Argument „Finanzierung des Terrorismus“ zieht nicht. Eine Analyse von 40 Terroranschlägen mit islamistischen Hintergrund zeigte, dass die Kosten für Anschläge nicht sehr hoch sind. 75 Prozent der Anschläge hatten keinen Kostenaufwand über 10.000 US-Dollar. Diese Geldbeträge fallen nicht auf, auch wenn sie per Karte bezahlt werden.

Aus Sicht des Datenschutz ist Bargeld am sichersten

Bargeld hinterlässt nur wenig Spuren, Kartenzahlen hingegen schon. Wird Bargeld abgeschafft, werden die Menschen zu „Untertanen“ und sind leicht steuerbar, schreibt die Autorin. Denn die gewonnenen Nebeninformationen sind heutzutage sehr wertvoll.

Diese Daten sind zu einem Wirtschaftsgut geworden, über das sich die Menschen nicht im Klaren sind und für das die Menschen auch nicht vergütet werden.

Den höchsten Datenschutz haben Barzahlungen, da hier keine Daten entstehen, die sich konkreten Menschen zuordnen lassen.

Bargeld und die Freiheit der Menschen

Die Autorin stellt im letzten Teil Bargeld in Beziehung zu bürgerlichen Freiheiten. Sie ist der Meinung, dass eine Umstellung auf elektronisches Geld und die Abschaffung des einzigen anonymen und offiziellen Zahlungsmittels zur Beschränkung bürgerlicher Freiheiten führen kann.

Denn die Abschaffung des Bargeld kann auch so gesehen werden, dass die Menschen mehr kontrolliert werden. Die Menschen stünden bei einer Abschaffung des Bargeldes unter Generalverdacht und Überwachung. Behörden und Institutionen haben unbegrenzte Macht, wenn sie alles über die privaten und finanziellen Belange der Menschen wissen. Ein Missbrauch der Daten kann nicht ausgeschlossen werden.

Und: „Die Abschaffung oder weitgehende Einschränkung der Bargeldnutzung wäre mit dem Risiko verbunden, das Vertrauen der Bürger in staatliche Behörden zu untergraben. Man würde die Bürger in Fällen, in denen staatliches Verhalten als illegitim angesehen wird, einer einfachen Methode berauben, sich staatlicher Kontrolle zu entziehen“, schreibt die Bank.

Veränderungen im Geldsystem „Durch erkennbare Vorteile für die Öffentlichkeit“ begründen

Eine Beschränkung oder Abschaffung von Bargeld müsste „in jedem Fall durch erkennbare Vorteile für die Öffentlichkeit begründet werden“. Nur so kann das Vertrauensverhältnis zwischen Menschen und Regierung erhalten bleiben.

„Eine deutliche Senkung der Kriminalität kann aber hierfür kein überzeugendes Argument sein, da Bargeld weder der Grund für Kriminalität noch die einzige Methode ist, Finanzmittel auf illegale Weise zu verschieben.“

„Kurz gesagt: Die Entscheidung zwischen Bargeld und Buchgeld auf elektronischen Konten sollte den Nutzern überlassen bleiben, denn sie sind gleichzeitig auch Bürger, Steuerzahler, Verbraucher und Produzenten.“

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