Dokumentation der Dinosaurier-Fußabdrücke im Jahre 1954.
Ross Staines misst die Fußabdrücke 4,5 Meter über dem Höhlenboden (ca. 1954).Foto: Dr. Anthony Romilio

Australien: Rätsel um Dinosaurier-Fußabdrücke an Höhlendecke nach Jahrzehnten gelöst

Von 19. Februar 2020 Aktualisiert: 20. Februar 2020 9:12
Dinosaurier-Fußabdrücke an einer Höhlendecke in Australien beschäftigten einen Paläontologen seit vielen Jahren. Nun halfen ihm Jahrzehnte alte Spuren in einem Schrank unter einer Treppe in Mount Morgan unerwartet bei der Lösung.

Der Paläontologe Dr. Anthony Romilio von der Universität Queensland entdeckte Teile eines jahrzehntealten Dinosaurier-Rätsels an einem ungewöhnlichen Ort: Einem Schrank unter der Treppe eines Hauses in einem Vorort von Sydney.

„Die Stadt Mount Morgan in der Nähe von Rockhampton hat Hunderte von fossilen Fußabdrücken. Zudem weist sie die höchste Vielfalt an Dinosaurierspuren in der gesamten östlichen Hälfte Australiens auf“, sagte Dr. Romilio in einer Pressemitteilung.

„Frühere Untersuchungen der Fußabdrücke an einer Höhlendecke deuteten auf ein sehr merkwürdiges Verhalten der Dinosaurier hin. Es schien so, als lief ein fleischfressender Theropode auf allen Vieren“, so der Paläontologe.

Heute kein Zugang mehr zu Dinosaurier-Abdrücken

„Man geht nicht davon aus, dass T. rex seine Arme zum Laufen benutzte. Außerdem haben wir auch nicht erwartet, dass einer seiner früheren räuberischen Verwandten von vor 200 Millionen Jahren dies tat“, erklärte Romilio.

Die Forscher wollten herausfinden, ob sich dieser Dinosaurier tatsächlich mit seinen Füßen und Armen bewegte. Stattdessen fanden die Forscher aber heraus, dass der Zugang zu Forschungsmaterial mittlerweile schwierig war.

„Seit einem Jahrzehnt ist der Fundort der Mount-Morgan-Spur geschlossen. Zudem zeigen die veröffentlichten Fotos aus den 1950er Jahren nicht alle Spuren“, sagte Dr. Romilio.

Im Schrank der Zahnärztin

Schließlich sollte ein zufälliges Treffen mit der örtlichen Zahnärztin Dr. Roslyn Dick zu einem großen Erfolg führen, denn ihr Vater sammelte im Laufe der Jahre viele Dinosaurierfossilien. „Ich bin sicher, dass Anthony mir nicht geglaubt hat, bis ich den Namen meines Vaters – Ross Staines – erwähnt habe“, sagte Dick.

„Unser Vater war Geologe und berichtete 1954 über die Mount-Morgan-Höhlen, in denen sich die Dinosaurierspuren befanden“, so Dick weiter. Außerdem habe ihr Vater neben seinem veröffentlichten Bericht auch hochauflösende Fotos und detaillierte Notizbücher darüber besessen. Dick und ihre Schwestern bewahrten diese Dokumente lange nach seinem Tod auf.

„Wir haben sogar seinen Gipsabdruck der Dinosaurier-Fußspuren unter dem Schrank meiner Schwester in Sydney aufbewahrt.“

Ein Segen für die Forscher

Der Paläontologe erklärte, dass der Reichtum und der Zustand der „Dinosaurier-Informationen“, die Dick und ihren Schwestern archivierten, erstaunlich sei.

„Ich habe die analogen Fotos digitalisiert und ein virtuelles 3D-Modell des Dinosaurier-Fußabdrucks erstellt. Anschließend habe ich das Material wieder der Familie zur Verfügung gestellt“, so Romilio. „In Kombination mit unserem heutigen Verständnis von Dinosauriern war auf einmal alles klar“, ergänzte er in Bezug auf das Rätsel.

Das Team kam zunächst zu dem Schluss, dass alle Spuren Abdrücke von Hinterbeinen waren und nicht wie bisher vermutet auch von Vorderbeinen.

Auch die abgespreizten Zehen und der mäßig lange mittlere Teil der Fußabdrücke ähnelten zweibeinigen, pflanzenfressenden Dinosaurierspuren und unterschieden sich von Theropoden-Abdrücken.

Zwei Dinosaurier am Ufer eines alten Sees

„Anstatt eines Dinosauriers, der auf vier Beinen läuft, scheint es eher, als hätten wir zwei Dinosaurier. Bei beiden handelt es sich um Pflanzenfresser, die einst zweibeinig am Ufer eines alten Sees entlang gingen“, sagte Dr. Romilio.

„Die Spuren, die die Höhlendecke auskleiden, wurden nicht von Dinosauriern gemacht, die verkehrt herum an der Decke liefen. Stattdessen wanderten die Dinosaurier einst über Seesedimente und hinterließen Abdrücke, die mit Sand ausgefüllt wurden.“

Wie der Forscher erklärte, erodierte das weichere Seesediment in den Mount-Morgan-Höhlen sehr schnell. Zurück bleibe dabei, der „Abguss“ aus härteren Sandstein.

(Mit Material der University of Queensland)


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