Corona-Krise.Foto: Omer Messinger/Getty Images

„Kein Grund zur Panik“ – Virologe warnt vor überzogenen Maßnahmen wegen Omikron

Epoch Times28. November 2021 Aktualisiert: 28. November 2021 17:24
Der Virologe Helmut Fickenscher warnt angesichts der neu aufgetauchten Corona-Variante vor Panik. Es gebe keinen Grund, den Alltag von Geimpften zu beschränken. Die südafrikanische Ärztin Angelique Coetzee sieht das ähnlich.

Die Omikron-Variante des Coronavirus ist nach Ansicht des Präsidenten der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten, Helmut Fickenscher, derzeit kein Grund für weitere Beschränkungen des Alltags von vollständig Geimpften. Das sagte er der „Welt“ (Montagsausgabe). Zwar sei es grundsätzlich möglich, dass neue Virusvarianten die Wirksamkeit von Impfstoffen beeinträchtigten, dies sei aber nach ersten Experten-Einschätzungen im Fall Omikron nicht besonders wahrscheinlich.

„Die Coronavirus-Impfstoffe sind ungewöhnlich effizient, da sie nicht nur die Bildung von Antikörpern induzieren, sondern auch die zytotoxischen Killerzellen induzieren. Also: Kein Grund zur Panik, aber genau beobachten, wie sich diese neue Variante entwickelt“, so Fickenscher.

Der Virologe, Leiter des Instituts für Infektionsmedizin an der Universität Kiel und Pandemieberater der schleswig-holsteinischen Landesregierung, sagte, dass neben Kontaktbeschränkungen in Regionen mit besonders hohen Infektionszahlen das Schließen der Impflücken aktuell die zentrale Aufgabe der Pandemiebekämpfung sei. „Wir müssen es schaffen, noch mehr Menschen davon zu überzeugen, sich impfen zu lassen.“

Aus seiner Sicht sei dabei eine freiwillige Impfung zu bevorzugen. Da aber nicht klar sei, ob sich die derzeit wieder zunehmende Impfbereitschaft der Menschen verstetige, „tun wir sehr gut daran, die Fragen, die mit einer Zwangsimpfung verbunden sind, jetzt zu debattieren und zu klären“. Die Dringlichkeit einer solchen Debatte steige aktuell massiv an.

Fickenscher warnte die Politik vor allzu strikten öffentlichen Kontaktbeschränkungen. „Derzeit gibt es offensichtlich vielerorts Aktionismus-Entscheidungen, nach dem Motto, jetzt muss ja irgendwas geschehen, am besten mit harter Hand. Richtig ist aber: Je stärker wir die Kontaktmöglichkeiten im öffentlichen Raum einschränken, umso mehr werden sich diese Kontakte in den privaten Raum verlagern. Und dort sind Ordnungsämter und Polizei mit Sicherheit nicht dazu in der Lage, 2G- oder 3G-Regeln durchzusetzen.“

Bislang sehr milder Verlauf

Indes gab die südafrikanische Ärztin Angelique Coetzee an, dass die Symptome der neuen Virusvariante zwar ungewöhnlich, aber mild ausfielen.

Coetzee, Vorsitzende des südafrikanischen Ärzteverbandes, sagte im Interview mit der Nachrichtenagentur AFP, sie habe in den vergangenen zehn Tagen rund 30 Patienten untersucht, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden, aber ungewohnte Symptome aufgewiesen hätten.

„Sie sind wegen extremer Müdigkeit in die Sprechstunde gekommen“, sagte die in Pretoria praktizierende Ärztin. Dies sei ungewöhnlich für jüngere Patienten. Die meisten Infizierten seien Männer unter 40 Jahren gewesen, weniger als die Hälfte von ihnen sei geimpft gewesen. Sie hätten leichte Muskelschmerzen gehabt, einen „kratzigen Hals“ und trockenen Husten. Nur einige hätten leicht erhöhte Temperatur gehabt. Alle hätten sich wieder erholt, ohne ins Krankenhaus zu müssen.

Die sehr milden Symptome unterschieden sich laut Coetzee von Infektionen mit anderen Corona-Varianten. Coetzee informierte daher am 18. November die Gesundheitsbehörden ihres Landes über ein nicht zur bis dahin vorherrschenden Delta-Variante passendes Krankheitsbild. Bis dahin hatte sie die ersten sieben der insgesamt 30 Patienten mit ungewöhnlichen Symptomen untersucht. Die Behörden seien nicht überrascht gewesen, da sie die neue Variante bereits untersucht hätten, sagte Coetzee.

Südafrika hatte die Entdeckung der neuen Variante mit der wissenschaftlichen Bezeichnung B.1.1.529 am Donnerstag bekannt gegeben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft sie als „besorgniserregend“ ein.

Coetzee bedauerte es, dass Omikron als „extrem gefährliche Virusvariante“ mit zahlreichen Mutationen aufgebauscht worden sei, obwohl ihre Gefährlichkeit noch unklar sei. Es wird vermutet, dass die neue Variante sehr ansteckend und resistent gegen die Immunabwehr ist. Ob sie die Wirksamkeit der Vakzine beeinträchtigt, wird aber noch untersucht.

„Wir sagen nicht, dass es keine schweren Erkrankungen geben wird“, betonte Coetzee. Bis zum jetzigen Zeitpunkt hätten aber auch die nicht geimpften Patienten milde Symptome. „Ich bin ziemlich sicher, dass viele Menschen in Europa dieses Virus schon haben“, zeigte sie sich überzeugt. (dts/afp/oz)



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