Migranten in Neuötting.Foto: iStock

Verbreitung des Internets fördert Migration

Von 28. Dezember 2020 Aktualisiert: 28. Dezember 2020 13:56
"Das Internet gibt uns nicht nur Zugang zu mehr Informationen. Es erlaubt uns auch, uns über soziale Medien leicht mit anderen zu vergleichen", sagte Prof. Pesando von der McGill University. Die direkte Folge ist der Traum vom besseren Leben – und die Migration in hoffnungsvolle Länder.

Das Internet formt nicht nur das Wie, sondern auch das Wo wir leben. Zu diesem Schluss kommen internationale Forscher. Die Ausbreitung des Internets verändert dabei die Migration auf tiefgreifende Weise. Unter Leitung der kanadischen McGill University untersuchten die Forscher über 150 Länder bezüglich Verbreitung von Internet sowie Migrationsabsichten und -verhalten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die digitale Konnektivität nicht nur eine Schlüsselrolle bei der Migration spielt, sondern Entscheidung und Prozess aktiv unterstützten.

Menschen in Ländern mit einem höheren Anteil an Internetnutzern sind – getrieben durch bunte Bilder und vielversprechende Anreize – tendenziell eher bereit, auszuwandern. Insbesondere bei Frauen und Personen mit geringerer Bildung sei der Zusammenhang zwischen Internetnutzung und Migrationsabsicht stärker ausgeprägt. Das gleiche gilt für Wirtschaftsmigranten im Vergleich zu politischen Migranten.

Internet verbreitet Hoffnung auf ein besseres Leben

„Die digitale Revolution, die durch das Aufkommen des Internets ausgelöst wurde, hat unsere Gesellschaften, Volkswirtschaften und Lebensweisen verändert. Migration ist keine Ausnahme in dieser Revolution“, sagte Co-Autor Prof. Luca Maria Pesando, vom Zentrum für Bevölkerungsdynamik an der McGill University.

In ihrer in „Population and Development Review“ veröffentlichten Studie verfolgten die Forscher die Internetnutzung und die Migrationswege anhand von Daten der Weltbank, der International Telecommunication Union, des Global Peace Index, des Arab Barometer und des Gallup World Poll, einer internationalen Umfrage unter Bürgern aus 160 Ländern.

Ihre Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung des Internets als Informationskanal für Migranten, die ihr Land auf der Suche nach besseren Möglichkeiten verlassen. Im Gegensatz zu politischen Migranten, die zum Beispiel durch die plötzliche Verschärfung eines Bürgerkriegs getrieben werden könnten, ist es wahrscheinlicher, dass die Entscheidungen von Wirtschaftsmigranten vom Zugang zu Informationen aus dem Internet profitieren und von der Hoffnung auf eine bessere Zukunft in ihrem Zielland geprägt sind.

„Das Internet gibt uns nicht nur Zugang zu mehr Informationen. Es erlaubt uns auch, uns über soziale Medien leicht mit anderen zu vergleichen, die in anderen – oft wohlhabenderen – Ländern leben“, sagt Prof. Pesando.

Digitale Fähigkeiten bestimmen weiteren Weg von Migranten

Bei der Untersuchung von Migrationsdaten in Italien – einem Land, das in den letzten zwei Jahrzehnten einen beträchtlichen Anstieg des Zustroms von Migranten erlebt hat – fanden die Forscher eine starke Korrelation zwischen der Internetnutzung in den Herkunftsländern der Migranten und der Präsenz von Menschen aus diesem Land im italienischen Bevölkerungsregister im darauf folgenden Jahr.

Bei der Verfolgung von Migranten, einschließlich Asylbewerbern und Flüchtlingen, die das Einwanderungszentrum Sant’Anna in Kalabrien durchlaufen, fanden die Forscher auch einen Zusammenhang zwischen den digitalen Fähigkeiten und Kenntnissen der Migranten im Umgang mit dem Internet und dem freiwilligen Verlassen des Zentrums auf der Suche nach besseren wirtschaftlichen Möglichkeiten.

„Unsere Ergebnisse tragen zur wachsenden Forschung im Bereich der digitalen Demografie bei, bei der Internet-generierte Daten oder ‚digitale Brotkrummen‘ verwendet werden, um Migration und andere demografische Phänomene zu untersuchen“, sagt Pesando. „Unsere Arbeit legt nahe, dass das Internet nicht nur als Instrument zur Beobachtung des Migrationsverhaltens dient, sondern den Migrationsprozess tatsächlich aktiv unterstützt.“

(Mit Material der McGill University)


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