Wenn das Essen die Sprache verändert: Wie die Laute „f“ und „v“ entstanden

Von 12. Oktober 2019 Aktualisiert: 12. Oktober 2019 8:56
Die Laute "f" und "v" waren nicht schon immer im sprachlichem Gebrauch vorhanden. Erst die weiche Kost - gekochtes Essen - initiierte die Veränderung des Gebisses, sodass diese Laute überhaupt gebildet werden konnten.

Gemeinhin wird angenommen, dass sich die Sprachfülle seit der Entstehung des Homo Sapiens, vor ungefähr 300.000 Jahren, nicht verändert hat. Vor mehr als 30 Jahren stellte der Linguist, Charles Hockett, erstmals diese These in Zweifel.

Er erkannte damals, dass Sprachlaute, wie „f“ und „v“, nicht in allen Gesellschaftsformen gesprochen wurden. Seine Vermutung war, dass der Konsum von weichen Lebensmitteln damit zu tun haben könnte. Dieser Hypothese gingen Damián Blasi von der Universität Zürich und seine Co-Autoren nach. Im Jahr 2019 wurde mitunter die Annahme von Hockett wissenschaftlich belegt.

Weiterentwicklung der Sprache durch Gebissveränderung

Da mit Ende der Eiszeit aus vielen Gebieten die Wildtiere verschwanden, waren die Jäger und Sammler gezwungen sich anzupassen. Dies war der Beginn von Tierzucht und Ackerbau, also der Beginn von weicher Kost.

Üblicherweise war bis zum Ende der Steinzeit jeder Mensch mit einen Kopfbiss ausgestattet. Das bedeutet, die Schneidezähne haben genau aufeinander gepasst. Mit dieser Zahnstellung ist es Fast unmöglich ein V- oder F-Laut zu formen.

Prägung durch Nahrungskonsum

Mit der so genannten neolithischen Revolution begann auch die Veränderung der Lebensmittelverarbeitung. Durch das Weichkochen der Nahrungsmittel ist es nicht mehr notwendig, seine Nahrung lange zu zermalmen. Daraufhin folgte die Gebissveränderung.

So kam es, dass sich der angeborene Überbiss nicht mehr zurückbildete. Seither ist es üblich, dass die oberen Schneidezähne leicht über die unteren ragen. Die sogenannten labiodentalen Sprachlaute wie etwa „f“ konnten dadurch entstehen. Dieser Einfluss von biologischen Voraussetzungen wurde bislang bei der Lautentwicklung unterschätzt – meinen Wissenschaftler.

Projektleiter und UZH-Professor Balthasar Bickel resümiert: „Diese Erkenntnisse und die neuen Methoden, die dafür entwickelt wurden, erlauben es nun, andere ungelöste Fragen anzugehen: zum Beispiel jene, wie Sprachen früher klangen oder wie Cäsar sein ‚veni, vidi, vici‘ aussprach.“

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