Marx und die Wissenschaft: Wissenschaftler mit der „richtigen Ideologie“ werden gefördert

Von 10. Februar 2018 Aktualisiert: 10. Februar 2018 21:12
Seit der 68er-Revolte wurden nahezu alle akademischen Fachgebiete zu "gesellschaftsrelevanten Wissenschaften" umgewandelt. Selbst Naturwissenschaftler sind mittlerweile Anhänger von Theorien aus der marxistischen Frankfurter Schule, z.B. der Behauptung, das Geschlecht sei nur ein soziales Konstrukt (Milieutheorie). Ein Artikel von Thorsten Mann.

Die sogenannte „Wissenschaft“ hat sich in unserer Gesellschaft allmählich von objektiver Wahrheitsfindung zu einer Aneinanderreihung unsachlicher Glaubenssätze entwickelt: Beispielsweise gehen weltweit tausende Menschen bei Großdemonstrationen für die „Wissenschaft“ und gegen „alternative Fakten“ auf die Strasse.

Wer einen Blick auf die Forderungen dieser Großdemonstrationen wirft, bemerkt, dass sie sich u.a. gegen vermeintliche „Leugner“ des menschgemachten Klimawandels richten, für den jedoch bisher keinerlei wissenschaftliche Belege erbracht wurden.

Zudem sind inzwischen selbst Naturwissenschaftler Anhänger von abwegigen Theorien, die ursprünglich aus der marxistischen Frankfurter Schule stammen, z.B. der Behauptung, das Geschlecht sei nur ein soziales Konstrukt (Milieutheorie).

Die Wissenschaft wird missbraucht

In den Jahrzehnten seit der 68er-Revolte wurden nahezu alle akademischen Fachgebiete mehr oder weniger ausgeprägt zu „gesellschaftsrelevanten Wissenschaften“ umgewandelt. Dies äussert sich in Fachgebieten wie Geschichte oder Soziologie etwa dadurch, dass diese Disziplinen unterschwellig längst vom „Historischen Materialismus“ nach Karl Marx durchdrungen sind.

Demnach sei der Klassenkampf stets die wesentliche Triebkraft des menschlichen Fortschritts und die Entwicklung der Menschheit aus früheren aristokratisch geprägten Unterdrückungsverhältnissen verlaufe über den Weg der Revolution und der Emanzipation hin zur demokratisch-klassenlosen „Gleichheit“.

Auch in Fächern wie der Literaturwissenschaft oder der Kunst löste man sich von der „werkimmanenten Interpretation“ und bemüht sich stattdessen darum, marxistische Ideen in künstlerische Werke hineinzuinterpretieren – oder ein Werk schlechtzureden, wenn es sich marxistischen Deutungen grundsätzlich widersetzt.

Selbst die Archäologie kann zur Geschichtspropaganda missbraucht werden bzw. hat das Potential zur gesellschaftlichen Relevanz, zum Beispiel indem archäologische Funde als Beleg für eine angebliche Existenz vorgeschichtlicher Matriarchate zurechtgedeutet werden, was die Legitimität feministischer Forderungen in der Gegenwart bekräftigen soll.

Auch in der Wirtschaftswissenschaft gehört es längst zum guten Ton, die Überwindung des Kapitalismus als eine unvermeidbare Notwendigkeit darzustellen und wiederkehrende Wirtschaftskrisen wahrheitswidrig der scheinbar ungezügelten Marktwirtschaft anzulasten.

Am deutlichsten tritt die gesellschaftliche Relevanz jedoch in der sogenannten „Umweltforschung“ zutage, die anthropogenes Kohlendioxid zum vermeintlichen „Klimakiller“ erklärt, weshalb nur die Einführung einer globalen Planwirtschaft den klimakatastrophalen Weltuntergang noch verhindern könne.

Selbst die Biologie ist nicht davor gefeit, zum Opfer marxistischer Verdrehungen zu werden, wie am historischen Beispiel des sogenannten „Lyssenkoismus“ deutlich wird.

Landwirtschaft nach marxistischen Dogmen

Mit demselben Fanatismus, mit dem die Stalinisten versucht hatten, in der Sowjetunion die kommunistische Gesellschaftsordnung zu verwirklichen, wurden auch die Naturwissenschaften dem Diktat des „Dialektischen Materialismus“ unterworfen, was damals zum Aufstieg des „Agrarwissenschaftlers“ Trofim Lyssenko führte, dessen Theorien der sowjetischen Biologie jahrzehntelang erheblichen Schaden zufügten.

Als die Kollektivierung der Landwirtschaft in der Sowjetunion während der 1930er Jahre zu erheblichen Ernteausfällen führte, schlug Lyssenko alternative Methoden des Getreideanbaus vor, in denen führende Vertreter des sowjetischen Regimes den Beginn einer „landwirtschaftlichen Revolution“ zu erkennen glaubten, denn Lyssenkos Theorien stimmten mit den Dogmen des „Dialektischen Materialismus“ überein.

So behauptete Lyssenko etwa, dass die Eigenschaften von Kulturpflanzen nicht durch Gene, sondern durch Umweltbedingungen bestimmt würden, was mit dem zentralen marxistischen Dogma übereinstimmt, dass erbliche Faktoren für die menschliche Entwicklung unerheblich seien und nur gesellschaftliche Einflüsse zählten.

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Lyssenko: Aus Weizensamen könnten Roggenpflanzen werden

Lyssenko ging sogar so weit, zu behaupten, dass man durch geeignete Kulturbedingungen verschiedene Getreidesorten ineinander umwandeln könne, sodass zum Beispiel aus Weizensamen Roggenpflanzen hervorgehen würden.

Da Lyssenko zudem einer Bauernfamilie entstammte, was ihn in den Augen des Regimes zu einem Vertreter des Proletariats machte, das nach der Oktoberrevolution die herrschende Schicht darstellen sollte, und er noch dazu ein begeisterter Anhänger Stalins und des Marxismus-Leninismus war, erfüllte er die erforderlichen Bedingungen, um im sowjetischen System Karriere zu machen.

Tatsächlich wurde Lyssenko nicht aufgrund fachlicher Kompetenz oder nachgewiesener Erfolge, sondern nur weil er die ideologischen Voraussetzungen erfüllte, von der sowjetischen Propaganda protegiert, die ihn als Genie darstellte und die praktischen Misserfolge seiner Theorien vertuschte.

Denn in Wirklichkeit führten Lyssenkos Anweisungen zum Getreideanbau in der ohnehin ineffektiven Kollektivlandwirtschaft zu weiteren Ernteeinbussen, wodurch die bereits schlechte Ernährungslage der sowjetischen Bevölkerung weiter verschärft wurde. Doch anstatt einzugestehen, dass die falschen Theorien Lyssenkos die Situation noch verschlechterten, wurden die Ernteeinbussen angeblichen Saboteuren zugeschrieben, denen man unterstellte, den Aufbau des Sozialismus behindern zu wollen.

Während die sowjetische Propaganda Lyssenkos Kritiker als „bürgerliche Abweichler“ und „Faschisten“ diffamierte, wurde er trotz seiner unwissenschaftlichen Arbeit und seiner praktischen Misserfolge zum Präsidenten der Lenin-Akademie für Agrarwissenschaften hochgelobt und sogar zu Stalins persönlichem Landwirtschaftsberater ernannt.

Die Kampagne gegen Lyssenkos Kritiker ging so weit, dass zahlreiche Genetiker politisch verfolgt und in Straflager deportiert oder sogar ermordet wurden. Zum Beispiel starb der Botaniker Nikolai Wawilow, der einige Jahre vor Lyssenko das Präsidentenamt der Lenin-Akademie für Agrarwissenschaften innegehabt hatte, im Jahr 1943 im Gefängnis.

Im Jahr 1948 gab die Lenin-Akademie für Agrarwissenschaften schliesslich bekannt, dass der Lyssenkoismus zukünftig als „die einzig korrekte Theorie“ gelehrt werden würde, während man die wissenschaftliche Forschung auf dem Gebiet der Genetik zur „bürgerlichen Pseudowissenschaft“ erklärte.

Inzwischen wird mit dem Begriff „Lyssenkoismus“ die Förderung pseudowissenschaftlicher Theorien und die Behinderung der freien Forschung durch eine ideologisch voreingenommene Politik bezeichnet.

Somit ist die fächerübergreifende Durchsetzung der „gesellschaftsrelevanten Wissenschaft“ im Gefolge der 68er-Revolte de facto nichts anderes als eine neue Form des „Lyssenkoismus“. ™

 

Der Artikel erschien zuerst in der Express-Zeitung Ausgabe 11, Oktober 2017. Jetzt abonnieren:

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Hintergrund: Holodomor – die Große Hungersnot in den 30er Jahren in der Sowjetunion

Als Holodomor (Übersetzung: Tötung durch Hunger) wird eine schwere, menschengemachte Hungersnot in der Ukraine in den Jahren 1932 und 1933 bezeichnet. Dieser fielen je nach Berechnung 3,5 bis 14,5 Millionen Menschen zum Opfer, schreibt Wikipedia. Es wird darüber diskutiert, ob die Hungersnot vorsätzlich durch die Politik Stalins verursacht wurde, um den Widerstand der Ukrainer zu brechen. Alternativ wird gesagt, dass die Ursachen in erster Linie in wetterbedingten Missernten und der Zwangskollektivierung zu finden sind.

Wikipedia schreibt: „Der Holodomor begann mit einer schweren Dürre im Winter und Frühjahr 1931/1932 und dauerte bis Juli 1933. Trotz des Hungers der Landbevölkerung erhöhten die Parteikader die Abgabenquote auf 44 Prozent. Während im Jahr 1931 noch 7,2 Millionen Tonnen Getreide in der Ukraine requiriert wurden, sank dieser Wert trotzdem auf 4,3 Millionen Tonnen im Jahr 1932. Das Getreide wurde größtenteils zur Devisenbeschaffung am Weltmarkt verkauft. Die Einnahmen wurden zur Industrialisierung der sowjetischen Wirtschaft benötigt (Oleksa Eliseyovich Zasenko: Ukraine Encyclopædia Britannica, 2015).“

Und weiter: „Bolschewistische Brigaden suchten nach versteckten Lebensmitteln. Dörfer wurden systematisch ausgeplündert. Viele Bauern verloren ihren gesamten Besitz und endeten als Bettler in den Städten. In der Bevölkerung kam es zu Kannibalismus (Robert W. Davies, Stephen G. Wheatcroft: The Years of Hunger: Soviet Agriculture 1931–1933, Raphael Lemkin: Soviet Genocide in the Ukrain, The New York Public Library, 1953 und Ukraine’s enduring Holodomor horror, when millions starved in the 1930s, euronews.com, 22. November 2013).“

Die Hungerkatastrophe wurde in der Sowjetunion lange Zeit vollständig verschwiegen.

Gunnar Heinsohn, ein deutscher Soziologe stellte fest, dass in den Gebieten wie der Ukraine, Kasachstan und einigen Kaukasusregionen, in denen es starken Widerstand gegen die Zwangskollektivierung durch die Kommunisten gab, der Widerstand durch die Hungersnot gebrochen werden sollte.

Die kommunistische Partei unterband die Versorgung der Hungernden und eine Ausreise aus den Hungergebieten, schreibt Wikipedia (Gunnar Heinsohn: Lexikon der Völkermorde, rororo-aktuell 22338. Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, Reinbek bei Hamburg).

(ks)