Stress für den Körper: Bei der Zeitumstellung zur Sommerzeit kriegen viele Menschen morgens die Augen nicht richtig auf ...Foto: PATRIK STOLLARZ / AFP / Getty Images

Zeitumstellung zur Sommerzeit bringt Stress und Schlafmangel

Epoch Times5. März 2015 Aktualisiert: 5. März 2015 18:56

Zeitumstellung 2015: Die Sommerzeit beginnt diesen Frühling in der Nacht vom 28. auf den 29. März. Dann werden die Uhren von 2.00 Uhr auf 3.00 Uhr vorgestellt und die von der Politik verordnete „Sommerzeit“ beginnt. Wie immer wird es viele Menschen geben, für die die Zeitumstellung eine Extra-Belastung ist – seelisch wie körperlich. Entweder weil sie selbst sehr sensibel sind und / oder Kinder haben. Aber warum ist das so?

Der Erlanger Arzt Hubertus Hilgers hat dafür eine überraschende Antwort: All jenen, die denken, dass nur SIE ein Problem mit der Zeitumstellung haben, sagt er: „Ihr seid NORMAL!“ Denn die Sommerzeitverordnung und die Zeitumstellung sind aus seiner Sicht das eigentliche Problem, weil sie dem menschlichen Organismus einen unnatürlichen Rhythmus aufzwingt.

Der menschliche Körper hat ein feines Taktgefühl

Alle Lebewesen verfügen über so genannte innere Uhren, die die Körperfunktionen rhythmisch steuern. Dieser genetisch vorgegebene Mechanismus synchronisiert sich dabei mit der Umwelt – das Sonnenlicht ist der wichtigste „Zeitgeber“. Innere Uhren haben einen “vorausschauenden” Charakter, das heißt der Organismus “weiß” bereits nachts, was am nächsten Morgen mit seinen Körperfunktionen passieren wird.

Damit kommt den Inneren Uhren eine ganz wesentliche Rolle für eine der äußeren Umwelt angepasste zeitliche Strukturierung der Körperfunktionen zu: Sie helfen allen Lebewesen, sich besser an die Umwelt anzupassen – und damit, besser zu überleben.

Alle Stoffwechselvorgänge im Körper sind also aufeinander abgestimmt und genau getaktet.

Kommt es nun zu einer Zeitverschiebung im Außen durch einen Wechsel der Normalzeit in die Sommerzeit, gerät unser soeben geschilderter Biorhythmus ganz empfindlich aus dem Tritt.

Wie die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Current Biologyberichten, unterbricht die Zeitumstellung abrupt die Anpassung der inneren Uhr an die jahreszeitlich bedingte Varianz des Tag-Nacht-Wechsels und erlaubt ihr im Herbst erst viel zu spät diese wieder aufzunehmen.

Die biologische Uhr lässt sich nicht umstellen

Da die Inneren Uhren biologische Nervenstrukturen sind, lassen sie sich nicht umstellen wie eine Armbanduhr.erläutert  Professor Dr. med. Dr. h.c. Björn Lemmer, Direktor des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie an der Fakultät für Klinische Medizin Mannheim.

Unsere innere Uhr gerät durch diese Umstellung im Außen unmittelbar aus dem Rhythmus und dem Gleichgewicht, und mit ihr unsere einzelnen Organzyklen.

Wie die Zeitumstellung den Schlafrythmus durcheinander bringt

Zu allererst zu merken sind die negativen Auswirkungen der Zeitumstellung für alle von uns im Bezug auf unseren Schlaf-Wach-Rhythmus. Bei der Umstellung im Frühjahr von der normalen Zeit auf die Sommerzeit wird die Uhr um eine Stunde vorgestellt. Das bedeutet: Stehen wir normalerweise am Morgen um sieben Uhr auf, ist jetzt es eigentlich erst sechs Uhr. Die Ausschüttung des Melatonin hat sich noch nicht umgestellt. Der Glukokortikoidspiegel ist noch niedrig. Unser Blutdruck und unsere Pulsfrequenz sind noch im Dunkel-Rhythmus. Uns fehlt die eine Stunde Schlaf. Wir sind müde, unkonzentriert und fühlen uns schlapp. Abends dagegen fühlen wir uns fit, obwohl es 23 Uhr ist und wir normalerweise um diese Zeit schlafen gehen. Aber unsere innere Uhr weiß genau: Es ist erst 22 Uhr.

Forscher wunderten sich über die starken Auswirkungen

Doch die geschilderten Schlafstörungen bilden nur eine der vielzähligen Folgeerscheinungen. Till Rönneberg, ein Dr. med. und Professor am Institut für Medizinische Psychologie der LMU München, berichtet in seiner Chronobiologen-Studie von weiteren gesundheitlichen Auffälligkeiten im Zusammenhang mit der Zeitumstellung, wie zum Beispiel ein deutlicher Anstieg an depressiven Verstimmungen, Schwankungen der Herzfrequenz, Konzentrationsschwäche, Gereiztheit, Appetitlosigkeit und Verdauungsproblemen.

Das Argument, bei der Zeitumstellung handle es sich ‚nur’ um eine Stunde, trügt, so Rönneberg. „Wir waren selbst überrascht, wie stark die Effekte sind. Es ist durchaus denkbar, daß die Zeitumstellung langfristig weit größere Auswirkungen hat als bisher geglaubt.“

Herausgefunden wurde unter anderem, daß sich die innere Uhr mit Hilfe des Tageslichts an den 24-Stunden-Rhythmus der Umwelt anpaßt und dieses so genannte Entrainment außerordentlich exakt läuft. Besonders wichtig ist dabei die Dämmerung, also der Wechsel von Tag und Nacht. Unser Schlafverhalten paßt sich sogar dem zeitlichen Fortgang der Dämmerung von Osten nach Westen innerhalb einer Zeitzone an.

Die innere Uhr paßt sich auch genau an die saisonalen Veränderungen der Morgendämmerung an, berichtet Roenneberg. „Im Winter ist sie auf spät, im Sommer auf früh gestellt. Diese minutiöse Anpassung wird jedoch durch die Zeitumstellung empfindlich gestört.

Ferner gilt es zu bedenken: Ganz generell darf man auch kleine Veränderungen in einem biologischen System nicht unterschätzen. Sie scheinen aus menschlicher Sicht trivial und haben dennoch – in größerem Zusammenhang gesehen – dramatische Auswirkungen.

Nach der Zeitumstellung sind die Arztpraxen voll …

Auch in unserer Praxis klagen die Patienten nach der Zeitumstellung vermehrt über Symptome wie Müdigkeit, Leistungsschwäche, eine erhöhte Infektanfälligkeit und eine allgemeine Antriebsschwäche.
Speziell bei unseren weiblichen Patienten, die keine hormonellen Kontrazeptiva einnehmen, setzt durch die zweimalige Uhrzeitverschiebung bedingt die nächsten Folgemonate die
Menstruation bis zu zehn Tage später ein. Diese Zyklusverschiebung kann bis zu drei Monaten andauern. Des weiteren tritt bei sehr vielen Frauen die Menopause früher ein.

Statistiken aus anderen medizinischen Quellen belegen, daß durch die Zeitumstellung zwischen 8 1/2 und 12 Prozent mehr Menschen einen Arzt aufsuchen, wobei die Anpassung an die Sommerzeit besonders schwierig ist. Die Einnahme von Schlafmitteln und Antidepressiva steigt in dieser Zeit deutlich an. Aufgrund von chronischer Müdigkeit steigt in den Wochen nach der Zeitumstellung die Unfallhäufigkeit im Straßenverkehr, am Arbeitsplatz sowie im privaten Bereich. Eine schwedische Studie sowie Krankenhausdaten der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) belegen den Zusammenhang zwischen der Umstellung von der Normalzeit auf die Sommerzeit und einem 25% erhöhten Herzinfarkt-Risiko.

Auch Hubertus Hilgers sammelt als Arzt ständig neue Erfahrungen mit „Patienten“ die gar nicht krank, sondern einfach nur durch die Zeitumstellung gestresst sind. Dies machte ihn zu einem der aktivsten Gegner der Sommerzeitverordnung. (rf)

Quelle: www.zeitumstellung-abschaffen.de


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