Porsche Blitzeiskurs in Finnland.
Porsche Blitzeiskurs in Finnland.
Foto: Andreas Burkert drive&style

Porsche eiskalt in Finnland

Fahren auf Blitzeis – drei Tage im Porsche Ice-Force-Trainingscamp

von Andreas Burkert / Gastautor, Mittwoch, 30. Januar 2013 12:28

 

Porsche lässt auf einem zugefrorener See im finnischen Ivalo seine PS-stärksten Modelle kreuz und quer übers Eis driften. Damit sollen Kunden ihr Fahrzeug mit all seinen Charakterzügen kennenlernen. Wir haben den zweithärtesten Kurs im Ice-Force-Trainingscamp der Porsche Sport Driving School mitgemacht. Natürlich ohne elektronische Stabilisierungshilfe, die mussten wir ausschalten.

Am Anfang der vorletzten Januarwoche, als sich in Deutschland fast bundesweit Blitzeis auf die Straßen legte, fiel innerhalb weniger Minuten die Haftzahl der Reifen auf dem vereisten Asphalt um ein Fünftel. Wer bremst, verliert und rutscht unkontrolliert davon. In solch einer Situation ist das Fahrzeug nicht mehr zu beherrschen. Wer Glück hat, streift eine Schneewehe. Wer klug ist, der meidet das Fahren auf einer spiegelglatten Straße. Diesen Tipp gebe ich jedes Jahr. Umso mehr wundern sich meine Bekannten, als ich ihnen erzähle, dass ich für drei Tage ins finnische Ivalo fahre, dorthin, wo ein zugefrorener See gewissenhaft präpariert wurde, um möglichst glatt zu sein. So glatt, dass schon das Laufen darauf kaum möglich ist.

Und dort werde ich für drei Tage die PS-stärksten Modelle von Porsche übers Eis heizen. Nicht nur, weil es ein unbeschreibliches Erlebnis ist, bei mehr als 70 Kilometer pro Stunde die Kontrolle über den Wagen zu verlieren, sich wie im Twister unzählbar oft um die eigene Achse zu drehen, um dann nach mehreren Metern vom Schnee gestoppt zu werden. Vor allem will ich lernen, wie ich in kritischen Situationen das Fahrzeug sicher manövriere. Und vielleicht gelingt es gar, auf gefrorenem Eis fahrstabil heikle Situationen zu meistern, ohne sich auf die serienmäßig eingebauten Regelsysteme wie PSM und Traktionskontrolle zu verlassen. Die müssen ausgeschaltet werden, fordert Patrick Hünninger. Der Mittdreißiger ist für Porsche als Chefinstrukteur vor Ort und wird uns in den kommenden zwei Tagen über die Piste scheuchen. Aus einem etwa 20-köpfigen Team, die sich um alle Belange der Teilnehmer kümmern, hat er uns zwei erfahrene Rennfahrer zur Seite gestellt.

Das perfekte Driften

So lerne ich in der Einöde, die den rund zehn Kilometer langen See umgibt, den sensiblen Umgang mit Gas und Bremse. Die unterschiedlich langen präparierten Rundkurse bieten dazu genügend Gemeinheiten, die Wirkung der elektronischen Kraftverteilung auf Vorder- und Hinterachse zu erleben. Fehler, die jeder unweigerlich während des Fahrtrainings macht, analysiert Hünninger messerscharf, teilt sie mit und schickt einen dann gleich wieder auf den See. Darauf hat in diesem Jahr übrigens Herman Thielke einige der bekanntesten Rennstrecken in kleinerem Maßstab in den Schnee modelliert - inklusive mehrerer Kreisbahnen, die ideal für das Driften geeignet sind. Und dies üben wir an allen Tagen bis zum Limit.

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