Yin und Yang- ein Leben im Gleichgewicht

Von 11. Oktober 2019 Aktualisiert: 11. Oktober 2019 13:27
Yin und Yang gelten in der traditionellen chinesischen Kultur als die Grundlage von allem und als essenzieller Faktor für ein gesundes Wohlbefinden in allen Aspekten des Lebens. In der modernden, westlichen Kultur geraten die Dinge jedoch oftmals aus dem Gleichgewicht. Die Konsequenzen lassen dann meist nicht lange auf sich warten.

Das daoistische Konzept von Yin und Yang ist eine unverzichtbare Grundlage der traditionellen chinesischen Kultur, Philosophie und Denkweise. Im alten China war es Teil der Wissenschaft und umfasste alles- von der Gesundheit des menschlichen Körpers bis hin zur erfolgreichen Führung eines Staates.

Die Lehre von Yin und Yang ist um einige Jahrhunderte älter als die empirischen Wissenschaften. Sie umfasst tiefgreifende Erkenntnisse über den menschlichen Körper, Energie und Materie. Auch in der modernen, westliche Kultur zeigt sich das Prinzip öfter als sie sich dessen bewusst sind.

Überall im Alltag spiegelt sich das kosmischen Gleichgewicht wider: Vom Binärsystem in Computern und anderen technischen Geräten über den Metabolismus des menschlichen Körpers bis hin zu natürlichen homöostatischen Zuständen, wie Schlaf-Wach Rhythmus, dem Effekt der Oberflächenspannung oder die Erhaltung der Körpertemperatur.

Jedoch unterscheidet sich das Grundverständnis der unterschiedlichen Kulturen vollkommen.

Einer der Hauptunterschiede ist, dass in der westlichen Physik die Dualität der Materie als direkte Gegensätze behandelt werden. Ein Beispiel dafür ist die positive und negative Ladung von Teilchen, die sich abstoßen. In der chinesischen Kultur sind diese beiden Faktoren jedoch zusammenhängend und ergänzen einander zu einem vollständigen Ganzen.

Das Konzept des Gleichgewichts

Das Verständnis des vollständigen Ganzen ist essenziell für die traditionelle chinesische Medizin. Der mehrteilige „Kanon des Gelben Kaisers über die Innere Medizin“ (206 v-Chr.- 220 n. Chr.) ist das älteste bekannte Buch über traditionelle chinesische Medizin.

Darin wurden Yin und Yang als „grundlegendes Prinzip des Universums, die Ursache für jede Veränderung, die Wurzel von Entstehen und Verderben und der Seele“ verstanden. Bei der Behandlung von Krankheiten müsse man nur die Ursache der Veränderung finden und verstehen. All dies spiegle sich in Yin und Yang wider.

Dieses Equilibrium ist der Schlüssel für Glück, Gesundheit und Wohlbefinden. Als ganzheitliches System gilt dies auf der mikroskopischen Ebene des menschlichen Körpers ebenso wie in der Gesellschaft.

Yin und Yang im Alltag

Viele Menschen haben im Alltag ein Gefühl von Unausgeglichenheit. Ein typischer Fall bei der Arbeit: Kürzlich beschwerte sich ein Kollege über die viele liegen gebliebene und schlecht erledigte Arbeit. Er sagte, es gäbe „zu viele Chefs und zu wenig Arbeiter“.

Wenn zu viele Leute Anweisungen geben und zu wenige bereit sind die Anweisungen auszuführen, bricht das System zusammen. Anweisungen respektvoll auszuführen wird im Westen oft als Unterwürfigkeit angesehen und hat einen schlechten Ruf. In der traditionellen chinesischen Kultur wurde dies in einem anderen Licht betrachtet. Ein funktionierendes Team ist wie ein Körper. Man muss sich ergänzen und als eine Gesamtheit agieren, um Erfolg zu haben. Gerät dieses Verhältnis aus dem Gleichgewicht, führt dies zu einem schlechten Miteinander, einem geschwächten Team und im Endeffekt zu einer schlechten Arbeitsleistung.

Das Konzept des Gleichgewichts sollte laut der traditionellen chinesischen Sichtweise in allen Taten und Gedanken des alltäglichen Lebens verankert sein.

Yin und Yang in der Medizin

Jedes Phänomen wird laut der Yin und Yang Lehre in zwei unterschiedliche Teile unterteilt. Kein Teil kann ohne den anderen existieren. Dadurch ergibt sich seine Gesamtheit.

Manifestationen von Yin und Yang sind zum Beispiel Licht und Dunkelheit, Feuer und Wasser, Arbeit und Ruhe, Führen und Folgen, Hinfallen und Aufstehen. Wenn Yin und Yang aus dem Gleichgewicht geraten, lassen Probleme meist nicht lange auf sich warten.

Ein klassisches Beispiel aus der traditionellen chinesischen Medizin: Wenn es Yang im Überschuss gibt, wird Hitze produziert. Dies zeigt sich als Fieber. Um das Fieber zu heilen, wird durch Wandlung des Lebensstils und kühlende Kräuter Yang abgeschwächt. Kommen Yin und Yang wieder ins Gleichgewicht, ist das Fieber verschwunden.

Die westliche Medizin betrachtet Fieber als Antwort des Immunsystems. Der Körper löst über den Arachidonsäure-Stoffwechsel verschiedene Entzündungsreaktionen aus um Krankheitserreger zu bekämpfen. Unterdrückt man das Fieber mit Medikamenten, führt dies zu Schwächungen des Immunsystems und Störung des menschlichen Mikrobioms. Das Ziel ist also den Körper zu kühlen ohne dabei Immunsystem oder Mikrobiom anzugreifen.

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Natürlich gibt es manche schwerwiegenden Fälle mit sehr hohem Fieber wo schnell wirksame Medikamente zum Einsatz kommen. Aber auch hier sollte auf eine gesunde Balance geachtet werden, vor allem im Hinblick auf erwünschte Wirkung und unerwünschte Nebenwirkungen.

Das System von Yin und Yang in der traditionellen chinesischen Kultur beinhaltet nicht nur Krankheitsbeseitigung und Gesundheitserhaltung, sondern auch das Verständnis, alles im Leben ins Gleichgewicht zu bringen. Man muss arbeiten, aber sich auch entspannen, anderen helfen, aber sich auch um sich selbst kümmern. Dinge werden für den täglichen Gebrauch hergestellt, aber dadurch werden auch andere Dinge zerstört.

Das Leben ist ein Gleichgewicht all dieser Kräfte. Wenn dieses Konzept vergessen wird, lassen die Konsequenzen des Ungleichgewichtes nicht lange auf sich warten.

Über die Autorin: Christina Xu schloss ihren Bachelor an der University of Chinese Medicine in Peking ab. Sie lebt zurzeit in Australien und möchte die traditionellen chinesischen Medizin der westlichen Kultur näher bringen. Mehr dazu auf: PreserveHealth.com.au

Originalartikel in englisch: Yin and Yang—A Harmonious Balance Essential to Health