„Scorpio“, Christian Strasser und das erwachende Bewusstsein

Von 5. Oktober 2011 Aktualisiert: 7. August 2018 23:51
„Im Jahr 2003 hörte das große Verlegerleben auf“, sagt Christian Strasser über sich selbst, aber 2009 startete er mit dem Scorpio Verlag erneut in unbekannte Gewässer.

Als gefeierter Erfolgsverleger, der jahrzehntelang mit Bestsellern und Verlagen sowohl bei „Time Life“ in den USA, als auch bei der Verlagsgruppe Ullstein-Heyne-List jonglierte, als Topmanager, der das Leben von Wirtschaftsbossen, Politikern und Medienmanagern aus nächster Nähe beobachten konnte, hat Christian Strasser an einem entscheidenden Punkt in seinem Leben den Mut und die Fähigkeit zum Umdenken bewiesen.

Epoch Times: Herr Strasser, warum gibt es den Scorpio Verlag?

Christian Strasser: Eigentlich hatte ich vor drei Jahren die Absicht, mich zurückzuziehen, zu forschen, zu schreiben, mich zu entwickeln, als plötzlich Lehman Brothers krachte und die Welt in den Abgrund blickte. Ich spürte, dass die Welt sich veränderte, dass plötzlich alles anders wurde, dass kein Stein auf dem anderen bleiben wird, dass eine Welt zu Ende geht und eine neue entstehen wird und dass dieses das äußere Zeichen ist, dass die Menschheit nicht so weitermachen kann wie bisher auf diesem Planeten.

Und dann sagte eine innere Stimme: Rückzug ist nicht angesagt, nicht umsonst hast du so viele Jahre Erfahrung mit dem Verlegen von Büchern gehabt, jetzt bist du aufgerufen, diesen Prozess der Transformation, des Umdenkens, des Erwachens des Bewusstseins aktiv zu begleiten.

Epoch Times: Der Weg vom „Global Player zum spirituellen Freigeist“ ist aber sicher schon vorher entstanden?

Strasser: Ich habe erlebt, wie börsennotierte Medienunternehmen funktionieren; ich habe erlebt, was es heißt, permanent Umsatz und Gewinn zu steigern, was es mit den Menschen macht, wie die dabei krank werden, wie die Familien dabei zerstört werden, wie die Kinder ihre Eltern nicht mehr wiedererkennen durch diesen Wahnsinnsstress. Und ich habe – nach den zwölf Jahren bei Time Life in den USA – in Deutschland auch erlebt, wie schwer es ein Einzelner hat, gegen große Konzernstrukturen anzutreten.

Die ganze Welt, unser ganzes westliches System, ist darauf ausgerichtet, wirtschaftlich erfolgreich zu sein, sprich, als Verleger mainstreamtaugliche Themen und Bücher zu machen, die man gut verkauft und die gut und leicht verkonsumiert werden. Das kritische Nachdenken und das kritische Bewusstsein bleiben dabei sehr oft auf der Strecke. Das habe ich alles erlebt, und zwar bis zum Exzess erlebt. Aber ich wollte es noch einmal wissen, ob ein Privatverleger mit einer Botschaft, der sich auch dazu berufen fühlt, in dieser Welt noch seinen Platz findet. Und ich kann jetzt nach gut zwei Jahren sagen, ja, es gibt diesen Platz noch.

Epoch Times: Es ist ja sehr ungewöhnlich, dass ein seriöser Verleger ein eigenes Buch in seinem Verlag herausbringt, Sie haben es trotzdem gewagt mit dem Buch „Das Erwachen des Bewusstseins“. Was war der Antrieb dafür?

Strasser: Ja, das ist eigentlich eine Todsünde, Verleger sollten keine Bücher schreiben, es sei denn, sie gehen in Pension. Aber es war mir ein inneres Bedürfnis, dieses Buch zu schreiben, sozusagen auch als Manifest für meine Verlagsarbeit und für alle Autoren, die damit zu tun haben und die ich verlege, warum ich das mache und warum es so wichtig ist, dieses Umdenken, dieses Entwickeln eines anderen Bewusstseins und dieses ganzheitliche Denken.

Epoch Times: Wer hat reagiert auf dieses Buch? Freunde, ehemalige Kollegen?

Strasser: Nein, die haben überhaupt nicht reagiert, auch die deutsche Presse hat das Buch in keiner einzigen Zeitung oder Zeitschrift besprochen. Aber es reagieren querbeet Menschen, die ich überhaupt nicht kannte, alle Altersgruppen, gerade auch viele junge Leute, teilweise enthusiastisch, das geht vom „Kultbuch des 21. Jahrhunderts“ bis zu „das wichtigste Buch, das ich je gelesen habe“, alles wache, intelligente Menschen. Sie sagen, wenn wir so weitermachen, dass der Sinn des Lebens das Konsumieren ist, und dass wir alle Teil einer großen Entertainmentgesellschaft werden, das kann nicht der Sinn des Lebens sein und das kann auch nicht glücklich machen und auch nicht zufrieden und auch nicht gesund.

Epoch Times: Sie bedanken sich am Schluss Ihres Buches für die Schwierigkeiten in Ihrem Leben, geht es nicht ohne?

Strasser: Das ist eine sehr interessante Frage. Ich kann die nur sehr subjektiv aus meiner Sicht und zaghaft beantworten. Wäre ich in ein gemachtes Nest hineingeboren worden und hätte ich all das gehabt, was man sich als Mensch so wünscht, ein liebevolle Elternhaus, pekuniäre Sicherheit, beste Ausbildung und einen Platz in einer größeren sozialen Gemeinschaft, dann weiß ich nicht, ob ich diesen Weg hätte gehen können. Mein Weg war voller Trennungen, Brüche und Verluste, das kommt daher, dass wir Vertriebene sind. Meine Familie kommt aus Danzig und ich bin im August 1945 auf die Welt gekommen in einer Zeit, als die Welt ganz anders aussah. Meine Familie hat damals alles verloren, wirklich alles, und das Thema dieses Verlustes und der Flucht war, solange ich denken kann, ein Thema bei uns zu Hause, täglich.

Epoch Times: Stehen wir als Menschheit jetzt vor ganz besonders großen Schwierigkeiten?

Strasser: Die Systeme und Methoden, die unsere westliche Zivilisation bisher zusammenhielten, sind in ihrer Zerreißprobe. Eine Zerreißprobe sind die Fragen der Finanzindustrie insgesamt, soll diese wieder zurückgeführt werden auf den Stand einer Dienstleistungsbranche oder auch nicht?

Dann die Fragen der Ernährung. Ein Großteil der Ernährung wird ja mittlerweile künstlich hergestellt. Große internationale Konzerne kaufen das Ackerland auf der Welt auf, um dort zu produzieren, aber die lokalen Bauern haben keine Chancen mehr, für ihr Leben und ihre Familien zu sorgen. Die Ressourcen von Öl und Wasser werden knapp, wie geht man damit um? Das ist alles rational nur schwer zu lösen – das ist nur durch ein anderes Bewusstsein zu lösen.

Epoch Times: Ich möchte noch den Ausdruck „westliches System“ hinterfragen, dagegen gibt es ja kein östliches System, das westliche hat die ganze Welt infiziert.

Strasser: Ich meinte damit eigentlich die christlich-abendländische Gesellschaft. Es stimmt, unser angelsächsisch geprägtes politisches und wirtschaftliches System mit seinem Kapitalismus und seiner Werteskala hat natürlich die anderen Länder längst erreicht und alle wollen am Luxus teilhaben, wollen Autos und ein schönes Haus. Wenn man auf das Leben etwa in Südostasien schaut, wo viele alte Kulturen mittlerweile in perverse Situationen geraten sind, kann man sehen, was ich meine. Indien ist ein solches Beispiel. China ist das allerperverseste, aber auch Südamerika.

Zu einer Zeit, wo sich bei uns in Mitteleuropa eine neue Sichtweise ergibt, die sich wieder nach alten Werten sehnt, entfernen sich im gleichen Tempo die Länder der Dritten Welt oder die Länder am Rande von ihren alten Werten und verschreiben ihre Seelen dem Mammon, dem Profit; das ist die Entwicklung, die jetzt stattfindet.

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Epoch Times: In Ihrem Buch erhält man leicht den Eindruck, dass man durch Meditation den Schwierigkeiten entkommen kann?

Strasser: Das weiß ich nicht, ich mache das seit zwanzig Jahren. Meditation hat den Zweck, dass das Denken zur Ruhe kommt und in diesem Zustand fühlt man einfach anders und spürt anders, man hinterfragt Dinge, das eigene Leben und sich selbst, die Beziehungen, wie man lebt, was der Sinn des Lebens ist. Das hat Raum, sich zu entfalten, wenn die anderen Gedanken über Erfolg in der Welt und das eigene Durchsetzen mal zur Ruhe gekommen sind.

Epoch Times: Kommen die Autoren auf Sie zu, gehen Sie auf die Suche?

Strasser: Seit ich vor zwei Jahren noch einmal angefangen habe mit dem Verlagsgeschäft, muss ich nicht viel suchen, ich bekomme zahlreiche Manuskripte, Anregungen und Ideen zugeschickt. Es ist ein völlig neues Netzwerk entstanden, durchaus auch wieder international. Ich versuche wach zu bleiben.

Das große Thema, das in vielen Büchern meines Verlages zu sehen ist, ist die Verbindung von Wissenschaft und Spiritualität. Gerade durch die Revolution der Quantenphysik ist das sicher das große Thema der nächsten Zeit, die Verbindung von Geist und Materie.

Ich versuche besonders, diese neue Art zu denken, in die Realität zu bringen, in die Politik, in die Wirtschaft, ohne irgendjemand zu diffamieren oder einseitig zu kritisieren. Nichts liegt mir ferner, im Gegenteil, ich habe Respekt vor unseren Politikern und Unternehmensführern, die alle das Beste tun, was sie glauben tun zu können aufgrund ihres derzeitigen Bewusstseins. Ich bin überzeugt, dass sich unsere Eliten in Wirtschaft und Politik im Laufe der nächsten Jahrzehnte geistig wandeln werden müssen und auch wandeln werden, ohne deshalb den Verstand an der Garderobe abzugeben. Das ist meine These und das ist das, wofür ich arbeite.

Epoch Times: Ihr Verlag hat eine eigene Bestsellerliste, ist die intern?

Strasser: Es ist eine interne Liste, denn die Bücher, die ich mache, wurden bisher von den Mainstreammedien ignoriert. Das wird sich jetzt ändern, weil in vierzehn Tagen ein Buch in meinem Verlag erscheinen wird, das ich als eins der wichtigsten und bedeutendsten ansehe, die ich je verlegt habe; und ich habe viele Tausend verlegt. Das ist das Buch von Gabriele Baring, „Die geheime Angst der Deutschen“. In diesem Buch ist alles enthalten, was ich gerade versuche zu schildern. Es ist die Wissenschaft enthalten und der Verstand und die Vernunft und die Klarheit der Analyse und der Ratio genauso wie ein ganzheitlich spirituelles Bewusstsein, vernetztes Denken und ein Denken, das Menschen eine Seele zubilligt und diese ganzen Aspekte vereint. Ein großartiges und wichtiges Buch und ich hoffe, mit diesem Buch auch ein erstes Mal auf der Spiegel-Bestsellerliste zu landen.

Epoch Times: Was kommt 2012 auf uns zu? Auch in Ihrem Verlag gibt es Bücher zu dem Thema.

Strasser: Das, was angeblich 2012 auf uns zukommt, ist nach meiner Meinung schon längst da. Diese Betonung des Jahres 2012 ist in das Blickfeld gerückt, weil das alte Kulturvolk der Maya, die ein völlig anderes Zeitbewusstsein hatten als wir, nämlich ein zyklisches, für diesen Zeitraum eine neue Zeit vorhergesagt hat. Die Maya haben nie gesagt, dass am 21. Dezember 2012 die Welt untergeht, das ist Hollywoodquatsch.

Epoch Times: Will der Scorpio Verlag das Bewusstsein anheben, ohne dass der Mensch dabei zerschmettert wird, so wie die Fischer im Pazifik früher einem Tsunami entgegenfuhren und dabei auf hoher See sanft angehoben wurden?

Strasser: Das ist ein schönes Bild. Ja, ich denke ich habe damit meine Bestimmung gefunden, ich bemühe mich, diesen Prozess zu begleiten auf sehr achtsame Art und Weise, ohne jemanden zu diffamieren oder auszugrenzen oder unfair zu kritisieren. Im Gegenteil, ich möchte die Menschen mit ins Boot holen, ich möchte dahingehend wirken, dass sich das Bewusstsein verändert, dass es sich hebt und dass man die Dinge anders sieht und dass man aus dieser Erkenntnis heraus Entscheidungen fällt, die dem Menschen dienen und die dem Planeten dienen und nicht dem äußeren Reichtum einer kleinen Elite.

Christian Strasser, geboren 1945, prägte mit seiner Arbeit jahrzehntelang die Verlagslandschaft im In- und Ausland: Als „Vice President International“ des Time-Life-Konzerns verantwortete er das weltweite Buchgeschäft. Später gründete er das Verlagshaus Goethestraße und formte als verlegerischer Geschäftsführer die Verlagsgruppe Ullstein-Heyne-List. Seit 2009 veröffentlicht er ausschließlich Bücher im Scorpio Verlag, die sich mit ganzheitlichem Denken, Spiritualität und gesellschaftskritischen Themen beschäftigen.