Katastrophenplan für 1,15 Mill. Menschen: Italien bereitet sich auf Ausbruch von Supervulkan vor

Epoch Times25. September 2019 Aktualisiert: 25. September 2019 16:23
Sowohl der Vesuv im Osten Neapels als auch die "Campi Flegrei" im Westen der Metropole zeigen Zeichen eines bevorstehenden Ausbruchs. Vergangene Woche begann die Informationskampagne in den betroffenen Gebieten.

Bereits im Juni dieses Jahres veröffentlichten italienische Medien, dass es einen Katastrophenplan für den Fall eines erneuten Ausbruchs des Vesuvs sowie der östlich gelegenen „Campi Flegrei“, der Phlegräischen Felder gibt. Seit Mitte September werden die Menschen der 31 betroffenen Gemeinden gezielt über Maßnahmen informiert. Steht ein Ausbruch unmittelbar bevor?

Kurz zuvor haben die Regionalverwaltungen Partnerschaftsverträge unterzeichnet, die im Falle des Ausbruchs die Verteilung von 1,155 Millionen Menschen regelt.

Es ist kein Witz, sondern die ernste Art und Weise, sich auf katastrophale Ereignisse vorzubereiten“, sagte der Präsident des Regionalrates von Kampanien, Vincenzo De Luca. „Die Jungen müssen auswendig wissen, was sie im Notfall tun sollen. Wissen, wohin sie gehen müssen und wie sie es tun sollen. Ein organisatorisches Evakuierungsmodell muss getestet werden.“

Auch Angelo Borrelli, Leiter der Abteilung für Katastrophenschutz, sieht diesen Schritt als „wichtige Leistung“. Die Erstellung der Pläne reicht bis 1984 zurück, seit 2002 werden auch die Phlegräischen Felder, Europas einziger Supervulkan, berücksichtigt.

Ein Ausbruch von Europas einzigem Supervulkan „ist kein Witz“

Während der Vesuv der wohl bekannteste Vulkan Europas ist, sind die Phlegräischen Felder der weitaus gefährlichere. Ähnlich wie der Vulkan unter dem Yellowstone-Nationalpark zählen die wortwörtlich übersetzten „brennenden Felder“ als Supervulkan, dem einzigen dieser Größe in Europa.

Die Felder erstrecken sich über mehrere Hundert Quadratkilometer, teilweise dicht besiedeltes Gebiet, und entstanden vermutlich vor 40.000 Jahren, als die leere Magmakammer des Ignimbrits Campana zusammenbrach.

Historische Untersuchungen ergaben, dass die Phlegräischen Felder mit antiken Städte wie Neapel, Pozzuoli und Cuma mehrfach von lokalen, vulkanisch bedingten Erdbeben betroffen waren. Auch wenn kein Erdbeben derart massive Zerstörung wie in Pompeji verursachte, waren die Schäden gewaltig.

Eine besonders intensive seismische Aktivität wurde ab 1470 dokumentiert, mehrere Jahrzehnte vor dem Ausbruch des Monte Nuovo, dem letzten Ausbruch des Campi Flegrei im Jahr 1538. Zahlreiche Dokumente dieser Zeit belegen zudem eine starke Hebung des Bodens, die ebenfalls Jahrzehnte vor dem Ausbruch begann.

Je näher der Ausbruch rückte, umso schneller hob sich der Boden, zuletzt so schnell, dass es Streitigkeiten über die Zuweisung von Eigentum an neu aus dem Meer entstandenem Land gab, berichtet das Nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV).

Die Zeichen stehen auf Sturm

Seit 1950 begannen die Phlegräischen Felder erneut sich zu heben (ca. 73 cm), was jedoch ohne signifikante Seismizität erfolgte. Zwischen 1968 und 1972 nahm zudem die seismische Aktivität zu und der Boden stieg um weitere 177 cm an. Schäden an Gebäuden wurden bis dahin nicht registriert.

Zehn Jahre später hob sich der Boden mit bis zu 1 cm pro Tag an. Begleitet wurde diese Phase von rund 16.000 Erdbeben. Trotz geringer Intensität, unter 4,0 auf der Richter-Skala, hat die verstärkte seismische Aktivität vor allem im zentralen Teil der Stadt Pozzuoli schwere Schäden an den Häusern verursacht. 1984 wurde die am stärksten von Erdbeben betroffene „Zone A“ der Stadt Pozzuoli evakuiert. Gleichzeitig entstanden Pläne für das „neue Pozzuoli“ sowie die Siedlung Monterusciello. Dies war ebenfalls der Anlass zur Erarbeitung der aktuellen Evakuierungspläne.

Während in den Folgejahren sich der Boden leicht senkte, hebt er sich seit 2002 wieder an. In der zweiten Jahreshälfte 2012 veranlasste eine weitere Zunahme der Seismizität, sowie die geochemischen Veränderungen der Gasemissionen in den hydrothermalen Gebieten von Solfatara und Pisciarelli, das Katastrophenschutzdepartement (DPC), die Änderung der Warnstufe von grün (Basis) auf gelb (Aufmerksamkeit) zu beschließen.

Der Ausbruch steht bevor, morgen oder in 1.000 Jahren

Nach 2013 ist das Auftreten seismischer Ereignisse auf den Phlegräischen Feldern häufiger geworden. Sowohl Erdbeben-Schwärme als auch Einzelereignisse nahmen stark zu.

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Ein weiterer Anstieg des Geländes auf insgesamt 4,8 Meter – zum Vergleich, vor dem Ausbruch 1538 waren es etwa 5 Meter – und die erneute Veränderung der Gasemissionen deuten jüngst auf gesteigerte vulkanische Aktivität hin. Der Kohlenmonoxid-Anteil ist stark gestiegen, was auf eine deutliche Erhöhung der Temperaturen im Inneren und damit auf aufsteigende Magma schließen lässt.

Untersuchungen ergaben, dass die Magmakammer der Campi Flegrei sowohl mit der des Vesuv, als auch mit der des südlich gelegenen Vulkansystems auf der Insel Ischia verbunden ist. An allen Standorten verzeichnet das INGV zunehmend vulkanische Aktivitäten.

Betrachtet man allein die zeitliche Abfolge der Ereignisse im 15. und 16. Jahrhundert ist ein Ausbruch seit einem Jahr überfällig. Dem wird mit den Evakuierungsplänen und einer Katastrophenschutzübung vom 16. bis zum 20. Oktober nun Sorge getragen. Vergleicht man die Phlegräischen Felder jedoch mit dem Yellowstone-Supervulkan, können sich die Italiener beruhigt zurücklehnen. Yellowstone ist mehrere Tausend Jahre überfällig und trotzdem (noch) nicht ausgebrochen. (ts)