Anstieg der COVID-19-Fälle „unabhängig von Impfquote“

Können Corona-Impfungen die Fallzahlen, die Inzidenz senken? Nein, lautet die Antwort eines Harvard-Professors. Wenn überhaupt, zeige sich das Gegenteil: Länder mit hoher Impfquote weisen mehr Fälle auf. Eine ähnliche Tendenz zeigt sich auch in Deutschland und ist höchstwahrscheinlich nicht zufällig entstanden.
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Corona-Impfungen von BioNTech.Foto: THOMAS KIENZLE/AFP via Getty Images
Von 17. Oktober 2021

„Auf Länderebene scheint es keinen erkennbaren Zusammenhang zwischen dem Prozentsatz der vollständig geimpften Bevölkerung und neuen COVID-19-Fällen in den letzten sieben Tagen zu geben“, lautet das Ergebnis einer Untersuchung von Impfquote und Corona-Fallzahlen aus 68 Ländern und fast 3.000 Gemeinden aus den USA.

Laut S. V. Subramanian, Professor für Bevölkerungsgesundheit und Geografie an der Harvard-Universität, und Akhil Kumar aus Kanada deuten die Zahlen sogar eher auf das Gegenteil hin. Israel habe Anfang September die höchsten Corona-Fallzahlen unter allen untersuchten Staaten aufgewiesen, berichten die Autoren im „Europäischen Journal für Epidemiologie“. Auch Island und Portugal verzeichneten trotz Impfquoten über 75 Prozent mehr COVID-19-Fälle als Länder mit Impfquoten um zehn Prozent.

Ein ähnlicher Effekt zeigt sich auch in Deutschland: Bundesländer mit hoher Impfquote hatten und haben nicht automatisch die wenigsten – oder überhaupt weniger – Fälle pro 100.000 Einwohner.

Je höher die Impfquote, desto höher die Inzidenz

Mit der Aussage, „die anhaltende Welle neuer Fälle [sei] auf Gebiete mit niedrigen Impfraten zurückzuführen“, griffen die Forscher unter anderem die Haltung der amerikanischen, britischen und deutschen Regierung auf. Gleichzeitig zeige Israel, „das für seine rasche und hohe Impfquote gelobt wurde, ein[en] erhebliche[n] Anstieg der COVID-19-Fälle“. Auf Grundlage dieses (vermeintlichen) Widerspruchs stellte sich die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen Impfquote und Inzidenz gibt. – Und wenn ja, in welche Richtung er geht.

Ihrer länderübergreifenden Analyse liegen aktuelle Daten aus 68 Staaten und 2.947 US-Countys zugrunde. Erstere stammen von „Our World in Data“ und umfassen Angaben zur zweiten Impfdosis, COVID-19-Fallzahlen und der Bevölkerung. Aus diesen errechneten Prof. Subramanian et al. die 7-Tage-Inzidenz für jedes Land pro Million Einwohner sowie den prozentualen Anteil der vollständig geimpften Bevölkerung.

Für die Daten der USA griff man auf die Gesundheitsdaten des Weißen Hauses zurück. Für alle Bezirke mit vollständigen Angaben folgte die Berechnung von Inzidenz und Impfquote analog.

Das Ergebnis der Untersuchung ist eindeutig: „Auf Länderebene scheint es keinen erkennbaren Zusammenhang zwischen dem Prozentsatz der vollständig geimpften Bevölkerung und den neuen COVID-19-Fällen in den letzten 7 Tagen zu geben“, so Prof. Subramanian. Die Trendlinie deutet vielmehr auf einen geringfügig positiven Zusammenhang hin, so dass Länder mit einem höheren Prozentsatz der vollständig geimpften Bevölkerung mehr COVID-19-Fälle pro 1 Million Einwohner aufweisen.“

Deutlich werde das „Fehlen eines aussagekräftigen Zusammenhangs“ auch bei Vergleichen mit Island und Portugal. Beide Länder wiesen Anfang September Impfquoten von über 75 Prozent auf, hätten aber trotzdem mehr COVID-19-Fälle pro eine Million Einwohner als Länder wie Vietnam und Südafrika mit unter drei beziehungsweise gut zehn Prozent Geimpften.

Doch ein „geografischer Zusammenhang“?

In den US-Bezirken gibt es laut Prof. Subramanian ebenfalls „keine signifikanten Anzeichen […], dass die COVID-19-Fälle mit einem höheren Prozentsatz der vollständig geimpften Bevölkerung abnehmen“. Auch unter Berücksichtigung, dass der Impfschutz erst einige Wochen nach der zweiten Impfung einsetzt, zeige sich „kein erkennbarer Zusammenhang“. Bemerkenswert sei jedoch, dass es auch bei gleicher Impfquote erhebliche Unterschiede bei den neuen COVID-19-Fällen gebe.

Vier von fünf Bezirken mit der höchsten Impfquote gelten laut amerikanischer Gesundheitsbehörde (CDC) als Bezirke mit „hoher“ Übertragung. In den Bezirken Chattahoochee (Georgia), McKinley (New Mexico) und Arecibo (Puerto Rico) sind jeweils über 90 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Umgekehrt weisen 15 von 57 Bezirken mit „niedriger“ Übertragung Impfquoten von unter 20 auf.

Eigene Auswertungen der Epoch Times zeigen, dass auch Daten aus Deutschland kein eindeutiges Ergebnis zugunsten der Impfungen liefern. Im März und April, als die Impfquoten noch im einstelligen Bereich lagen, zeigt sich, dass in Bundesländern mit mehr Impfungen tendenziell auch mehr neue Fälle zu verzeichnen waren. Noch offensichtlicher wird dieser Zusammenhang in den Daten von Juli bis September.

Die Grafiken basieren auf Daten der täglichen Situationsberichte vom RKI und dem Impfdashboard jeweils vom ersten Mittwoch im Monat.

Deutlich wird in dieser Auswertung auch, dass das Phänomen eines „geografischen Zusammenhangs“ keine Momentaufnahme ist. Oberflächlich und bis Anfang Oktober betrachtet – scheinen die Impfungen aber zu wirken. Seit dem Frühjahr haben sich die Inzidenzen von bis über 200 auf knapp über 100 halbiert. Dennoch: Im gleichen Zeitraum hat sich die Impfquote mehr als verzehnfacht.

Auffällig ist zudem eine zeitliche Verknüpfung, die ab Juni (Punktwolke um 40 Prozent Impfquote) saisonale Schwankungen als Ursache der sinkenden Inzidenzen vermuten lässt.

Zu 99,43 Prozent nicht zufällig entstanden

An dieser Stelle muss darauf hingewiesen werden, dass die Daten keinerlei Rückschlüsse auf eine Ursache-Wirkung-Beziehung zulassen. Der Effekt der sinkenden Inzidenzen könnte wie beschrieben auf das Wetter zurückzuführen sein. Ein Anstieg der Inzidenzen ab August könnte wiederum auf Reiserückkehrer, (Lockdown-)Stress oder vermehrte Schülertests nach den Ferien hindeuten. Auch ein direkter Einfluss der Impfungen lässt sich durch diese Zahlen weder ausschließen noch belegen.

Eine Analyse der deutschen Daten zeigt jedoch, dass der Zusammenhang vermutlich kein Zufall ist. Insbesondere die Juli-Daten erfüllen die Voraussetzung des sogenannten t-Tests. Dieser statistische Test lässt unter anderem Rückschlüsse auf die Wahrscheinlichkeit zu, dass ein beobachteter Zusammenhang zufällig entstanden ist. Für Juli liegt der entsprechende Wert bei 0,57 Prozent, im August und September liegt der Wert noch darunter.

Im Umkehrschluss heißt das, mit über 99-prozentiger Sicherheit besteht ein Zusammenhang zwischen hoher Impfrate und hoher Inzidenz.

Unabhängig von dieser ausgesprochen unwahrscheinlichen, aber nicht ausgeschlossenen Möglichkeit eines zufälligen Zusammenhangs unterliegen alle verwendeten Daten Einschränkungen. Sowohl weltweit als auch in den USA oder in Deutschland handelt es sich „um bestätigte Fälle“ – also um positiv Getestete. Ihre Zahl hängt einerseits von der Verfügbarkeit (kostenloser) Test ab, als auch von der persönlichen Entscheidung, sich testen zu lassen. Andererseits können unterschiedliche Meldeverfahren die Daten verzerren.

Während dem Team um Prof. Subramanian eine Vielzahl an Daten aus einem sehr kurzen Zeitraum zur Verfügung standen, ist die Anzahl der Bundesländer überschaubar, aber über einen längeren Zeitraum dokumentiert. Da die Ergebnisse in beiden Fällen ähnlich sind, erscheint der Zusammenhang grundsätzlich aussagekräftig.

Allerdings lassen die Daten keinerlei Rückschlüsse auf die Schwere der Fälle zu, weder weltweit noch auf Länderebene. Es lässt sich also nicht ausschließen, ob geimpfte Personen häufiger milde(re) Verläufe zeigen. Die Aussage, dass die Impfung vor schweren Verläufen und Todesfällen schützt, ist jedoch nicht mehr haltbar. Laut RKI-Wochenbericht mussten in den letzten vier Wochen 1.382 COVID-Patienten trotz vollständigen Impfschutzes stationär behandelt werden, davon 155 auf der Intensivstation. Im selben Zeitraum verstarben 145 vorwiegend ältere, doppelt geimpfte COVID-Patienten.

Impfstrategie muss überdacht werden

„Der alleinige Rückgriff auf die Impfung als primäre Strategie zur Eindämmung von COVID-19 und seiner negativen Folgen muss überdacht werden“, schlussfolgern die Forscher.

Möglicherweise müssten „auch andere pharmakologische und nicht-pharmakologische Interventionen ergriffen werden.“ Mit anderen Worten, Geimpfte müssen mit Tests und/oder Einschränkungen rechnen. Eine solche Kurskorrektur sei „angesichts der neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse über die tatsächliche Wirksamkeit der Impfstoffe von größter Bedeutung.“

In diesem Zusammenhang verweisen Prof. Subramanian und Kumar auf einen Bericht des israelischen Gesundheitsministeriums. Demzufolge liegt die Wirksamkeit von zwei Dosen BNT162b2 (BioNTech/Pfizer) zur Verhinderung einer COVID-19-Infektion bei nur 39 Prozent statt der angegebenen 96 Prozent. Eine weitere Studie lege außerdem nahe, dass die durch Impfung erzeugte Immunität möglicherweise nicht so stark sei wie die natürliche Immunität nach überstandener Erkrankung. Gleiches bestätigten Wissenschaftler von Pfizer unfreiwillig in einem von Under-Cover-Journalisten aufgezeichneten Gespräch. [Epoch Times berichtete]

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass trotz aller Bemühungen, die Bevölkerung zur Impfung zu ermutigen, dies mit Bescheidenheit und Respekt geschehen sollte“, so Prof. Subramanian und Kumar.

Außerdem betonen die Forscher, dass andere Maßnahmen, einschließlich AHA-Regeln und „der Förderung häufigerer und billigerer Formen von Tests“, erneuert werden müssten. Auf diese Weise gelänge es „mit COVID-19 zu leben, so wie wir auch 100 Jahre später noch mit verschiedenen saisonalen Abwandlungen des Influenzavirus von 1918 leben.“

Dieser Artikel erschien zuerst in der Epoch Times Wochenzeitung, Ausgabe Nr. 14, vom 16. Oktober 2021.



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