COVID-19-Patienten in Wuhan: Dunkle Hautverfärbung durch Leberschäden

Von 5. Mai 2020 Aktualisiert: 5. Mai 2020 11:49
Nach schwerem Krankheitsverlauf und wochenlanger Behandlung war die Haut von zwei Ärzten, die an COVID-19 erkrankten, dunkel verfärbt. Es wird vermutet, dass die Verfärbung durch Leberschäden entstand. Unklar ist, ob die Schäden durch das Virus selbst oder die Therapie verursacht wurden.

Zwei Ärzte aus Wuhan, Dr. Yi Fan und Dr. Hu Weifeng, beide 42 Jahre alt, steckten sich im Januar mit COVID-19 an. Beide hatten einen schweren Verlauf der Krankheit. Dr. Yi war 39 Tage lang an lebenserhaltenden Beatmungsgeräten angeschlossen, während sein Kollege Dr. Hu nahezu 100 Tage in einem kritischen Zustand verbrachte. Dabei verfärbte sich die Hautfarbe der Patienten immer dunkler.

Es wird vermutet, dass Leberschäden die Ursache sind. Ob diese jedoch durch das Virus oder die Therapie ausgelöst wurden, ist zurzeit noch unklar.

Leberschäden durch Virus

Bereits Anfang März berichteten chinesische Forscher in dem Fachjournal „The Lancet“, dass bei zwei bis elf Prozent der COVID-19-Patienten Leberschäden auftreten. Die Schädigung der Leber ist wesentlich häufiger bei schweren Fällen als bei milden Verläufen.

Bei milden Verläufen stabilisierten sich die Leberschädigungen mit der Zeit von selbst. Bei schwerwiegenden Verläufen bekamen die Patienten teilweise Medikamente, welche die Leber schützen.

Die Studienautoren berichteten, dass es möglich sei, dass das Virus die Leber befalle. Kürzliche Forschungen des Arztes Professor Frank Ruschitzka scheinen diese Annahme zu bestätigen. Laut seinen Forschungsergebnissen handle es sich bei COVID-19 um keine reine Lungenerkrankung, sondern um eine systemische Gefäßerkrankung. Während die Lunge oftmals am stärksten betroffen sei, könne es im Laufe der Viruserkrankung unter anderem auch zu akutem Herz-, Nieren oder Darmversagen kommen.

Dass Coronaviren in Leberzellen eindringen können, erkannte man bereits bei SARS. Da das neuartige Coronavirus über denselben Rezeptor, den Angiotensin-konvertierenden Enzym-2(ACE2)-Rezeptor, in menschliche Zellen eindringt, ist eine Leberschädigung durch das Virus nicht auszuschließen. Durch die geschädigte Leber kommt es zu einem Ungleichgewicht des Hormonspiegels, der vermutlich die Melaninbildung beeinflusst und zur Verfärbung der Haut führt.

Leberschäden durch Therapie

Leberschäden sind auch durch verschiedene Medikamente möglich. Die Auslösung oder Verschlimmerung von Leberschäden sind bekannte Nebenwirkungen von antiviralen Wirkstoffen, wie Hydroxychloroquin oder der Kombination aus Lopinavir und Ritonavir.

Dr. Li, der behandelnde Arzt der beiden Patienten, geht davon aus, dass ein Medikament die Leberschädigung auslöste. Allerdings gab er nicht bekannt, welche Medikamente er den beiden Patienten verabreichte.

Seiner Einschätzung nach sollte sich die Hautfarbe der Patienten nach einiger Zeit wieder normalisieren.

Dr. Thomas Aßmann, Facharzt für Innere Medizin aus Lindlar sagte gegenüber der „Bild“, dass er ebenfalls von einer Leberschädigung durch intensive Therapie ausgehe.

„Massive Gelbfärbungen sind bei Leberschädigungen keine Seltenheit. Da die Kollegen in China scheinbar sehr lange mit der Lungenmaschine, der sogenannten ECMO, behandelt wurden, wurde ihre Leber ganz sicher schwer belastet“, so Dr. Aßmann. Hinzu komme laut dem Mediziner, dass die Patienten im Laufe der Therapie von COVID-19 mehrere Medikamente bekommen. Dadurch seien Wechselwirkungen schwer nachzuvollziehen.

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