Zweite Welle: Corona-Ausbruch in Harbin außer Kontrolle – Interne Dokumente geleakt

Von 23. April 2020 Aktualisiert: 2. Mai 2020 14:21
Lange schon wurde davor gewarnt: Die zweite Welle von COVID-19 in China wird kommen. Diesmal scheint der Ausbruch in Nordchina zu geschehen.

Nachdem die Kommunistische Partei Chinas bereits voreilig ihren angeblichen Sieg über das Virus medienwirksam gefeiert hatte, zeigten sich schon vor mehr als einer Woche deutliche Anzeichen einer zweiten Ausbruchswelle – diesmal in der Provinz Heilongjiang, in Nordostchina, an der russischen Grenze.

Auch die Provinzhauptstadt Harbin führte Ende Januar strenge Sperrmaßnahmen im Rahmen der Covid-19-Epidemie ein und begann Mitte März mit Lockerungsmaßnahmen. Doch im April stellten die Behörden die Stadt erneut teilweise unter Quarantäne. Die Stadtregierung begann am 13. und 15. des Monats mit der Schließung von Wohnvierteln und Einkaufszentren in den Bezirken Wuzang, Xiangfang, Daowai und Daoli. Laut Anwohnern riegelte die Kommunistische Partei im Bezirk Nangang ebenfalls ab.

Ein internes Dokument der Provinzbehörden

Vor Kurzem erhielt die chinesischsprachige „Epoch Times“ interne Dokumente der Provinzbehörden von Heilongjiang zugespielt, in denen Harbin des Ausbruchs beschuldigt wird. Am 13. April schickte der „Leitungsstab gegen den Coronavirus-Ausbruch der Provinz Heilongjiang“ einen „Warnbrief“ mit dem Hinweis „Nicht zu veröffentlichen!“ an die Stadtregierung von Harbin. Der Eingang wurde am 14. April bestätigt.

In dem Dokument wurde angeprangert, dass man sich nach dem Übergang von der geschlossenen zur mobilen Verwaltung von Harbin City nicht an eine präzise Kontrolle gehalten hat.

Dies habe dazu geführt, dass sich einige Dörfer und Zellen (Wohngebiete) in einem Zustand von „Vakuum“ und „außer Kontrolle“ befinden. Die Maßnahmen zur mobilen Kontrolle – „Temperaturmessung, Code-Scannen, Tragen von Masken“ – wurden wiederholt nur oberflächlich durchgeführt.

Vier Hauptfehler aufgeführt

In dem Brief wurden vier „Hauptfehler“ bei der Verhütung der Epidemie in Harbin aufgeführt:

  1. Das Versäumnis, die internen Vorschriften der Kommunistischen Partei Chinas umzusetzen, die Verantwortlichkeit für die erste Behandlung wurde nicht umgesetzt, die Aufnahmestelle für Fieberpatienten hat nicht als Überwachungspunkt funktioniert.
  2. Nichtbeachtung der Anforderungen der technischen Richtlinien zur Infektionsprävention und -kontrolle, um eine gute Prävention und Kontrolle im Krankenhaus zu gewährleisten.
  3. Das Versäumnis, das System „ein Patient – eine Begleitung“ und das Besuchsverbot strikt durchzusetzen und der Verlust der Kontrolle über das Begleitmanagement, was zu Kreuzinfektionen im Krankenhaus führte.
  4. Kein Follow-up, keine Rückverfolgbarkeit und keine Verschärfung der Kontrollen für die 39 am 31. März positiv auf Corona gemeldeten Personen.

Der in den USA lebende politische China-Kommentator Li Linyi sagte, dass die KPCh schon immer die Stabilität als das Wichtigste erachtet hat. Die meisten Dokumente würden nicht veröffentlicht und die Medien und die Zivilgesellschaft hätten keine Mechanismen, um die Wirksamkeit der lokalen Umsetzung der Maßnahmen der KPCh zu überwachen.

Dies führe zu oberflächlicher Arbeitsweise und großen Problemen. Im Fall von Harbin sagte Li, dass es zutreffender zu sagen wäre, dass es sich nicht um einen „großen Fehler“ auf lokaler Ebene handelte, sondern vielmehr um die bösartigen Folgen des chinesischen kommunistischen Systems.

Erste offizielle Reaktionen

Am 9. April wurden in Harbin offiziell eine Neuinfektion und drei symptomlose Träger gemeldet. Doch offenbar gab es wesentlich mehr als nur diese Fälle.

Geplante Schulöffnungen wurden verschoben, lange Menschenschlangen wurden vor einem Krankenhaus gefilmt, die Autobahnzufahrten gesperrt, der Direktor der lokalen Gesundheitskommission abgesetzt und die Stadtregierung informierte über eine dringende Sitzung der Provinzführung der kommunistischen Partei. Die Nachricht von „Harbin Sealed City“ verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Internet.

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Da jedoch allgemein bekannt ist, dass die chinesischen Behörden die Fallzahlen nach unten beschönigt angeben, zogen die Menschen aus den wenigen Informationen entsprechende Rückschlüsse.

Eine Person kommentierte unter dem Twitter-Post zu einer internen Meldung des Wuhan Zentralkrankenhauses an alle Abteilungen bezüglich Vorsicht bei Presseanfragen ausländischer Medien, dass sie gehört habe, dass Beamte in China wegen des Ausbruchs bestraft worden seien und folgerte:

Offiziell wird es also keine ‚Ausbrüche‘ geben. Keine Sch***e, wenn es das nächste Mal das KLEINSTE Anzeichen eines Ausbruchs in China gibt, schließen Sie alles sofort und stornieren Sie alle Flüge.“

Doch was, wenn es sich nicht mehr verheimlichen lässt?

Bestrafung von Beamten

Die Disziplinarkommission und die Aufsichtskommission der Provinzbehörden kündigten am vergangenen Freitag, 17. April, die Bestrafung von 18 Beamten der Stadtregierung und die von drei lokalen Krankenhäusern an. Beide Organisationen sind interne Behörden der Kommunistischen Partei und für die Untersuchung von Korruption und Vergehen zuständig.

Bestraft wurden Beamte der Gesundheitsbehörden der Stadtregierung Harbin, der Lokalregierung des Stadtbezirks Daowai, der Medizinischen Universität Harbin (HMU), des Ersten angeschlossenen Krankenhauses der HMU, des Krankenhauses Harbin Nr. 2 und des Brustkrankenhauses Harbin – unter anderem wegen Versäumnissen „ihrer Verantwortlichkeiten“ im Zusammenhang mit der Kontrolle des Ausbruchs.

Unter den Bestraften war auch die am 15. April neu ernannte Direktorin der Gesundheitskommission von Harbin, Ding Fengshu. Sie erhielt eine Parteiwarnung und einen Eintrag des Fehlverhaltens in ihrem politischen Lebenslauf. Es ereigneten sich den Informationen nach neue Infektionsfälle auf Familienfeiern und während Behandlungen in Krankenhäusern, berichtete die „Epoch Times“ (USA).

Die staatliche „Beijing Daily“ berichtete am 15. April von sechs Infektionen bei medizinischem Personal des Ersten angeschlossenen Krankenhauses der HMU und des Krankenhauses Harbin Nr. 2 und berief sich dabei auf Informationen der Provinzgesundheitskommission. Am 18. April meldete die „BD“ weitere drei Fälle unter Medizinpersonal. Diese hätten sich am 17. April angesteckt.

Stimmen aus Harbin

In den sozialen Medien erschien am 16. April ein Video, in dem ein Mann plötzlich im Wohngebiet Fenglan Guoji im Bezirk Nangangang umfiel. Ein Mitarbeiter in medizinischer Schutzkleidung ging zu ihm, um nach ihm zu sehen. Ob es sich in dem Fall um eine Folge der Virusinfektion handelte, ist unklar.

Bei ihren Recherchen sprach die chinesischsprachige „Epoch Times“ (DaJiYuan) mit Bewohnern der Provinzhauptstadt: „Einheit 2 in Gebäude 3 der Wohnsiedlung Jinse Chengbang im Bezirk Daoli wurde am 15. April versiegelt (…) Eine in der Einheit lebende Familie wurde diagnostiziert. Der Ehemann ist Arzt, die Frau Krankenschwester. Beide arbeiten in einem der HMU angeschlossenen Krankenhaus. Ihr Kind ist ebenfalls infiziert“, schilderte Li Hui am 16. April die Lage. Die Person konnte nicht genau sagen, in welchem der vier der HMU angeschlossenen Krankenhäuser das infizierte Ehepaar gearbeitet hatte.

Insider: Neue Patienten bereits seit 6. April

Ein Insider des Krankenhauses Harbin Nr. 2 informierte darüber, dass einer der Krankenhausleiter bei einer internen Sitzung am 14. April gesagt habe, dass die örtlichen Einrichtungen schon seit dem 6. April Patienten aufnehmen.

Es brachen mehrere Cluster aus, die alle mit dem gemeinsamen Abendessen zu tun hatten. Die Cluster-Ausbrüche ereigneten sich in den Bezirken Wuzang, Xiangfang und Daoli und so weiter“.

(Krankenhaus-Insider)

Der Krankenhausleiter habe zudem gesagt, dass mehr als 16.000 Personen Kontakt mit den diagnostizierten Patienten hatten. 500 davon würden jetzt unter Quarantäne stehen.

Am 19. April gab die Gesundheitskommission von Heilongjiang bekannt, dass sich der Ausbruch nicht nur auf Harbin (4,6 Mio. Einwohner), sondern auch auf die zum Verwaltungsgebiet der bezirksfreien Stadt Mudanjiang gehörenden Kreisstadt Suifenhe (150.000 Einwohner) an der russischen Grenze und auf die bezirksfreie Stadt Suihua (5,2 Mio. Einwohner) ausgeweitet hat.

Die Stadt Genhe (170.000 Einwohner) in der zu Heilongjiang benachbarten Region Innere Mongolei, schloss ihre Zufahrtsstraßen zur Grenze und kündigte die Einstellung des Verkehrs an.