Mädchen und Frauen, die in Gebieten hoher Schadstoffbelastung in der Luft leben haben ein deutlich erhöhtes Risiko an schmerzhaften Menstruationsbeschwerden zu erkranken.
Mädchen und Frauen, die in Gebieten hoher Schadstoffbelastung in der Luft leben haben ein deutlich erhöhtes Risiko an schmerzhaften Menstruationsbeschwerden zu erkranken. (Symbolbild)Foto: iStock

Luftschadstoffe vervielfachen Risiko krampf- und schmerzhafter Menstruationsbeschwerden

Von 4. August 2021 Aktualisiert: 4. August 2021 19:45
Schlechte Luft wirkt nicht nur auf Natur und Umwelt, sondern insbesondere auch auf die Fortpflanzungsorgane von Mädchen und Frauen. Forscher aus Taiwan konnten dies nun auch mit einer Studie belegen. Demnach ist das Risiko von Menstruationsbeschwerden mit schmerzhaften Krämpfen in Gebieten mit langfristig oder extrem erhöhten Schadstoffkonzentration bis zu 33-mal höher als in Regionen mit besserer Luftqualität.

Dysmenorrhoe, oder Regelschmerzen, ist die häufigste aller gynäkologischen Erkrankungen. Sie betrifft zwischen 16 und 91 Prozent der Mädchen und Frauen im reproduktiven Alter. Zwei bis 29 Prozent der Betroffenen haben Symptome, die stark genug sind, um ihre täglichen Aktivitäten einzuschränken. Dazu gehören häufige starke Menstruationsbeschwerden, einschließlich schmerzhafter Krämpfe aufgrund von abnormalen Kontraktionen der Gebärmutter.

Forscher um Prof. Chung Y. Hsu aus Taichung, einer Millionenstadt in Taiwan, haben nun nachgewiesen, dass Luftschadstoffe nicht nur Natur und Umwelt beeinflussen. Schlechte Luft wirke insbesondere auch auf die Gesundheit und die Fortpflanzungsorgane von Mädchen und Frauen. Basierend auf Langzeitdaten zur Luftqualität und zur öffentlichen Gesundheit zeigt die Mitte Juli erschienene Studie, dass das Risiko einer Dysmenorrhoe in Gebieten mit den höchsten Luftschadstoffwerten bis zu 33-mal höher war als in Gebieten mit niedrigeren Schadstoffwerten.

Dysmenorrhoe: Häufige Störung ohne bekannte Heilung

„Die Forschung hat bereits gezeigt, dass Frauen, die während ihrer Periode rauchen oder Alkohol trinken, übergewichtig sind oder ihre erste Periode sehr jungen Jahren haben, ein größeres Risiko für Dysmenorrhoe haben. Von Frauen, die noch nie schwanger waren, ist ebenfalls bekannt, dass sie ein höheres Risiko haben“, erklärt Prof. Hsu vom College of Medicine in Taichung. Weiter sagte er:

„Aber hier zeigen wir zum ersten Mal einen weiteren wichtigen Risikofaktor für die Entwicklung von Menstruationsbeschwerden: die Luftqualität. Insbesondere die langfristige Belastung durch Luftverschmutzung. Wir kennen den zugrundeliegenden Mechanismus noch nicht, aber emotionaler Stress bei Frauen, die Luftschadstoffen ausgesetzt sind, oder höhere durchschnittliche Werte der hormonähnlichen Prostaglandine in ihrem Körper könnten ein Teil der Antwort sein.“

Dysmenorrhoe könne außerdem durch ein hormonelles Ungleichgewicht verursacht werden, erklären die Forscher. In anderen Fällen lasse sich die Erkrankung auf gynäkologische Grunderkrankungen wie Endometriose, Beckenentzündung, Eileiterschwangerschaft oder Tumore im Beckenbereich zurückführen. Die Symptome sind oft lebenslang. Sie umfassen Krämpfe und Schmerzen im Unterbauch, Schmerzen im unteren Rücken und in den Beinen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Ohnmacht, Schwäche, Müdigkeit und Kopfschmerzen.

Neben der Einschränkung der Lebensqualität habe die Dysmenorrhoe auch erhebliche sozioökonomische Auswirkungen. Betroffene seien zeitweise nicht in der Lage, zu arbeiten, die Schule zu besuchen oder Freizeitaktivitäten nachzugehen. Auch ein bis drei Tage „Menstruationsurlaub“, der Frauen in einigen Ländern zusteht, kann die Auswirkungen nicht ausgleichen. Hinzu kommt, man kann die Symptome zwar behandeln, Dysmenorrhoe an sich (bislang) jedoch nicht heilbar ist.

Luftschadstoffe als neuer wichtiger Risikofaktor

Die Autoren unter der Leitung von Prof. Chia-Hung Kao, Direktor der Abteilung für Nuklearmedizin an der China Medical University in Taichung, untersuchten Gesundheitsdaten von insgesamt 296.078 Mädchen und Frauen. Das entspricht etwa 1,3 Prozent der Gesamtbevölkerung Taiwans im Alter zwischen 16 und 55 Jahren. Die Daten stammten aus Taiwans landesweiter Krankenversicherungsdatenbank und reichen bis ins Jahr 2000 zurück. Dabei umfasste die Stichprobe ausschließlich Mädchen und Frauen, bei denen vor dem Jahr 2000 keine Dysmenorrhoe aufgetreten war.

Die andere Hälfte der Daten, insbesondere die durchschnittliche Belastung durch Luftschadstoffe – Stickstoffoxide (NOx), Kohlenmonoxid (CO) und (Feinstaub-)Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 μm (PM2,5) stammten aus der „Taiwan Air Quality Monitoring Database“ (TAQMD) der Umweltschutzbehörde.

In der Kombination beider Daten suchten die Autoren schließlich nach einem langfristigen Zusammenhang zwischen dem Risiko für Dysmenorrhoe und der Luftqualität. Und sie wurden fündig: Bei 4,2 Prozent der Mädchen und Frauen wurden von 2000 bis 2013 erstmals Menstruationsbeschwerden oder Regelschmerzen diagnostiziert. Wie aus früheren Studien zu erwarten war, hatten jüngere Frauen, Frauen mit geringerem Einkommen und Frauen, die in stärker verstädterten Gebieten lebten, tendenziell ein höheres Risiko zu erkranken.

Bemerkenswert, so die Forscher, sei jedoch, dass

das alters- und jahresspezifische Risiko bei Mädchen und Frauen aus den Gebieten mit der höchsten jährlichen Belastung durch Luftschadstoffe [verglichen mit Gebieten mit der geringsten Belastung] um das 16,7- bis 33,1-fache anstieg.“

Die NOx-, NO-, NO2-, CO- und PM2,5-Werte trugen dabei jeweils separat zu einer Risikosteigerung bei. Der größte Einzeleffekt habe sich allerdings aus der langfristigen Exposition gegenüber hohem PM2,5 ergeben.

„Unsere Studienergebnisse zeigen den großen Einfluss der Luftqualität auf die menschliche Gesundheit im Allgemeinen, hier speziell auf das Risiko von Menstruationsbeschwerden bei Mädchen und Frauen“, schließt Prof. Hsu. Dies verdeutliche einmal mehr die Notwendigkeit von Maßnahmen durch Regierungsbehörden und Bürger zur Reduzierung der Luftverschmutzung. Aber nicht um das Klima, sondern um die menschliche Gesundheit zu verbessern.



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