Veganer, Vegetarier und Pescetarier haben ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche.
Veganer, Vegetarier und Pescetarier haben ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche, insbesondere, wenn ihr Körper weniger "gut gepolstert" ist.Foto: iStock

Studie: Veganer, Vegetarier und Pescetarier anfälliger für Knochenbrüche

Von 25. November 2020 Aktualisiert: 25. November 2020 14:50
Menschen, die kein Fleisch essen, haben laut Forschern der Universität Oxford ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche im Allgemeinen und für Brüche von bestimmten Knochen, wie Hüfte, Beine und Wirbel im Speziellen. Die Langzeitstudie bescheinigt Veganern, Vegetariern und Pescetariern ein um bis zu 130 Prozent erhöhtes Risiko ortsspezifischer Frakturen.

Menschen, die kein Fleisch essen, haben ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche im Allgemeinen (+43 Prozent) und für Brüche von bestimmten Knochen, wie Hüfte, Beine und Wirbel im Speziellen (+130 Prozent). Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Universität Oxford. Über 20 Jahre verfolgten sie Knochenbrüche von knapp 55.000 Briten.

„Dies ist die erste umfassende Studie über die Risiken sowohl von Gesamt- als auch von ortsspezifischen Frakturen bei Menschen verschiedener Ernährungsgruppen. Wir fanden heraus, dass Veganer ein höheres Risiko für Totalfrakturen hatten [als] Menschen, die Fleisch aßen. Die größten Unterschiede gab es bei Hüftfrakturen, wo das Risiko bei Veganerinnen und Veganern 2,3-mal höher war“, sagte Dr. Tammy Tong, Ernährungsepidemiologin am Nuffield Department of Population Health der Universität Oxford.

Gemeinsam mit ihren Kollegen veröffentlichte Dr. Tong ihre Ergebnisse in der zweiten Novemberhälfte in „BMC Medicine“.

Veganer und Vegetarier weniger „gut gepolstert“

Die Ergebnisse basieren auf den Daten von 54.898 Teilnehmern einer Langzeitstudie in Großbritannien, zu der viele Vegetarier (28,2 Prozent), Pescetarier – Menschen, die Fisch aber kein Fleisch essen (14,6 Prozent) und Veganer (3,6 Prozent) gehören. Forscher der Universitäten Oxford und Bristol begleiteten sie über einen Zeitraum von durchschnittlich 18 Jahren.

Während der Zeit der Studie traten insgesamt 3.941 Frakturen auf, darunter 566 Arm-, 889 Handgelenk-, 945 Hüft-, 366 Bein-, 520 Knöchel- sowie 467 Frakturen an anderen Hauptstellen. Zu letzteren gehören unter anderem Schlüsselbein-, Rippen- und Wirbelkörperfrakturen.

Zusätzlich zu einem höheren Risiko für Hüftfrakturen bei Veganern, Vegetariern und Pescetariern als bei Fleischessern, hatten Veganer auch ein höheres Risiko für Beinfrakturen und Frakturen an anderen Hauptstellen.

Frühere Studien sehen zudem einen offensichtlichen Zusammenhang zwischen einem niedrigen Body-Mass-Index (BMI) und einem erhöhten Hüftfrakturrisiko. Hohe BMI-Werte – ein gut gepolsterter Körper – führen zu einer stärkeren Dämpfung gegen Aufprallkräfte, einer erhöhten Östrogenproduktion (die die Knochendichte aufrechterhält) oder stärkeren Knochen durch erhöhte Gewichtsbelastung.

Nicht ins Extrem: Ausgewogene Ernährung fördert allgemeine Gesundheit

Unabhängig von der Ernährung reduzierte sich das Frakturrisiko, wenn die Teilnehmer einen höheren Body-Mass-Index (BMI) und eine höhere Kalzium- und Proteinzufuhr hatten. Kaum oder keine Auswirkung hat die Ernährung oder der BMI hingegen auf das Risiko von Handgelenk- oder Sprunggelenkfrakturen sowie für Knochenbrüche der Arme.

Aufgrund der erfassten Daten warnen die Autoren jedoch davor, alle Knochenbrüche auf die Ernährung zu schieben. So erfasste ihre Studie nicht den Grund der Brüche, sodass die Forscher nicht zwischen durch schlechte Knochengesundheit oder Unfälle verursachte Frakturen unterscheiden konnten. Ebenfalls unberücksichtigt blieb die Verwendung von Kalziumpräparaten in den verschiedenen Ernährungsgruppen. Die überwiegend weiblichen Teilnehmer erschweren zudem eine Auswertung nach Geschlecht.

Diese Studie, so Dr. Tong, bestätigte, „dass Veganer, die im Durchschnitt einen niedrigeren BMI sowie eine geringere Kalzium- und Proteinzufuhr als Fleischesser hatten, an mehreren Stellen ein höheres Risiko für Frakturen hatten.“ Andererseits könne eine ausgewogene Ernährung das Risiko für Herzkrankheiten und Diabetes verringern.

Weiter sagte Dr. Tong: „Der Einzelne sollte die Vorteile und Risiken seiner Ernährung berücksichtigen und sicherstellen, dass er einen angemessenen Kalzium- und Proteingehalt hat und einen gesunden BMI aufrechterhält, das heißt weder unter- noch übergewichtig ist“.

(Mit Material der Universität Oxford)

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