Professor Mark Post von der Universität Maastricht präsentiert künstliches Fleisch aus dem Labor in einer Petrischale.Foto:  David Parry/dpa

Generation Z will kein „Labor-Fleisch“, natürliche Alternativen aus Insekten nur im Notfall

Von 8. September 2020 Aktualisiert: 8. September 2020 17:43
Die „Generation Greta“ oder Generation Z sorgt sich um Umwelt und Tiere – und bei über 70 Prozent lande immer das Steak auf dem Teller. Alternativen aus Insekten, Pflanzen oder dem Labor sind wenig beliebt. Einige sehen in Labor-Fleisch gar eine Verschwörung der Mächtigen und Reichen, um ihnen Wahrnehmung von Geschlecht und nationaler und kultureller Identität zu nehmen.

Die Generation Z – geboren zwischen 1995 und 2015 – sind die zukünftigen Konsumenten. Trotz Fridays for Future und Klima-Alarmismus sind viele nicht bereit, künstlich hergestelltes „Labor-Fleisch“ in ihren Speiseplan aufzunehmen. Eine australische Studie beziffert die Ablehnung mit 72 Prozent. Auch die Alternativen aus Insekten oder Pflanzen kommen bei der vermeintlich umweltbewussten Generation nur mäßig an.

Eine Umstellung der Ernährung setzt jedoch die Akzeptanz der Menschen voraus, allen voran die der betroffenen, zukünftigen Verbraucher. Allein in Australien umfasst die sogenannte Generation Z etwa fünf Millionen Menschen. Weltweit zählen die Jahrgänge 1995 bis 2015 sogar etwa zwei Milliarden Menschen.

„Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass die Generation Z sich Sorgen um die Umwelt und das Wohlergehen der Tiere macht“, fasst die leitende Forscherin Dr. Diana Bogueva von der Universität Sydney zusammen. Die meisten seien jedoch „nicht bereit, Labor-Fleisch zu akzeptieren und betrachten es mit Abscheu“. In ihrer Umfrage definierten die Forscher Labor-Fleisch „als eine im Labor gezüchtete Fleisch-Alternative, die durch In-vitro-Zellkulturen von Tierzellen statt von Schlachttieren hergestellt wird“.

Die Bedenken der Generation Z gegenüber Labor-Fleisch

Die Teilnehmer hatten mehrere Bedenken, einschließlich eines erwarteten Geschmacks oder Ekels, Gesundheit und Sicherheit. Darüber hinaus stellten die Forscher gesellschaftliche Bedenken fest. Einige zeigten sich besorgt über den Tierschutz. Wieder andere betrachten das kultivierte Fleisch als eine „von den Reichen und Mächtigen inszenierte Verschwörung“ und sind entschlossen, „sich nicht zum Verzehr überzeugen zu lassen“. Mehrere Teilnehmer waren sich zudem unsicher, ob Labor-Fleisch eine ökologisch nachhaltige Option sei.

Am häufigsten befürchteten die Befragten, dass der Verzehr von im Labor gezüchtetem Fleisch mit der Wahrnehmung von Geschlecht und nationaler Identität in Konflikt geraten könnte. Das habe sowohl geschichtliche als auch ganz alltägliche Gründe, so Dr. Bogueva. „Die Generation Z schätzt den Ruf Australiens als Lieferant von hochwertigem Vieh und Fleisch, und viele sehen den traditionellen Fleischverzehr eng mit den Vorstellungen von Männlichkeit und australischer kultureller Identität verbunden.“

Während sich 59 Prozent der Befragten zwischen 18 und 25 Jahren „besorgt über die Umweltauswirkungen der traditionellen Viehzucht“ zeigten, waren sich nach Angaben der Forscher viele Teilnehmer nicht klar, um welche Auswirkungen es sich dabei handelte und verstanden auch nicht die damit verbundene Ressourcenerschöpfung.

Nach aktuellen Stand benötigt die Fleisch- und Milchproduktion etwa 83 Prozent der weltweiten landwirtschaftlichen Flächen. Diese Zahl könnte durch eine Umstellung der Ernährung auf andere (pflanzliche) Proteinquellen drastisch sinken. Die frei werdende Fläche – etwa sieben Millionen Quadratkilometer – entspricht der Fläche Russland. Diese könnte New Yorker Forschern zufolge mit natürlichen Wäldern mehr als ein Jahrzehnt CO2-Emissionen neutralisieren.

„Eine weitere Sache, um die sich unsere Generation Sorgen machen muss“

Die Befragten teilten sich effektiv in zwei Gruppen. Auf der einen Seite betrachten die Befürworter es als „einen klugen Schachzug“ von „fortschrittlichen Denkern“ und als „Geld, das für einen guten Zweck investiert wird“. Die Gegenstimmen beschreiben Labor-Fleisch hingegen als „eine weitere Sache, um die sich unsere Generation Sorgen machen muss“ und stellten die Beweggründe derer in Frage, die es entwickeln. Im Einzelnen nannten die Forscher fünf Hauptmeinungen:

17 Prozent der Befragten lehnten alle Fleisch-Alternativen ab, einschließlich Labor-Fleisch, und sahen es als chemisch hergestellt und stark verarbeitet an.

11 Prozent lehnten alle Alternativen zugunsten eines verstärkten Verzehrs von Obst und Gemüse ab.

35 Prozent lehnten Labor-Fleisch und essbare Insekten ab, akzeptierten aber Alternativen auf pflanzlicher Basis.

9 Prozent akzeptierten essbare Insekten als natürliche Fleisch-Alternative, lehnten jedoch Labor-Fleisch ab.

28 Prozent glaubten, Labor-Fleisch sei „akzeptabel“ oder „möglicherweise akzeptabel“ – wenn die Technologie beherrscht werden könne.

Die Forscher sammelten die Meinungen der Generation Z über Labor-Fleisch mittels einer Online-Umfrage. 227 zufällig ausgewählte, freiwillige Teilnehmer beantworteten Fragen zu ihrer Demografie, ihren Ernährungspräferenzen (zum Beispiel wie oft sie gerne Fleisch essen), zu ihren Gefühlen zu Labor-Fleisch und ob sie es für notwendig hielten, es zu akzeptieren und zu konsumieren, sowie zu ihrer Präferenz für verschiedene Fleisch-Alternativen.

(Mit Material der University of Sydney)



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