Twitter-User weisen Lauterbach-Ministerium falsche Aussage nach

Das Gesundheitsministerium von Karl Lauterbach veröffentlicht unrichtige Zahlen zu Nebenwirkungen der Corona-Impfung. Das Paul-Ehrlich-Institut widerlegt die Behörde mit seinem Sicherheitsbericht ebenfalls.
Der Arbeitsplatz von Karl Lauterbach.Karl Lauterbach
Bundesministerium für Gesundheit in Berlin.Foto: Sean Gallup/Getty Images
Von 22. Juli 2022

An dieser Stelle wird ein Podcast von Podcaster angezeigt. Bitte akzeptieren Sie mit einem Klick auf den folgenden Button die Marketing-Cookies, um den Podcast anzuhören.

Das Bundesgesundheitsministerium hat via Twitter falsche Zahlen zu den Nebenwirkungen der Corona-Schutzimpfung veröffentlicht – und ist dafür ausgerechnet vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) korrigiert worden. Im am Mittwochabend, 20. Juli, ursprünglich veröffentlichten Tweet hieß es zunächst aus der Behörde von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), dass „eine von 5.000 Personen von einer schweren Nebenwirkung nach einer COVID-19-Impfung betroffen ist.“

Doch in Wirklichkeit sind die Zahlen höher, wie das PEI, das Lauterbach als Bundesbehörde unterstellt ist, in seinem Sicherheitsbericht bekannt gab. Dort heißt es nämlich: „Die Melderate betrug für alle Impfstoffe zusammen 1,7 Meldungen pro 1.000 Impfdosen, für schwerwiegende Reaktionen 0,2 Meldungen pro 1.000 Impfdosen.“ Das entspricht zwar rechnerisch ebenfalls eins zu 5.000. Allerdings handelt es sich hier um Impfdosen, von denen die meisten deutlich mehr als eine erhalten haben.

Wesentlich höheres Risiko

Das Risiko für schwere Nebenwirkungen liegt somit wesentlich höher. Je nach Impfstoff liege das Risiko bei grundimmunisierten – doppelt geimpften – Menschen bei 1 zu 2.500, bei einfach Geboosterten (3 Dosen) bei bis 1 zu 1.667 und bei vierfach Geimpften gar bis zu 1 zu 1.250, sprich 0,8 Fällen pro 1.000 Geimpften. Das Bundesgesundheitsministerium korrigierte die Meldung, nachdem mehrere Twitter-User auf den Fehler hingewiesen hatten, schreibt die „Berliner Zeitung“.

Die Zahlen dürften in der Realität mitunter deutlich höher liegen. Während das PEI von offiziell etwa 300.000 Verdachtsfällen von Impfnebenwirkungen ausgeht, legen Daten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) nahe, dass Betroffene sich in mindestens 2,5 Millionen Fällen wegen unerwünschten Impffolgen ärztlich behandeln ließen.

Wie die Häufigkeit von Nebenwirkungen eingeordnet wird, ist im „Medical Dictionary for Regulatory Activities“ (MedDRA) definiert. So sind laut Experten einheitliche Klassifizierungen unerwünschter Ereignisse und Nebenwirkungen von Arzneimitteln in klinischen Studien möglich. Die Kodierung anhand der MedDRA-Terminologie bei der Meldung von sogenannten unerwünschten Ereignissen ist in den USA und in der Europäischen Union (EU) Pflicht. Daher muss sich auch Lauterbach und sein Ministerium daran halten.

Die Häufigkeit von Nebenwirkungen wird wie folgt eingeordnet:
  • Sehr häufig: Unerwünschte Wirkung bei mehr als einem Fall pro 10 Behandelten.
  • Häufig: Zwischen 1 und 10 pro 100 Behandelten.
  • Gelegentlich: Zwischen 1 und 10 Fällen pro 1.000 Behandelten.
  • Selten: Ein Fall auf 1.000 bis 10.000 Behandelten.
  • Sehr selten: Weniger als ein Fall bei 10.000 Behandelten.
  • Einzelfälle: Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar.

Der Verband forschender Arzneimittelhersteller stellt auf seiner Internetseite ebenfalls Informationen und Angaben zur Häufigkeit von Nebenwirkungen zur Verfügung.

Twitter wertet Äußerungen als irreführend

Die englische Zusammenfassung des ursprünglichen Tweets hatte sogar die Richtlinien-Hüter von Twitter auf den Plan gerufen. So heißt es in den Regeln: „Unter anderem darfst du keine Inhalte teilen, die Menschen in Bezug auf folgende Aspekte irreführen können: das Wesen des COVID-19-Virus; die Wirksamkeit und/oder Sicherheit von vorbeugenden Maßnahmen, Behandlungen oder anderen Vorkehrungen zur Minderung oder Behandlung der Krankheit.“ Mit einer Sperre wurde allerdings nicht der Kanal des Bundesgesundheitsministeriums belegt, sondern ein User aus den Niederlanden, der die Falschmeldung der deutschen Behörde ins Englische übersetzt hatte.

Epidemiologe Pürner fordert Rücktritt von Lauterbach

Der Epidemiologe Dr. Friedrich Pürner forderte auf Twitter den sofortigen Rücktritt Lauterbachs, weil dieser in der Vergangenheit von einer „nebenwirkungsfreien Impfung“ gesprochen habe. „Politiker, die diesen Unfug nachplapperten, sollten ebenfalls zurücktreten“, so Pürner weiter. Ärzte, die impften und „diesen Unfug“ erzählten, müssten sich verantworten.

Juristische Folgen für Lauterbach und Pharmakonzerne

Lauterbachs neueste Äußerungen zu möglichen Nebenwirkungen könnten auch juristische Folgen für den Minister haben. So fordert beispielsweise der Wiesbadener Anwalt Joachim Cäsar-Preller im Namen seiner Klienten Schadensersatz. Wie die Schweizer Zeitung „Die Weltwoche“ auf ihrer Internetseite berichtet, vertritt Preller nach eigenen Angaben derzeit 360 Klienten. Es könne nun zu Amtshaftungsansprüchen gegen die Bundesrepublik Deutschland oder gegen einzelne Bundesländer kommen, wird der Jurist zitiert.

Die Hersteller der Impfstoffe hätten zwar darauf hingewiesen, dass das Vakzin „selbstverständlich auch Gefahren von Nebenwirkungen“ habe. Doch hätten sie es in der Öffentlichkeit nicht klar kommuniziert. Des Weiteren habe die Pharmaindustrie Lauterbach nie widersprochen, wenn dieser in Interviews oder auf Twitter Risiken verneint oder verharmlost hatte. Damit hätten sich die Konzerne ebenfalls schadensersatzpflichtig gemacht, so der Jurist, der von Zehntausenden Geschädigten durch die Corona-Impfung ausgeht.

Die Dunkelziffer ist seiner Ansicht nach hoch, da viele Menschen gegen erlittene Schäden gar nichts unternehmen würden: „Die sind so krank, die können sich gar nicht darum kümmern‘“, sagte Cäsar-Preller gegenüber der „Weltwoche“.



Epoch TV
Epoch Vital
Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Dies umfasst ebenso abschweifende Kommentare, die keinen konkreten Bezug zum jeweiligen Artikel haben. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.


Ihre Epoch Times - Redaktion