Egon W. Keutzer: Destillierte Luft in Dosen – oder: Wir alle sterben irgendwann an irgendwas

Von 14. April 2019 Aktualisiert: 14. April 2019 17:49
Wer nicht vor seinem zweiten Geburtstag gestorben ist, hat eine realistische Chance auf ein längeres Leben, in dem man alle möglichen Gefahren übersteht oder meistert, bis man in den Schwächephasen der letzten drei Lebensjahre landet. Nur Mut, denn Angst hilft gar nicht!

Menschen sterben irgendwann an irgendwas. – Dabei gibt es im Leben zwei besonders kritische Phasen.

Die erste kritische Phase beginnt mit dem Einnisten der befruchteten Eizelle in die Gebärmutter und dem ersten Ausbleiben der Regelblutung der Mutter und endet  etwa mit dem zweiten Geburtstag. In dieser Zeit drohen anfangs die Versuche, die Schwangerschaft vorzeitig zu beenden, und, sofern es zur Lebendgeburt kommt, ist das noch nicht voll entwickelte Immunsystem ein Problem, das oft als „Säuglingssterblichkeit“ umschrieben wird.

Die zweite kritische Phase lässt sich als „die drei letzten Jahre vor dem Tod“ umschreiben. Sie setzt – abhängig von den unterschiedlichsten Faktoren – bei jedem zu einem individuellen Zeitpunkt ein und ist geprägt von einem deutlichen Nachlassen der körperlichen Kräfte, Fähigkeiten und der Widerstandskraft. Es ist die Zeit, in der über die gesamte Lebenszeit die absolut höchsten Kosten für die medizinische Versorgung anfallen.

„Was uns nicht umbringt, macht uns nur noch härter“

In der Zeit zwischen diesen beiden Phasen ist der Mensch in der Lage, mit so ziemlich allen Belastungen fertig zu werden, die ihm zugemutet werden. Er übersteht Hunger und Durst, Kälte und Hitze, Infektionen und Verwundungen, Anstrengungen und Stress, Feinstaub und Stickoxide, Amalgam und Aspirin, Kochsalz und Alkohol, Nikotin und gesättigte Fettsäuren, solange er nicht letalen Dosen ausgesetzt wird, und kann sich nach eventuell eingetretenen Schädigungen meist wieder vollständig oder zumindest weitgehend regenerieren.

Der Satz: „Was uns nicht umbringt, macht uns nur noch härter“, ist ja nicht ein dummes Macho-Gelabere, sondern der aus tausend Umständen gewonnene Beweis, dass der Mensch an seinen Herausforderungen wächst, und dass er nicht nur auf Geistes- oder Körperkräfte, sondern ebenso auf die Abwehrkräfte der Organismus selbst zutrifft.

Die Annahme, dass eine allzu keimfreie Umgebung eine schlechte Entwicklungsumgebung für ein Kind sei, weil sein Körper, sein Immunsystem, darin nicht ausreichend ausgebildet, bzw. trainiert werden kann, ist ja nicht aus der Luft gegriffen, sondern wird auch von Wissenschaftlern gestützt. Dass sich daraus später leichter Allergien entwickeln könnten, ist zwar nur eine Hypothese, doch deutet einiges darauf hin, dass auch da mehr dran ist, als gemeinhin angenommen wird.

Wie es früher war …

Wenn ich von heute bis in meine frühe Kindheit zurückblicke, soweit die Erinnerung eben reicht, bin ich absolut überzeugt, dass die Luft in Deutschland nie besser und das Wasser aus der Leitung nie sauberer war als heute.

In den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts war die Luft unserer kleinen Stadt stets rauchgeschwängert – und es waren Holz- und Kohleöfen, mit denen nicht nur geheizt, sondern auf denen auch in allen Haushalten mittags gekocht wurde. Die Bäcker feuerten ihre Backöfen mit Holz und Kohle, die Metzger und die drei Brauereien ihre Sudkessel. Die Wäsche wurde im holzbeheizten Waschkessel gekocht. Die große Fabrik  am Stadtrand verfeuerte täglich ein paar Tonnen Kohle und ließ gewaltige Rauchschwaden aus dem 50 m hohen Schornstein in die Gegend wehen.

Die Eisenbahn fuhr mit Dampflokomotiven  – und die etwa zwei Hektar große Mulde, in welcher jede Art von Müll entsorgt wurde, hieß nicht zuletzt deshalb „Feuerteich“, weil dort immer etwas brannte oder vor sich hin kokelte. Der kleine Fluss, der mitten durch den Ort floss, war voller ungeklärter Abwässer einer fünf Kilometer entfernten, aber schon in der Ostzone (DDR) gelegenen Nachbargemeinde.

Und all das ereignete sich nicht im dreckigen Ruhrgebiet, sondern im beschaulichen Oberfranken, am Südrand des Thüringer Waldes.

Wo haben wir als Kinder gespielt? Buchstäblich im Dreck, auf der Straße. Die Nebenstraßen waren nicht gepflastert. Asphaltiert war da noch gar nichts. Also war die Straße ein Gemenge aus Sand, Schotter, Pferdemist, ausgekippten Putzeimern und den niedergesunkenen Rauchpartikeln. Wenn – selten – ein Auto durchfuhr, konnte man den blauen Qualm, der aus dem Auspuff kam, noch nach einer halben Stunde riechen. Natürlich sind wir auch in den Fluss gestiegen, mit nackten Füßen und haben dort – weil kaum etwas anderes darin lebte – Jagd auf Blutegel gemacht.

Das aufgeschlagene Knie war praktisch nie vollständig abgeheilt – aber niemand hatte panische Angst, aufgrund der „Umwelt“ eines baldigen frühen Todes sterben zu müssen. Ich hatte die Diphterie, den Keuchhusten, Mumps, die Windpocken und die Masern, wahrscheinlich auch Scharlach, in einer milden Ausprägung, und mein Bruder und die Nachbarskinder lagen meist gleichzeitig mit ihren Kinderkrankheiten im Bett – ohne dass jemand daran dachte, Penicillin zu verordnen. Das damals einzige Antibiotikum gab es ja in Deutschland auch noch gar nicht, bzw. noch nicht so lange.

Ausreichend destillierte Luft in Dosen

Im Vergleich zu damals kommt es mir immer öfter und immer zwingender so vor, in einer Welt voller Hypochonder zu leben, die sich am liebsten selbst samt ihren Smartphones luftdicht in Frischhaltefolie einwickeln würden, gäbe  es denn  schon ein ausreichendes Angebot an destillierter Luft in Dosen, die man über ein ausgeklügeltes Sicherheitsventilsystem innerhalb des eigenen Kokons atmen könnte.

Statt den Menschen zu sagen, dass das „System Mensch“ ein einzigartiger Überlebenskünstler ist, dass sie sich nicht wegen jeden Schnupfens aus Angst ums Überleben in die Hosen scheißen brauchen, malt man die Gefahren der Welt, mit denen Mensch und Tier bisher wunderbar fertig geworden sind, ohne auszusterben, in den grellsten Farben aus.

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Uranmunition versus Feinstaub

Wer einerseits die Augen davor verschließt, dass unsere Waffenbrüder, wohin sie auch immer kommen, gerne mit hochgiftiger und erbgutschädigender Uranmunition um sich ballern, aber daheim die Feinstaubgrenzwerte an die Grenze der Nachweisbarkeit absenkt, um „Millionen von vorzeitigen Todesfällen“ zu vermeiden, ist absolut unglaubwürdig.

Wer in geheimen Laboren auf abgeschotteten Inseln auf Basis von Milzbrand- und anderen Erregern mit Hilfe genetischer Manipulationen an biologischen Waffen bastelt und zugleich Wege und Methoden der bestmöglichen Kontamination möglichst vieler Menschen erforscht, aber den Teufel an die Wand malt, wenn in einem Jahr ein paar hundert Fälle von Masern auftreten, der ist absolut unglaubwürdig.

Wir, die Menschheit, sind pausenlos damit beschäftigt, immer wirksamere Massenvernichtungswaffen zu entwickeln, zu bauen, zu testen und auch schon mal einzusetzen, fürchten uns aber vor minimalen Stickoxidkonzentrationen, die wiederum schon ein paar hundert Meter von den perfide platzierten Messstellen entfernt, überhaupt nicht mehr zu finden sind.

Von kaum einem Menschen ist überliefert, dass er übers Wasser gehen konnte. Dafür ist der Mensch nicht konstruiert. Schwimmen hingegen könnten alle, leider lernen es immer weniger, weil wir kein Geld mehr haben, die vor vierzig, fünfzig, sechzig Jahren mit öffentlichen Mitteln errichteten Bäder zu unterhalten, geschweige denn neue zu bauen. Aber wir haben Geld dafür, sehr viele teure Operationen am Rücken zu bezahlen, von denen die meisten vollkommen sinnlos sind, und wo auch noch von den sinnvollen ein Großteil zu vermeiden gewesen wäre, hätten die Betroffenen sich ausreichend und gesund bewegen können.

Das soll kein Artikel über die vielen ähnlich sinnlosen medizinischen Leistungen werden

… aber eines kann ich mir nicht verkneifen: In den vorher schon erwähnten fünfziger Jahren gehörte es zur Grundversorgung der Ärzteschaft, lange und umständlich von jedem Patienten eine Urinprobe zu betrachten und zu beriechen, um dafür ein Honorar beziehen zu können.

Der Urinbecher ist selten geworden – dafür ist die Blutdruckmessung heute der Einstieg in den Honorarerwerb. Das System „Blutdruck“ ist bis heute nicht verstanden. In meiner Jugend hieß es, der Blutdruck ist normal, wenn der systolische Wert dem Lebensalter in Jahren + 100 entspricht. Ein Zwanzigjähriger hatte also mit 120 mm Hg einen normalen Blutdruck, ein Fünfzigjähriger mit 150 und ein Neunzigjähriger mit 190. Seither hat die Blutdruck-Liga die Empfehlungen immer weiter gesenkt, in den USA bis auf 120 für alle. Wer einen höherern Blutdruck hat, ist krank, ggfs. chronisch krank, und muss mit blutdrucksenkenden Medikamenten lebenslänglich versorgt werden.

Peinlich und perfide die Argumentation gegenüber dem Patienten, der sich mit seinem Blutdruck wohlfühlt: „Zu hoher Blutdruck macht keine Beschwerden“, um dann dranzuhängen, „aber er ist eben sehr gefährlich und je länger man unter zu hohem Blutdruck (beschwerdefrei) leidet, desto größer das Risiko an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben.

Wie gesagt: Der Blutdruck ist nicht verstanden, es ist noch nicht einmal klar, ob ein steigender Blutdruck Ursache oder Symptom kardiovaskulärer Krankheiten ist, es ist auch nicht klar, ob das menschliche Regelsystem nicht versucht, den durch Medikamente gesenkten Blutdruck wieder auf den „eigenen“ Sollwert hochzufahren. Es ist lediglich verstanden, dass die Blutdrucksenker allesamt ihre unschönen Nebenwirkungen mit sich bringen – und jüngst hat man sogar zugegeben, dass es möglicherweise Fälle gegen könnte, bei denen die medikamentöse Blutdrucksenkung zum beschleunigten Ableben führt.

Dabei geht man zwar in allen Publikation sehr großzügig mit Schätzungen um, dass 25 bis 30 Prozent der Bevölkerung zu hohen Blutdruck hätten, dass das aber längst noch nicht alle wüssten, sich also sputen sollten, ihren Blutdruck feststellen zu lassen, damit auch sie Medikamente einnehmen können – aber die Kosten der in meinen Augen sehr fragwürdigen Behandlung der Hypertonie, die in Deutschland im Jahr bei rund 9 Milliarden Euro liegen, und bei denen es sich wiederum großteils um Umsätze (mit hohem Gewinnanteil) der Pharma-Industrie handelt, die nennt man eher nur hinter vorgehaltener Hand und in seitenlangen Papieren versteckt. Von den Behandlungskosten der Nebenwirkungen ist dabei noch gar nicht die Rede.

Es soll in diesem Artikel auf die Wirkungen der von allen Seiten unentwegt geschürten Ängste hingewiesen werden.

  • Angst macht krank. Angst schränkt das Denkvermögen ein und kann bis zur Panikstarre führen. Angst macht empfänglich für Heilsbotschaften. Angst macht manipulierbar und lenkbar.
  • Vorsicht, also eine reale Gefahr vorausschauend (vor-sichtig) zu erkennen und darauf ruhig und besonnen richtig, bzw. bestmöglich zu reagieren, ist das Gegenteil von Angst.

Wenn ein 16-jähriges Mädchen hunderttausende Kinder und Jugendliche in voller, offen gestandener Absicht in Angst und Panik versetzt, dann ist das eine Massenhysterie.
(Besserwisser könnten einwenden, es handle sich um die davon abzugrenzende Moralische Panik, aber diese Feinheiten sind etwas für den Elfenbeinturm.)

Wenn Politiker diese Massenhysterie unterstützen und noch mit schüren helfen, so dass sie auch auf weite Teile der Erwachsenen übergreift, dann ist das verantwortungslos.

Wer angstfrei, und damit gesünder als die Verängstigten leben will, muss sich klarmachen, wovor er eigentlich Angst hat. Wenn er das (restlos) herausgefunden hat, muss er sich die Frage beantworten, wie wahrscheinlich die Gefahren, vor denen er sich ängstigt, denn überhaupt eintreten werden und ob er überhaupt betroffen sein wird. Das kann allerdings mühselig sein. Oft bleiben die beängstigenden Botschaften absolut an der Oberfläche und liefern weitgehend faktenfreie, jedoch stark emotional eingefärbte Aussagen.

Am einfachsten ist es dann, im ersten Schritt für sich festzustellen: „Ich weiß fast nichts über XYZ. Warum also soll ich Angst davor haben?“ Das beruhigt erst einmal, und die abschließende Frage eröffnet den Weg für eigene Recherchen.

Wenn Sie dann feststellen, dass die NATO zehn Mal so viel Geld für Rüstung ausgibt wie Russland, dass die USA und die NATO seit 1949 weit mehr und weit größere Kriege geführt haben als Russland, wenn Sie sich die Frage stellen, wer Syrien kaputtbomben wollte und will, und wer dies bis heute verhindert hat, könnte es sein, dass Ihre Angst vor einem russischen Angriff auf Deutschland sich in Luft auflöst.

Sie sollten sich aber davor hüten, die überwundene Angst durch eine neue Angst vor USA und NATO zu ersetzen. Wenn etwas angebracht ist, dann ist es Vorsicht und bestmögliches Reagieren, zum Beispiel bei den nächsten Wahlen.

Das funktioniert mit Feinstaub, mit NOx, mit den Masern, mit der KI, mit der Altersarmut, dem Verkehrsunfall, der Inflation, dem Börsencrash, dem Meteoriteneinschlag und der Klimakatastrophe übrigens ganz genau so.

… und wenn Sie mit Ihren Ängsten einmal durch sind, wird es Ihnen wie Schuppen von den Augen fallen, wer welches Interesse daran hatte, Ihnen – und uns allen – diese Ängste einzujagen.

Um den Kreis zu schließen: Wir alle sterben irgendwann an irgendwas.

Angst vor dem Tod zu haben, ist sinnlos. Der Tod ist keine Gefahr, sondern eine unvermeidliche Gewissheit. Ist es nicht eine weitaus erfreulichere Einstellung, das eigene Leben bis dahin – umsichtig und mit der gebotenen Vorsicht – aber frei von quälenden und krankmachenden Ängsten auszukosten?

Der Artikel erschien zuerst auf  EGON-W-KREUTZER.DE

Egon W. Kreutzer ist Unternehmensberater, Autor und Verleger.

 

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.