Frank Hennig: „Teachers for Future“ – grünes Biedermeier im Windschatten | ET im Fokus

Von 3. April 2019 Aktualisiert: 3. April 2019 12:12
Warum scharren die Lehrenden erst jetzt mit den Füßen? Was haben sie bisher „fürs Klima“ getan? Die Proteste der Schüler sind doch auch ein Protest gegen die Lehrenden, die diese Gesellschaft über Jahre und Jahrzehnte bildeten und formten? Nun verstecken sie sich hinter Kindern, um ihr oft linksgrünes Weltbild auf die Straße zu tragen.
 

Die fortschreitende Gretaisierung unserer Kinder und Jugendlichen belebt die öffentliche Diskussion. Neben den interessierten Kreisen von Grünen, NGO`s, MLPD, Linksjugend und anderen Trittbrettfahrern, die sich tatkräftig einreihen und anfeuern, werden auch die Lehrer unruhig. Dabei handelt es sich neudeutsch um „Lehrende“, was impliziert, dass sie nicht immer eine pädagogische Grundausbildung genossen haben. Die zunehmende Zahl von Quereinsteigern, Ausdruck gleichsam einer erfolglosen Arbeit von Bildungspolitikern und Schulbehörden wie auch ungeregelter, nicht vorhersehbarer Zuwanderung, rechtfertigt durchaus die inhaltliche Wandlung des Lehrerbegriffs zum „Lehrenden“.

Die ZEIT, das Blatt zur Selbstvergewisserung des arrivierten linken Großbürgertums, kündet in ihrer Ausgabe vom 15. März nun vom Aufbruch der Lehrendenschaft.

„Sie scharren mit den Füßen, endlich selbst etwas zu tun“, heißt es in einem Interview. Eine vorgebliche Angst vor dem Arbeitgeber lässt sie klagen, in ihrem Fall wäre die Teilnahme an den Kinderdemos tatsächlich eine Arbeitsniederlegung, also ein Streik, für den sie gemaßregelt werden könnten. Vermutlich gelingt es nicht in jedem Fall, die Klassenzimmer freitags restlos von Schülern zu befreien, was ihre Teilnahme mangels Arbeitsgegenstand problemlos möglich machen würde. Offenbar gibt es noch Schüler mit einem gewissen Maß an Selbstdisziplin und Weitsicht, die auch freitags nach 12 etwas lernen wollen und Bankhocken dem Happening vorziehen.

Warum scharren die Lehrenden erst jetzt mit den Füßen? Was haben sie bisher „fürs Klima“ getan? Die Proteste der Schüler sind doch auch ein Protest gegen die Lehrenden, die diese Gesellschaft über Jahre und Jahrzehnte bildeten und formten? Nun verstecken sie sich hinter Kindern, um ihr oft linksgrünes Weltbild auf die Straße zu tragen. Sie wollen mehr „Klimaschutz“ im Unterricht vermitteln. Das besteht bekanntermaßen darin, die schlichte Weisheit „je mehr CO2, desto wärmer“ zu propagieren.

Einer auch nur flüchtigen Betrachtung der Erd- und Klimageschichte hält diese These nicht stand. Gleichwohl wird der Eindruck erweckt, dieser populistisch dargebrachte Zusammenhang und die darauf basierenden Computerprognosen seien so sicher, eindeutig und unangreifbar wie das Gravitationsgesetz.

„Klimaunterricht“ als Klimaschutzfolklore

Leider sind die Vorgänge in der Erdatmosphäre, beeinflusst von vielen Faktoren, sehr kompliziert. Eine seriöse Darlegung im Unterricht der höheren Klassen baut auf dem vermittelten und vorhandenen Wissen der naturwissenschaftlichen Fächer auf. In vielen Lehrplänen ist das Thema Klima bereits enthalten, meist im Fach Geographie. In den unteren Klassen bedeutet „Klimaunterricht“ nichts anderes als Klimaschutzfolklore.

Nun kommen die Lehrenden ängstlich aus der Deckung, durch den medial wohlwollenden Schatten der Schülerdemos geschützt. Die „ZEIT“, das neue Fachblatt für grüne Empörungskommunikation, dient immer weniger der Information als der Vermittlung von Haltung, wenn beispielsweise eine „Umweltaktivistin“ von einer anderen interviewt wird.

Im oben angeführten Artikel zur Lehrermobilisierung wird dramatisch verlautbart, ein Nichtlehrer müsse an der Spitze der Pädagogen-Erweckungsbewegung stehen, weil ein aktiver Lehrer gemaßregelt werden könnte. Im Interview mit diesem Nichtlehrer ist die Rede von zunächst sechs Interessenten, was sich angesichts der bereits von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften (GEW) auf die Beine gestellten Aktivitäten sehr bescheiden ausnimmt.

Sicherlich hängt es mit der schillernden Persönlichkeit dieses „Nichtlehrers“ zusammen, ein offenbar dynamischer und im wahrsten Sinne des Wortes zupackender Typ. Ulf Ralfs, heute Rentner, war früher urgrüner Kommunalpolitiker in Schleswig-Holstein. Einer von echtem Schrot und Korn, der eine zweifelhafte Bekanntheit erlangte, als er im Streit mit einem vermeintlichen Falschparker im Auto saß, das diesen anfuhr und auf der Motorhaube acht Kilometer „mitnahm“, auch für einige schnelle Autobahnkilometer.

In seinem Fahrradladen in Kiel konnte er sogar handgreiflich werden. Dass die „ZEIT“ Leuten wie ihm Öffentlichkeit gibt, verwundert bei Betrachtung unserer „Qualitätsmedien“ nicht. Aber das Interview scheint wenigstens nicht erfunden.

Vom Klimaschutz zum Antikapitalismus und zu einem neuen Sozialismusversuch

Den hinter den Demos stehenden Interessengruppen kann es nur recht sein, wenn zunächst Lehrer, Eltern und dann möglichst viele andere teilnehmen. Eine Art Großer Marsch von unten, der das Ausgangsproblem nicht mehr braucht, sondern im Namen eines religiös unterlegten Klimaschutzes die bestehende Ordnung angreift und letzten Endes den Weg freimacht für Schellnhubers Große Transformation, ohne Demokratie, aber mit einer Weltregierung. Ähnliches wollte schon Lenin.

Vom Klimaschutz zum Antikapitalismus und zu einem neuen Sozialismusversuch. Vergessen die Tatsache, dass in der verblichenen Sowjetunion, den RGW-Staaten, China, Nordkorea, Kuba und anderen staatszentralistischen Ländern der Zustand der Umwelt stets schlechter war und ist als in den kapitalistischen Industriestaaten.

Erwachsene schicken Greta vor, um Panik zu erzeugen. „Wir wollen eure Hoffnung nicht“, sagt sie und will den Boden für eine andere Gesellschaft bereiten. Panik bedeutet instinktives Handeln ohne nachzudenken. Genau das wollen die Hinterfrauen und –männer der Bewegung erreichen: Kein Nachdenken und Abwägen, keine Kompromisse und keine Betrachtung der Folgen. Sie wollen dasselbe wie die Ökolobby: Schnell viel Geld für die „Erneuerbaren“, schnelles Kohle-Aus, wenn nötig mit moralisch gebotener Gewalt und Gängelung der Bürger, damit diese klaglos zahlen und mit unangenehmen Folgen leben. Verfallende Infrastruktur, Altersarmut, wirtschaftlicher Abstieg – all das verschwindet hinter der Monstranz „Klimaschutz“.

Sie sind jung und können nicht wissen, dass sie instrumentalisiert werden

Absehbar könnte in vielen Stundenplänen für den Freitagnachmittag nun „Religionsunterricht“ stehen. Klima-Messen unter freiem Himmel. Dass Lehrende bald daran teilnehmen werden, dürfte wahrscheinlich sein. Den Kindern und Jugendlichen sollte man die Aktionen  nicht übel nehmen. Sie sind jung und können nicht wissen, dass sie instrumentalisiert werden. Auch sind sie in Summe sehr heterogen, wobei sich zwei große Gruppen herauskristallisieren, ohne jetzt behaupten zu wollen, dass es nicht auch andere gäbe: Die Überbehüteten und die Verwahrlosten.

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Die Indoktrination beginnt bereits im frühesten Kindesalter, wie man an einem Regionalbeitrag in der „Lausitzer Rundschau“ erkennen kann. Dort reisen Kita-Kinder in einem Workshop zum „Achtsamkeitsplaneten“. Die Moderatorin erklärte den Kindern, dass es der Erde schlecht gehe. Weiter heißt es dann: „Für Überraschung sorgt die Information bei den Kindern aber nicht so recht. Einige haben schon mitbekommen, dass zum Beispiel das Wetter sich in den letzten Jahren verändert hat.“ Soso, Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren entwickeln ein Wettergedächtnis über „die letzten Jahre“. Realistisch kann ihre Wahrnehmung nur darin sein, dass das Wetter verschieden ist, jedes andere „Spüren“ wird von Erwachsenen früh indoktriniert.

Während die Überbehüteten wohl meist willig in die Sprechchöre einfallen, werden sich die Verwahrlosten eher am Schulfrei freuen und anderen Aktivitäten nachgehen. Fraglich auch, wie die Kinder mit Migrationshintergrund reagieren. Im Gegensatz zu den deutschen Protestanten halten sich andere Religionen beim Klimathema zurück. Sie setzen andere Prioritäten.

Der Streik gegen sich selbst

Schlicht unzutreffend ist die Bezeichnung der Schülerdemos als „Streik“. Man streikt, um jemandem zu schaden, zum Beispiel einem Arbeitgeber im Arbeitskampf. Die Aktionen der Schülerinnen und Schüler sind ein Streik gegen sich selbst, denn sie haben den Schaden in Form verhinderter Bildung. Sie werden nicht mal stutzig, wenn sie für das Ziel ihrer Bewegung, mehr „Klimaschutz“, von den für den beklagten Zustand verantwortlichen „Klimapolitikern“ wie Merkel und anderen auch noch gelobt werden. Oder wenn Präsident Steinmeier mit dem Flugzeug  zum Solidaritätsbesuch anreist.

In beklemmender Weise teilen sich Regierung und Bildungswesen die Aufgaben, so wie es Reinhard Mey in seinem Lied „Sei wachsam“ zuspitzte: „Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm: Halt du sie dumm – ich halt’ sie arm!“

Dabei kommt den Lehrenden eine wichtige Rolle zu.

Frank Hennig ist Diplomingenieur für Kraftwerksanlagen und Energieumwandlung mit langjähriger praktischer Erfahrung. Wie die Energiewende unser Land zu ruinieren droht, erfährt man in seinem Buch Dunkelflaute oder Warum Energie sich nicht wenden lässt. Erhältlich in: www.tichyseinblick.shop

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.