Desinfektionsmittel selber herstellen – WHO-Rezepte genauso gut wie gekaufte Präparate

Von 6. März 2020 Aktualisiert: 16. März 2020 12:08
Die Angst vor dem Corona-Virus hat die Menschen – beziehungsweise die Regale für Desinfektionsmittel – im Griff. Leere Regale und Wucherpreise sind die Folge. Wer keine Desinfektionsmittel mehr kaufen kann, kann sie sich selbst herstellen. Die beiden DIY-Rezepte der WHO desinfizieren ebenso gut wie gekaufte Ware.

Während die Apotheken in der vergangenen Woche so viel Desinfektionsmittel verkaufen wie sonst in zwei Jahren, wurden aus einem Krankenhaus in Lübeck 200 Liter Desinfektionsmittel gestohlen. Auch in den Läden bekommen Kunden die Knappheit zu spüren und stehen vor leeren Regalen.

„Desinfektionsmittel sind derzeit knapp, in vielen Apotheken und beim Großhändler sind sie vergriffen“, sagte Thomas Preis, Chef des Apothekerverbands Nordrhein, der „Rheinischen Post“ am Montag. Dies sei aber kein Grund zur Panik. Zuvor warnte Preis vor der privaten Herstellung von Desinfektionsnmitteln.

Wir warnen grundsätzlich davor, Desinfektionsmittel selbst zu mixen – aus Haftungsgründen, aber auch aus medizinischen Gründen“, zitiert die Rheinische Post. Darüber hinaus unterliegen Desinfektionsmittel Arzneimittelgesetz.

Weiter sagte Preis. „Der Laie kann nicht unterscheiden, ob die Rezepte, die im Netz kursieren, Fake News oder gute Vorschläge sind.“

Die Beschränkung des Arzneimittelgesetzes hat die Bundesstelle für Chemikalien gelockert. Die Allgemeinverfügung „zur Zulassung 2-Propanol-haltiger Biozidprodukte zur hygienischen Händedesinfektion aufgrund einer Gefahr für die öffentliche Gesundheit“ erlaubt es Apothekern, ab sofort selbstständig Desinfektionsmittel herzustellen.

Offizielle Rezept-Empfehlung der WHO für Desinfektionsmittel

Ursprünglich 2010 veröffentlicht und für Entwicklungsländer gedacht, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO zwei Rezepte für die Herstellung von Desinfektionsmitteln.

Für 1 Liter benötigen Sie:

  • 833 ml Ethanol (96 % vol) ODER 750 ml Isopropylalkohol (99,8 % vol)
  • 42 ml Wasserstoffperoxid (3 % vol)
  • 15 ml Glycerin (98 % vol)
  • abgekochtes, abgekühltes ODER sterilisiertes Wasser

Ethanol, Isopropylalkohol, Wasserstoffperoxid und Glycerin können Sie in der Apotheke oder im Internet kaufen.

Außerdem benötigen Sie:

  • Mischgefäß, mindestens 1 Liter, am besten mit Markierung
  • Messbecher
  • Gefäß(e) zur Aufbewahrung: am besten Apothekerflaschen aus Braunglas, ansonsten auch Schraubgläser, Kosmetikfläschchen oder Sprühflaschen

So geht’s:

  1. Füllen Sie zuerst den Alkohol, Ethanol oder Isopropylalkohol, in das Mischgefäß und geben sie anschließend das Wasserstoffperoxid dazu.
  2. Geben Sie danach das Glycerin hinzu. Da Glycerin sehr zäh ist, empfiehlt es sich den Messbecher oder -zylinder mit abgekochtem Wasser auszuspülen. Geben Sie dies ebenfalls in das Mischgefäß
  3. Füllen Sie die Mischung bis zur 1-Liter-Markierung mit abgekochtem, sterilem oder destilliertem Wasser auf.
  4. Sofern möglich, schließen Sie das Mischgefäß mit einem Deckel, um Verdunstung zu vermeiden. Anschließend mischen Sie die Flüssigkeiten durch sanftes Schütteln oder Rühren.
  5. Füllen Sie das Desinfektionsmittel zur Aufbewahrung sofort nach dem Mischen in andere Gefäße um, und lassen Sie sie 72 Stunden ruhen. Dadurch werden alle Keime in der Flüssigkeit oder an den (wiederverwendeten) Fläschchen zerstört.

Waschen Sie Ihre Hände vor dem Desinfizieren, so kann das Mittel besser wirken. Bei der Desinfektion halten Sie Ihre Hände oder Oberflächen mindestens 30 Sekunden feucht. Anschließend sollten Sie Ihre Hände nochmals mit klarem Wasser waschen, da das Desinfektionsmittel Reizungen der Haut verursachen kann.

Kommen Sie gerade nach Hause, empfiehlt es sich die Hände NACH dem Öffnen aber VOR dem Schließen der Haustür zu desinfizieren. So bleiben die Keime draußen und Sie müssen mit desinfizierten Händen keine möglicherweise kontaminierten Türklinken anfassen.

diy-Desinfektionsmittel genauso gut wie gekaufte

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Forscher um Prof. Dr. Eike Steinmann, Leiter der Arbeitsgruppe Virustransmission am Institut für Experimentelle Virologie an der Ruhr-Universität Bochum, haben bereits 2017 untersucht, welche Wirkung die diy-Mittel haben und verglichen Sie mit, zehnmal teuren, gekauften Produkten. Die Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im „Journal of Infectius Deseases„.

„Die beiden Desinfektionsmittel wurden für den Einsatz gegen Ebola-, Zika- und die Coronaviren nie getestet und die WHO spricht auch bewusst keine Empfehlungen für ihren Einsatz in diesen Fällen aus“, erklärte Steinmann. Sein Team konnte jedoch beweisen, dass die selbst gemischten Desinfektionsmittel diese Viren tatsächlich unschädlich machen können. Besonders effektiv zeigten sich die Mischungen gegen SARS-, MERS- und Zika-Viren.

Prof. Günter Kampf vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Universität Greifswald schreibt im Journal of Hospital Infection, Coronaviren können bei Zimmertemperatur unter anderen auf Stahl, Alu und Glas etwa fünf Tage überleben, auf Plastik sogar bis zu neun Tage. Kälte und Feuchte kommen den Viren zugute während ihnen sommerliche Temperaturen über 30 °C schaden.

Darüber hinaus zeigten Kampfs Forschungen, dass Ethanol ab 62 Volumenprozent und Isopropanol ab 70 Volumenprozent besonders effektiv gegen Viren sind. Beide Alkohole verkürzten die Lebensdauer der Viren auf Oberflächen auf etwa 30 Sekunden.

Ebenfalls wirksam zeigten sich andere häufige Bestandteile von Desinfektionsmitteln, wie Chlorhexidin, Wasserstoffperoxid, Formaldehyd, Natriumhypochlorit oder Glutaraldehyd. In den verwendeten Standardkonzentrationen senkten sie die Lebensdauer der Viren durchschnittlich auf zehn Minuten. Daraus schlussfolgerte das Team:

Die Desinfektion von Oberflächen mit 0,1-prozentigem Natriumhypochlorit oder 62- bis 71- prozentigen Alkohol senken das Infektionspotential von Coronaviren innerhalb von einer Minute. Wir erwarten uns ein ähnliches Verhalten von SARS-CoV-2.“

Anforderungen und Wirkungsweise der Stoffe:

Alkohol und Wasserstoffperoxid

In beiden Mischungen der WHO ist Alkohol die aktive Komponente, dennoch ist reiner Alkohol zur Desinfektion nicht empfehlenswert. Wasserstoffperoxid (H2O2) hilft Sporen und Keime in der Mischung zu neutralisieren, spielt aber bei der eigentlichen Händedesinfektion keine Rolle.

Glycerin

Ebenfalls nur eine Nebenrolle übernimmt das Glycerin. Das Glycerol wirkt feuchtigkeitsspendend und hilft die Hautverträglichkeit zu erhöhen. Weniger Glycerin macht das fertige Desinfektionsmittel weniger „klebrig“, führt mitunter aber zu stärkeren Reizungen der Haut durch die anderen Stoffe.

Statt Glycerin könnten auch andere Hautpflegeprodukte eingesetzte werden – vorausgesetzt, sie sind billig und allgemein verfügbar und mit Wasser und Alkohol mischbar sind und nicht zur Toxizität beitragen, oder Allergien fördern.

Wasser

Statt destilliertem oder sterilisiertem Wasser kann auch erkaltetes abgekochtes Wasser verwendet werden. Die WHO verweist jedoch darauf, dass es in jedem Fall „frei von sichtbaren Verschmutzungen“ sein muss.

Farb-, Duft- und Zusatzstoffe

Zur Unterscheidung von anderen Flüssigkeiten kann ein Farbstoff hinzugefügt werden. Dieser sollte aber nicht zur Toxizität beitragen, Allergien fördern oder die antimikrobielle Eigenschaften beeinträchtigen.

Die Zugabe von Duftstoffen oder ätherischen Ölen ist indes nicht empfehlenswert, da diese allergische Reaktionen hervorrufen können. Andere Stoffe dürfen laut WHO nicht beigemischt werden, andernfalls kann die desinfizierende Wirkung nicht garantiert werden.

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