Das Handout des Alfred-Wegener-Instituts zeigt das deutsche Forschungsschiff «Polarstern», das sich in der Arktis dem Nordpol nähert.Foto: Steffen Graupner/Alfred-Wegener-Institut/dpa/dpa

Arktischer Ozean bestand während Eiszeiten komplett aus Süßwasser

Epoch Times3. Februar 2021 Aktualisiert: 4. Februar 2021 9:06
Eis- und Warmzeiten prägen seit Jahrmillionen die Erde – und hinterließen tiefe Spuren. So haben Forscher Alfred-Wegener-Instituts herausgefunden, dass der Meeresspiegel in der Vergangenheit über 100 Meter tiefer lag als heute. Das machte die Beringstraße zur Landbrücke und das Nordpolarmeer zum größten Süßwassersee der Welt. Zweimal.

Der Arktische Ozean rund um den Nordpol war nach Erkenntnissen deutscher Forscher in den vergangenen 150.000 Jahren mindestens zweimal komplett von einer kilometerdicken Eisschicht bedeckt und bestand darunter aus reinem Süßwasser. Das fanden Wissenschaftler des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) und des Zentrums für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen nach Angaben vom Montag durch geowissenschaftliche Analysen heraus.

Demnach reichten schwimmende Ausläufer der Eispanzer auf den Kontinenten während der sogenannten Saale-Eiszeit vor 150.000 bis 130.000 Jahren und zu Zeiten der Weichsel-Eiszeit vor 70.000 bis 60.000 Jahren bis in das Nordpolarmeer. Unter den mehr als 900 Meter dicken Schichten reicherte sich mit der Zeit ausschließlich Süßwasser an, wie die Forscher in der Fachzeitschrift „Nature“ berichteten. Dies zeigten Analysen der Sedimente am Meeresboden.

Bislang fehlten nach AWI-Angaben wissenschaftliche Erkenntnisse über die Ausdehnung der eiszeitlichen Eisschilde im Arktischen Ozean. So heißt das mehr als 15 Millionen Quadratkilometer große Meeresgebiet, das sich nördlich von Kanada, Skandinavien und Russland erstreckt und die gesamte Nordspitze der Erde bedeckt.

„Binnensee“ Nordpolarmeer

Die komplette Versüßung der Wassermassen unter dem Eis erklären die Experten dabei durch den damals deutlich niedrigeren globalen Meeresspiegel, der während der Eiszeiten 130 Meter unterhalb des heutigen Niveaus lag. Dadurch lagen Durchbrüche zwischen dem Arktischen Ozean sowie Pazifik und Atlantik trocken, darunter etwa die Beringstraße. Andere Verbindungen waren wohl durch bis zum Meeresgrund reichende Eisschichten sowie Eisberge verstopft.

Unterhalb des Eises reicherte sich dann im Verlauf tausender Jahre immer mehr Süßwasser an, das während der sommerlichen Eisschmelze und durch große Flüsse in den Arktischen Ozean gelangte. Die Erkenntnisse der Forscher beruhen dabei auf der Entdeckung, dass in Sedimentablagerungen der fraglichen Zeiten ein sonst charakteristisches Isotop des Elements Thorium fehlt.

Dieses entsteht durch den natürlichen Zerfall des Schwermetalls Uran in salzhaltigem Meerwasser und ist aufgrund seiner großen Halbwertszeit lange nachweisbar. Seine Abwesenheit lasse nur den Schluss zu, dass der Ozean damals aus Süßwasser bestand, teilten die Experten mit. Eine andere plausible Erklärung gebe es nicht. (afp/ts)



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