Wenn Meisen speisen und Spatzen schmatzen

Im heimischen Meisenkino verfliegt schlechte Laune binnen Minuten, die Vorführungen von „Vorsichtige Blicke aufs Buffet“, „Ein Körnchen zum Mitnehmen“ und „Die ausgelassene Essensschlacht“ sind stets ausgebucht.
Spaß-Vögel: ein kleiner „Dreckspatz“
Diesem Spatz sieht man sofort an, was es zu essen gab: gelbe Hirse.Foto: kms/Epoch Times
Von 15. März 2023

Deutschland, 7. März 2023 um 7:42 Uhr morgens. Die Temperaturen liegen bei plus ein Grad Celsius – Wind und Schneegestöber schränken die Sicht ein. Dennoch herrscht im Luftraum ein reger Betrieb.

Der Tower überwacht die Flugaktivitäten und vermeldet fünf Verkehrsteilnehmer. Während einer von ihnen soeben die Landung erfolgreich absolvierte, setzt der Zweite gerade erst an. – Gar nicht so leicht, bei diesen Wetterbedingungen. Und da passiert es: Zwei noch in der Luft befindliche Piloten stoßen beinah zusammen. Sie können das Manöver gerade noch retten und erreichen unfallfrei und ohne Schleudersitz den sicheren Boden.

Spaß-Vögel: Imposante Flugmanöver

Flugmanöver am Morgen sind keine Seltenheit. Zur Essenszeit sind gut und gern fünf Vögel gleichzeitig da. Foto: kms/Epoch Times

Dieses Schauspiel ereignete sich soeben in meinem heimischen „Vogelkino“. Die Hauptdarsteller: Feldspatzen (Passer montanus), Blaumeisen (Cyanistes caeruleus) und Kohlmeisen (Parus major). Dies sind aber nur drei der knapp 20 Vogelarten, die unser Futterhäuschen seit seiner Anbringung vor wenigen Monaten besuchen. Das Häuschen selbst war eine Lampe, die vor vielen Jahren ein asiatisches Restaurant zierte.

Der erste Sack mit fünf Kilogramm Körnern, Nüssen und Samen waren bereits nach drei Wochen alle. Bei diesem Verbrauch erschien es uns logisch, etwas vorzusorgen. Also kauften wir einen satten 25-Kilogramm-Sack – die geliebten Erdnüsse gab es in einem zusätzlichen Sack.

Spaß-Vögel

Doppelkorn für die Kohlmeise? Dieser Vogel hat seinen Schnabel sprichwörtlich sehr voll genommen. Foto: kms/Epoch Times

Banditen am Futterhäuschen

Doch Pustekuchen: Einige Samen treffen scheinbar nicht so ganz den Geschmack unserer gefiederten Freunde. Vor allem der Kleiber (Sitta europaea) weiß seine Meinung kundzutun: Mit einem beherzten Schnabelschwung wird das unappetitliche Getreide aus dem Futterhäuschen gefegt, um an die viel leckereren Erdnüsse zu kommen.

Spaß-Vögel: Der Kleiber räumt aus

Randale am Futterhäuschen: Beim Kleiber fliegen nicht die Fetzen, sondern unbeliebte Körner. Foto: kms/Epoch Times

Die verschmähten Körner landen schließlich direkt auf unserer Terrasse. Wenn nicht gerade frischer Schnee fällt, kann man regelmäßig die Spuren der Essensschlacht begutachten. Gelegentlich schaut das kleine Rotkehlchen (Erithacus rubecula) vorbei und bedient sich ganz bequem an den (Speise-)Resten. Alles frisst es natürlich nicht, sonst könnte es vollgefressen von unserer Terrasse rollen.

Spaß-Vögel: Räumkommando bei der Arbeit

Das Rotkehlchen-Räumkommando kümmert sich um heruntergefallene (oder geworfenen) Körnchen. Foto: kms/Epoch Times

Doch wir sehen es mit Humor: Was danach noch übrig bleibt, wird zusammengekehrt und im Garten ausgestreut. Mit etwas Glück wächst in den kommenden Monaten neues Vogelfutter heran. Uns’re Lehr‘ von der Geschicht‘: Das Getreide mögen sie nicht. Wieder etwas, das wir für den nächsten Vogelfuttereinkauf gelernt haben.

Alles in allem überwiegt aber deutlich die Freude der Familie an den fliegenden Besuchern. Egal ob riskante Flugmanöver, akrobatische Versuche, an das Futter zu kommen oder ein beeindruckender „Ich-habe-hier-das-Sagen“-Wettbewerb zweier Vögel – man hat immer etwas zu lachen. Sollte schlechte Laune vorhanden sein, ist sie binnen weniger Minuten der Vogelbeobachtung davongeflogen. Doch vor allem lernt man die Natur und ihre einheimischen – manchmal weniger bekannten – Bewohner kennen.

Spaß-Vögel: Zwei zankende Meisen

Beim Essen hört die Freundschaft auf. Obwohl das Futterhaus randvoll ist, streiten sich die Vögel mitunter um jedes Korn. Foto: kms/Epoch Times

Spaß-Vögel: Der schmatzende Spatz

Je höher der Futterknödel hängt, desto länger ist der Spatz. Foto: kms/Epoch Times

Seltene Vögel

Ein gelegentlicher Gast unseres Futterhäuschens ist die Haubenmeise (Lophophanes cristatus) – bei uns liebevoll „Haubi“ oder „Punk-Meise“ genannt. Sie ist sehr schreckhaft und schaut oft nur für ein „Körnchen zum Mitnehmen“ vorbei.

Die Haubenmeise wirkt mit ihrer Irokesenfrisur sehr rebellisch, ist aber ein netter und scheuer Vogel. Foto: kms/Epoch Times

Seltene, aber kräftige Farbtupfer sind dagegen der Erlenzeisig (Spinus spinus) und die Goldammer (Emberiza citrinella). Letztere beäugte mehrfach vom benachbarten Flieder aus neugierig unser Futterhäuschen – traute sich in unserer Anwesenheit aber noch nicht zu einem Snack vorbeizukommen. Ganz anders der Erlenzeisig. Dieser war zwar zunächst allein zu Gast, brachte ein paar Wochen später aber weitere Artgenossen mit.

Der Erlenzeisig bringt Farbe ans Futterhäuschen. Foto: kms/Epoch Times

Stiller Beobachter: Die Goldammer beäugt zunächst einmal das Buffet. Foto: kms/Epoch Times

Am meisten überrascht hat mich eines Tages jedoch ein seltenes Vogeltrio. Ich war gerade dabei, mein neues Kameraobjektiv auszuprobieren, als drei kleine, kugelrunde Vögel mit extrem langen Schwanzfedern unseren Meisenknödel überfielen. Eine halbe Stunde unter Dauerauslöser später zogen sie weiter. Dies war das erste und bislang letzte Mal, dass ich diese wunderschönen Vögel gesehen habe.

Spaß-Vögel: Schwanzmeisen

Raritäten am Meisenknödel. Gleich drei Neulinge besuchten unsere Futterstelle – leider bislang einmal und nie wieder. Foto: kms/Epoch Times

Verblüfft von den Gästen, suchten wir sogleich unser Vogelbestimmungsbuch nach den Neulingen ab. Unter den Meisen wurden wir schließlich fündig und erfuhren, dass unsere Besucher Schwanzmeisen (Aegithalos caudatus caudatus) waren. Sie kommen zahlreich und deutschlandweit in Wäldern und buschreichen Parks vor. Für meine Familie, Bekannten und Freunde war diese Vogelart allerdings völlig neu.

Klein, kugelrund und Schwanzfedern, die mindestens doppelt so lang sind wie der Körper. Der Name der Schwanzmeise ist Programm. Foto: kms/Epoch Times



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