Blick in das Saale-Tal mit dem Pumpspeicherwerk Hohenwarte 2 in Thüringen. Das 1966 in Betrieb genommene Wasserkraftwerk liefert in Spitzenzeiten bis zu 320 Megawatt Energie. (Foto: AP Photo/Eckehard Schulz)

22 Millionen GWh Strom mit Wasserkraft speicherbar – weniger als 1 Prozent weltweit benötigt

Epoch Times21. September 2019 Aktualisiert: 21. Februar 2020 14:28
Wind und Sonne können unbegrenzt günstigen Strom erzeugen. Da Wind und Sonne aber weder vorhersehbar noch konstant sind, ist eine Speicherung besonders wichtig. Australische Forscher sind der Meinung, dass der weltweite Strombedarf hundertfach mit Wasserkraft abgedeckt werden kann.

Beim Thema Stromerzeugung geht es hauptsächlich um die verlässliche Versorgung von Strom. Besonders in Verbindung mit den erneuerbaren Energien sind Speicherkapazitäten gefragt. Ein bewährtes – und ebenso regeneratives – Konzept dafür ist Wasserkraft aus Pumpspeicherkraftwerken.

Dass die jetzigen Wasserkraftwerke nur einen Bruchteil des Strombedarfs decken könnten, steht außer Frage. Australische Forscher haben jedoch mit einer Studie für Aufsehen gesorgt, wonach es weltweit über 600.000 Standorte gibt, die zusammen weit mehr als den weltweiten Energiebedarf speichern könnten.

Matthew Stocks von der Australian National University (ANU) erklärt dieses Phänomen wie folgt: „Schon ein kleiner Bruchteil der von uns identifizierten Standorte würde für ein globales Stromsystem mit 100 Prozent erneuerbarer Energie ausreichen. Wir haben so viele davon identifiziert, dass deutlich weniger als die besten 1 Prozent wirklich gebraucht würden.“

Als Datengrundlage dient den Wissenschaftlern ein Algorithmus, der speziell für australische Verhältnisse entwickelt wurde und die topografischen Daten des Landes ausgewertet hat. Im nächsten Schritt erweiterten sie das Gebiet um die anderen Erdteile.

Wasserkraft erzeugt Strom – Strom erzeugt Wasserenergie

Elektrischer Strom lässt sich nur begrenzt speichern. Einerseits ist die Energiedichte in Batterien relativ niedrig, andererseits entladen sie sich selbst. Strom lässt sich jedoch auch indirekt über andere Energieformen speichern, besonders bewährt haben sich dabei Pumpspeicherkraftwerke.

Im Gegensatz zu Laufwasserkraftwerken, die durch den Wasserstrom eines Flusses angetrieben werden, speisen sich Pumpspeicherkraftwerke aus zwei unterschiedlich hoch gelegenen Wasserreservoirs. Diese kostengünstige Technologie stellt bereits jetzt 97 Prozent der weltweiten Speicherkapazität zur Verfügung.

Das Prinzip ist einfach: Wird Strom benötigt, fließt Wasser vom Oberbecken über die Turbinen ins Unterbecken. Dabei wandelt sich die potentielle Energie zunächst in kinetische Energie um – Wasser fließt von oben nach unten – danach in mechanische Energie – Wasser dreht die Laufräder der Turbinen- und anschließend in elektrische Energie um – die sich drehende Turbine treibt einen Generator an.

In Zeiten des Stromüberschusses arbeiten die Generatoren als Elektromotoren und pumpen mit den sich rückwärts drehenden Turbinen Wasser vom Unterbecken wieder ins Oberbecken. Da die Wirkungsgrade von Wasserkraftturbinen und Elektromotoren sehr hoch ist, halten sich die Verluste in Grenzen. Solange der Damm des Oberbeckens dicht ist, findet zudem keine Selbstentladung (außer der Verdunstung) statt.

Erstmals eine halbe Million potentieller Wasserkraft-Standorte identifiziert

Der ideale Standort eines Pumpspeicherkraftwerks liegt zwischen zwei unterschiedlich hoch gelegenen Seen. Kraftwerke in Norwegen nutzen mitunter auch einen See im Küstenhinterland und einen Fjord, doch auch künstliche Seen können als Speicherbecken dienen.

Die Suche nach eben jenen Orten für künstliche Seen war der Inhalt der Forschungsarbeit der Australian National University. Als Kriterien definierten sie einen Höhenunterschied von mindestens 100 Metern, eine Reservoir-Größe von 1 Million Kubikmeter und ein Gefälle von fünf Prozent.

Mit über einer halben Million geeigneten Standorten identifizierten die Wissenschaftler erstmals ausreichend Speicherkapazitäten und den weltweiten Strombedarf abdecken zu können. Von insgesamt 22 Millionen Gigawattstunden Wasserstrom aus 616.000 potentiellen Standorten benötigt die Menschheit lediglich ein Prozent.

Ergebnisse der Studie zeigen außerdem, dass die Verfügbarkeit in Australien und Malaysia den tatsächlichen Bedarf tausendfach übersteigt. Auch in Westeuropa existieren deutlich mehr Standort als benötigt, das Überangebot liegt jedoch am anderen Ende des Spektrums.

In Deutschland kommt sowohl der Alpenraum als auch der Harz in Frage, einzelne Standorte haben die Forscher jedoch nicht weiter untersucht. Ihre Studie solle in erster Linie Standort-Möglichkeiten aufzeigen. Die tatsächliche Realisierung jedes einzelnen Kraftwerks bedarf weiteren Untersuchungen. (ts)


Unterstützen Sie unabhängigen und freien Journalismus

Danke, dass Sie Epoch Times lesen. Ein Abonnement würde Sie nicht nur mit verlässlichen Nachrichten und interessanten Beiträgen versorgen, sondern auch bei der Wiederbelebung des unabhängigen Journalismus helfen und dazu beitragen, unsere Freiheiten und Demokratie zu sichern.

Angesichts der aktuell schwierigen Zeit, in der große Tech-Firmen und weitere Player aus dem digitalen Werbemarkt die Monetarisierung unserer Inhalte und deren Verbreitung einschränken, setzt uns das als werbefinanziertes Nachrichten-Portal unter großen Druck. Ihre Unterstützung kann helfen, die wichtige Arbeit, die wir leisten, weiterzuführen. Unterstützen Sie jetzt Epoch Times indem Sie ein Abo abschließen – es dauert nur eine Minute und ist jederzeit kündbar. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Monatsabo ab 7,90 Euro Jahresabo ab 79,- Euro

Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion