Polizei entlarvt ehemaligen SPÖ-Politiker als Scammer
Polizei entlarvt ehemaligen SPÖ-Politiker als Scammer.Foto: iStock

Anklage gegen Ex-SPÖ-Stadtrat: Mit pornografischen Bildern Amazon-Gutscheine erpresst

Von 5. Juli 2022 Aktualisiert: 5. Juli 2022 15:05
Als Scammer soll sich ein mittlerweile aus der SPÖ ausgetretener Stadtrat aus Traun entpuppt haben. Er soll mit einem Fake-Profil als 15-jähriges Mädchen posiert, pornografische Bilder ausgetauscht und seine Chatpartner erpresst haben. Nun wurde Anklage erhoben.

Mit seiner Tätigkeit als Stadtrat unausgelastet war offenbar ein mittlerweile zurückgetretener und aus der Partei ausgetretener SPÖ-Politiker aus dem oberösterreichischen Traun. Im Juni des Vorjahres wurde er als mutmaßlicher Internet-Erpresser und Scammer (zu Deutsch: Betrüger) geoutet.

Nun hat die Staatsanwaltschaft in Linz an der Donau Anklage wegen schwerer gewerbsmäßiger Erpressung, Betrugs und Besitzes von kinderpornografischem Material erhoben, wie unter anderem der „Standard“ berichtet. Der Prozess soll, wie ein Sprecher der Behörde der Nachrichtenagentur APA gegenüber bestätigt habe, im Herbst beginnen.

Erpresste des früheren SPÖ-Politikers bekamen selbst Anzeigen

Der Anklage zufolge hat sich der Ex-Politiker auf einer Online-Kontaktbörse für Homosexuelle angemeldet. Dabei soll er ein Fake-Profil genutzt haben, das ihn als 15-jähriges Mädchen auswies. Nutzern, die einen Chatkontakt mit ihm aufbauten, begann er irgendwann damit, gestohlene erotische Fotos zu schicken und ebensolche von seinen Chatpartnern einzufordern.

Mithilfe dieser Bilder soll er diese anschließend erpresst haben. Meist ging es dabei um Amazon-Gutscheine im Wert von 300 bis 400 Euro. Bekannt sind der Polizei bis dato elf mutmaßliche Opfer. Jedoch soll es noch eine einstellige Anzahl weiterer Geschädigter geben, die noch nicht identifiziert werden konnten.

Aufgeflogen war der Betrug, nachdem ein 55-jähriger Betroffener Anzeige erstattet hatte. Gegen ihn und die anderen wurde später selbst Anklage wegen Besitzes von Kinderpornografie erhoben.

Rudolf Scharinger, zu diesem Zeitpunkt amtierende SPÖ-Bürgermeister der Stadt Traun, sagte gegenüber „meinbezirk.at“, der Stadtrat habe ihm gegenüber erklärt, er „übernehme die volle Verantwortung für sein Handeln“. Zudem zeigte er sich „beschämt und bedaure zutiefst den Schaden und das Leid, das er damit angerichtet habe. Er hat sich auch mir gegenüber aufrichtig entschuldigt.“ Scharinger bedauerte die „durchaus erfolgreiche Arbeit der letzten Jahre“, die der Stadtrat sich damit zerstört habe.

Im internationalen Vergleich ein „kleiner Fisch“

Dem mutmaßlichen Scammer aus Traun ging es offenbar vorwiegend um Amazon-Gutscheine. Betrug und Erpressung im Internet (sogenanntes Romance Scamming oder Catfishing) ist jedoch weltweit ein Millionengeschäft. Bereits im Jahr 2011 ging das FBI in den USA von einer Betrugssumme von mehr als 50 Millionen US-Dollar aus. Dabei überwiesen US-Staatsangehörige beispielsweise Gelder an afrikanische Romance Scammer.

Zu Beginn waren vor allem kostenlose Singlebörsen das bevorzugte Jagdrevier der Betrüger. Mittlerweile haben sie soziale Netzwerke für sich entdeckt. Nachdem Facebook seine Vorkehrungen verschärft hat, sind sie nun häufiger auf Instagram unterwegs. Ihr Ziel ist es, ihre Opfer in immer intimere Unterhaltungen zu verwickeln und sie am Ende entweder zur Überweisung von Geld zu bewegen oder mit gesammelten Informationen zu erpressen. In einigen besonders gravierenden Fällen haben Opfer von Online-Scammern sogar Selbstmord verübt.

Alarmsignale bezüglich Scamming sind unter anderem Angaben über vermeintlich solide Berufe wie Arzt, Unternehmer oder Armeeoffizier. Außerdem sind die Betrüger oft schnell dazu bereit, auf Tuchfühlung zu gehen und hegen den Wunsch, die Unterhaltung auf Instant-Messaging-Dienste zu verlagern. Auch die Verweigerung von Videotelefonaten dient im Regelfall der Verschleierung der wahren Identität.

Wie stark der Befall des eigenen Instagram-Accounts mit Scamming-Profilen ist, lässt sich unter anderem über die Insights nachvollziehen. Dabei führt die Spur sehr häufig nach Afrika. Profile, die eine Vielzahl an Followern haben und deren Interaktionen Ländern wie Gambia, Nigeria und der Elfenbeinküste zugeordnet sind, stehen oft im Visier der Polizei.



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