Am Schwedenplatz in Wien, 3. November 2020.Foto: JOE KLAMAR/AFP via Getty Images

Pressespiegel zum Terror in Wien: Attentäter hatte „zumindest paramilitärisches Training“

Von 3. November 2020 Aktualisiert: 3. November 2020 20:45
Sowohl in der traditionellen Presse als auch in sozialen Medien beherrschte der Terror in Wien die Szenerie. Die Reaktionen reichten von Kampfansagen an den Islamismus bis hin zu Analysen über die Entwicklung künftiger Bedrohungen durch einen wiedererstarkten "Islamischen Staat".

Der Terroranschlag vom Montagabend (2.11.) in der Wiener Innenstadt hat in traditionellen und sozialen Medien weit über Österreich hinaus ein umfangreiches Echo gefunden. Dieses reichte von Relativierungen unter Verweis auf rechten Terrorismus auf der einen Seite bis hin zu markigen geopolitischen Kampfansagen auf der anderen.

Österreich: Streit über Presse-Berichterstattung am Abend des Terrors

Schelte gab es in Konkurrenzmedien wie den „Oberösterreichischen Nachrichten“ für die Berichterstattung der Marktführer „oe24“ und „Kronen Zeitung“ am Abend des Anschlages. Diese hätten „für die Quote den Voyeurismus bedient“, indem sie das Ersuchen aus Bundeskanzleramt und Innenministerium ignoriert hätten, Videos des Terroranschlags online zu stellen. Man habe stattdessen „ungepixelte Bilder in die Welt verschickt, die alle journalistischen Grundregeln ignorieren – bis zur Erschießung eines Passanten“.

In einem der auf diese kritisierten Formate, der „Krone“, hat Michaela Braune einen sehr persönlichen Kommentar unter dem Titel „Nein, ihr werdet mir mein Wien nicht wegnehmen!“ verfasst. Darin erklärte sie, sie habe als Journalistin in Paris, Brüssel und London Terroranschläge in ganz Europa mitbekommen, aber nicht gedacht, dass etwas in dieser Art in Wien denkbar wäre:

Jetzt ist es wirklich passiert und auch am Tag danach erscheint es noch so unfassbar. Doch ich kenne meine Stadt. Wir werden der Angst nicht nachgeben. Wir werden uns nicht vom Hass treiben lassen. Denn das wäre genau das, was mit diesem feigen Terror erreicht werden soll. Und dazu sind wir Wiener vielleicht auch schlichtweg zu stur. Unser Zusammenhalt ist stärker als die Gewalt.“

FAZ: Ereignisse von Wien Anzeichen für Renaissance des IS

In der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) sieht Nahostexperte Rainer Hermann Anzeichen für eine generelle Renaissance der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS). Er verweist auf das anhaltende Machtvakuum in Teilen Syriens und des Iraks, den Rückzug der Amerikaner und die Corona-Pandemie, die auch der Ausbildung staatlicher Sicherheitskräfte schade.

Einen neuen Bürgerkrieg auf breiter Ebene und eine noch stärkere Offensive in Europa könnte es geben, sollte es vielen der mehr als 10.000 in Nordsyrien inhaftierten IS-Kämpfern gelingen, auszubrechen. In diesem Fall würde die Ideologie des „islamistischen Nihilismus“, wie Olivier Roy es nennt, auch in den Heimatländern der 2.000 ausländischen Kämpfer, die sich darunter befänden, wieder mit bewusster Barbarei und Brutalität Bahn brechen.

„Der islamistische Terror wird bleiben und mutmaßlich sogar zunehmen, solange der IS auf Rückzugsgebiete, vor allem im Nahen Osten, und in Europa auf Netzwerke von Sympathisanten zurückgreifen kann“, schreibt Hermann. Es sei aber schwieriger als noch in den 2010er Jahren geworden, große koordinierte Terroranschläge zu verüben, sodass eher Einzeltäter in den Fokus rücken.

OÖN und „Welt“ rücken Erdoğan in die Nähe des Terrors

Kämpferisch geben sich unterdessen die Chefredakteure Ulf Poschardt („Welt“) und Gerald Mandlbauer („OÖN“). Poschardt fordert ein Ende der „Deeskalationsrhetorik nach islamistischen Anschlägen“ und preist Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und den „oft diffamierten Großintellektuellen Alain Finkielkraut“ als Vorbilder. Es gehe darum, einen Kampf aufzunehmen: „wir, die aufgeklärten Europäer, gegen einen unaufgeklärten, über das eigene Scheitern verbitterten Islamismus“.

Weder dürfe, so Poschardt, zugelassen werden, dass „im islamischen Schulunterricht die Scharia über das Grundgesetz gestellt wird“, noch dürften „gesellschaftliche Parallelräume entstehen, die sich von den Werten der Republik abschotten“.

Mandlbauer betont, Österreich und die freien Demokratien hätten nur eine Handlungsoption. Sie müssten „der Herausforderung ihrer Gesellschaftsform mit aller zur Verfügung stehenden staatlichen Macht die Stirn bieten“. Dies schließe

die Bereitschaft ein, jene zu benennen, die den Nährboden für die radikalen Muslime aufbereiten“.

Beide nutzen die Kommentarspalten auch für einen Frontalangriff auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Dieser sei „vor allem ein Feind dieses freien Europas und der europäischen Werte“, seine Rhetorik gegen Macron „im Gestus wie in der Verbitterung des Verlierers symptomatisch für den kulturellen und politischen Abstieg jenes Teils der islamischen Welt, der sich der Gegenwart und der Moderne verweigert“, meint Poschardt.

Mandlbauer schreibt, Erdoğan sei ein Politiker, „der seine Bedeutung daraus zieht, dass er sich am Westen reibt und diesen Konflikt zum Kulturkampf erklärt“.

Türkische Medien üben Solidarität mit Österreich

Dem widerspricht die Reaktion des türkischen Außenministeriums und anderer Regierungsbehörden in Ankara, welche die „Hürriyet“ dokumentiert. „Wir sind traurig über die Nachricht, dass es infolge des Terroranschlags in Wien Tote und Verwundete gibt“, hieß es noch am Montagabend aus dem Ministerium. „Wir verurteilen diesen Angriff aufs Schärfste, sprechen den Familien derjenigen, die ihr Leben verloren haben, unser Beileid aus und wünschen den Verwundeten eine baldige Genesung.“

Als Land, das „seit Jahrzehnten gegen alle Arten von Terrorismus kämpft“, stehe die Türkei „in Solidarität mit dem österreichischen Volk.“

Auch der staatliche Auslandssender „TRT Deutsch“ dokumentiert die Erklärung diplomatischer Stellen der Türkei und gibt dabei eine Erklärung des Zentralrats der Muslime in Deutschland wieder, in der es heißt:

„Die Terroristen trachten nach unserem Leben, nach unserer Freiheit und wie wir hier in Europa leben. Sie führen Krieg gegen Gott und seinen Menschen.“ Zentralrats-Chef Aiman Mazyek wird des Weiteren mit der Aussage zitiert, Gebete und Gedanken seien „in diesen Stunden bei den Getöteten und ihren Angehörigen“. Als deutsche Muslime und als Europäer stehe man „für die Unversehrtheit aller Menschen und zu den Werten unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung“.

Austrotürken als Helden des Tages

Ein hohes Maß an Aufmerksamkeit widmen deutsch-türkische Publikationen auch dem beherzten Eingreifen der austrotürkischen Kampfsportler Mikail Özen und Recep Tayyip Gültekin, die während des Angriffs des Terrorschützen einen verwundeten Polizeibeamten und eine ältere Passantin aus der Gefahrenzone gebracht hatten. Die Kampfsportler betonten in mehreren Videos ihre Loyalität zu Österreich und dass sie als Muslime den Terrorismus rigoros zurückwiesen.

Auf Facebook erklärte der Sprecher der Stiftung Dialog und Bildung, Ercan Karakoyun, am Montagabend, als die ersten Meldungen über einen Angriff auf die Synagoge in der Seitenstettengasse eingegangen waren:

„Meine Gedanken sind in #Wien. Mein Beileid den Angehörigen des antisemitischen Anschlags. Unendlich viel Solidarität mit allen Jüdinnen und Juden. Es muss endlich aufhören. #Kirchen, #Synagogen und #Moscheen sind Gotteshäuser. Wer auf sie schießt, schießt auf Gott!“

Restle wettert gegen Rechts

Der US-Sender „Fox News“ befasste sich unter anderem mit der Person des Attentäters und verwies auf Aussagen des Anwalts, der diesen in seinem Terrorprozess im Vorjahr vertreten hatte. Nikolaus Rast erklärte, sein Mandant habe zum Zeitpunkt seiner Verurteilung „völlig harmlos“ gewirkt. Er sei ein junger Mann gewesen, der „seinen Platz in der Gesellschaft suchte, offenbar in die falsche Moschee ging und in den falschen Kreisen endete“.

Seine Familie sei nicht streng religiös gewesen, sondern eine „komplett normale Familie“, die es sich nicht erklären hätte können, was mit ihrem Sohn passiert sei.

Auf Twitter übte „Monitor“-Redaktionsleiter Georg Restle scharfe Kritik an heftiger Islamkritik, zu der sich vor allem Nutzer aus dem Umfeld der AfD durch den Anschlag motiviert sahen:

An all die Heuchler vom rechten Rand: Islamisten und Rechtsextremisten sind Brüder im Geiste: Sie lehnen eine weltoffene, liberale Gesellschaft ab. Sie sähen Zwietracht und Hass – und predigen einen Kreuzzug gegen Andersdenkende und -gläubige, der im Terrorismus mündet. #Wien“

Die Berliner SPD-Politikerin Sawsan Chebli schrieb:

Islamistische Terroristen wollen uns einschüchtern, spalten, uns in die Knie zwingen. Sie wollen, dass wir aufeinander losgehen und demokratische Prinzipien über Bord werfen. Sie wollen unser Leben und unsere Freiheit. Sie wollen Krieg. Aber wir sind stärker. #Wien #wienATTACK“

Attentäter hatte „zumindest paramilitärisches Training“

In der emiratischen Zeitung „The National“ spricht Hans Josef Schindler vom Think-Tank „Counter Extremism Project“ über die mögliche Motivation der Terroristen. Der Angriff, so Schindler, sei „gut geplant und koordiniert“ gewesen, Ziel sei es offenbar gewesen, den letzte Zeit der Freiheit vor dem neuen Lockdown auszunutzen, um Menschen zu treffen, die ihre letzten Augenblicke der Freiheit genießen wollten.

Der Anschlag von Wien sei in noch minutiöserer Weise vorbereitet gewesen als die Angriffe in Frankreich. Dass der Attentäter in der Lage gewesen sei, in einer Stresssituation dieser Art mit einer solchen Waffe umzugehen, lasse es als wahrscheinlich erscheinen, dass dieser „mindestens ein paramilitärisches Training“ absolviert habe.

Tagesspiegel: Angst vor starkem Staat verlieren

Frank Jansen kritisierte im „Tagesspiegel“ die offenkundig unzureichende Beobachtung des vorbestraften Attentäters:

„In Wien war der von der Polizei erschossene Attentäter den Sicherheitsbehörden als militanter Extremist bekannt, vorbestraft wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Trotzdem konnte er sich mit einem Schnellfeuergewehr bewaffnen und Komplizen um sich scharen. Die Behörden schauten offenbar zu wenig hin.“

Wien sei nicht der einzige Schauplatz islamistischen Terrors der vergangenen Wochen gewesen, in dem Behörden nachlässig agiert hätten. Jansen plädiert für einen „Mentalitätswechsel mit Blick auf den starken Staat“, den es nicht mehr zu fürchten gelte als gewalttätige Feinde unseres Gemeinwesens.



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