Ein russischer Soldat bewacht einen Bereich des Kernkraftwerks Saporischschja. Das Foto wurde während einer vom russischen Verteidigungsministerium organisierten Reise aufgenommenen.
Ein russischer Soldat bewacht einen Bereich des Kernkraftwerks Saporischschja.Foto: -/AP/dpa

Vor IAEA Inspektion: Angriff(e) auf Kernkraftwerk Saporischschja

Epoch Times5. September 2022
„Die militärischen Aktivitäten und Operationen weiten sich aus“, stellt die Internationale Atomenergiebehörde nach dem Besuch im Kernkraftwerk Saporischschja fest. Sollen die Angriffe womöglich eine ständige Präsenz der IAEA verhindern oder gar den NATO-Verteidigungsfall provozieren?

Die Nachrichtenlage in den westlichen „Qualitätsmedien“ zum Thema ist dünn. Es werden zwar die Beschüsse auf dem Weg einer Delegation der Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) zum Kernkraftwerk (KKW) Saporischschja gemeldet und die Schuld daran häufig Russland in die Schuhe geschoben. Allerdings ist über den Angriff auf das Kraftwerk kaum etwas zu finden. So meldet etwa die Tagesschau unter Bezugnahme auf russische Quellen: „Ukrainische Truppen hätten außerdem versucht, das AKW anzugreifen. Sie seien aber festgesetzt worden.“

Was ist passiert?

Laut mehreren russischen Quellen beschoss die ukrainische Armee gegen 6:00 Uhr morgens (vermutlich aufgrund unterschiedlicher Zeitumrechnungen differieren die Angaben um eine Stunde) das Territorium des Kernkraftwerks und die naheliegende Stadt Energodar.

Um 6:20 Uhr sollen zwei ukrainische „Sabotage-Gruppen“ von bis zu 60 Personen in sieben Motorbooten versucht haben, das KKW Saporischschja zu übernehmen. Dies wurde von der russischen Bewachungseinheit mit späterer Unterstützung russischer Truppenverbände verhindert. Gegen 7:00 Uhr wurden von letzteren zwei weitere Boote versenkt. Diese waren vermutlich dafür vorgesehen, die ersten Gruppen zu verstärken. Eine weitere Quelle spricht von insgesamt und zum größten Teil vernichteten 320 Angreifern.

Erste Erkenntnisse über die Angreifer

Thomas Röpers zitiert im Anti-Spiegel in einer von ihm übersetzten Meldung der russischen Nachrichtenagentur TASS den Chef der dortigen Verwaltung in einem ersten Interview zum Angriff: „Drei [der Angreifer] wurden gefangen genommen, zwei von ihnen sind in sehr ernstem Zustand, die Ärzte kämpfen nun um ihr Leben. Wir brauchen sie, um Aussagen von ihnen zu erhalten.“

In einem zweiten Interview liefert dieser erste Erkenntnisse über die Angreifer: „Sie haben nicht nur Englisch gelernt […], sondern durchliefen eine spezielle Ausbildung unter der Leitung britischer MI6-Geheimdienstler, kehrten dann über Warschau in den ukrainischen Raum zurück, der bisher unter der Kontrolle von Selensky stand, kehrten nach Odessa zurück und kamen von dort aus, es war Ende August, in die Region Dnjepropetrowsk, wo sie sich darauf vorbereiteten und vorrückten, um kriminelle Befehle am rechten Ufer des Dnjepr auszuführen.“

Verhinderung weitere Angriffe durch IAEA?

Handelt es sich hier in der Lesart der meisten Mainstreammedien um russische Desinformation? Oder könnten handfeste Gründe hinter dem ukrainischen Angriff stecken? Während der ukrainische Präsident Selenskyj sich eher abschätzig über den IAEA-Besuch äußert, wird er von der russischen Seite begrüßt, die auch entgegen ersten Angaben die Präsenz westlicher Medien zugelassen hat.

Selenskyj könnte zum einen Angst vor einer zu großen Nähe der IAEA zu Russland haben, andererseits könnte eine ständige Präsenz der IAEA in Saporischschja auch sein Lügengebäude zu den russischen Angriffen auf das bereits von ihnen eroberte Kraftwerk in sich zusammenbrechen lassen und so weitere Angriffe verhindern.

Damit würde der Ukraine ein weiteres Argument zur Unterstützung durch den Westen genommen. Eine zumindest teilweise Rückeroberung des KKW vor dem Eintreffen der IAEA, wäre schwieriger als rechtswidriger Angriff zu dokumentieren gewesen und hätte der Ukraine Vorteile bezüglich der Energieversorgung gebracht. Womöglich war gar eine Nutzung des eroberten KKW-Teils als Faustpfand vorgesehen.

Auslöser für NATO-Verteidigungsfall

Ein weiterer Grund für die ständigen Angriffe auf das KKW könnte im Auslösen des NATO-Verteidigungsfalls liegen. Auch wenn beide Seiten bisher vermieden haben, auf das KKW direkt zu zielen, so könnten die Beschüsse um das KKW beispielsweise die Lager der nuklearen Brennstäbe beschädigen.

Das würde zwar nicht zu einem Super-GAU führen, könnte aber Lecks von vergleichsweise geringer Radioaktivität auslösen. Für diese könnte dann Russland verantwortlich gemacht werden und damit würde Artikel 5 der NATO in Kraft treten und den NATO-Verteidigungsfall auslösen.

Thomas Röpers belegt das mit Zitaten von britischen und US-Abgeordneten. So schreibt der britische Abgeordnete Tobias Elwood auf Twitter: „Jede vorsätzliche Beschädigung, die zu einem möglichen Austritt von Strahlung in einem ukrainischen Atomreaktor führt, wäre ein Fall für Artikel 5 der NATO.“ In den USA sagt der Kongressabgeordnete Adam Kinzinger das Gleiche: „Jeder Austritt, der Menschen in NATO-Ländern tötet, ist automatisch Artikel 5.“

Gefährdung verringern durch IAEA?

Laut IAEA-Chef Grossi hat sich die Situation vor Ort durch die nunmehr ständige Präsenz der IAEA sehr zum Positiven gewendet. Es sei nun nicht mehr möglich, dass die eine Seite die andere ungerechtfertigt für Aktionen beschuldige, die sie gar nicht begangen habe, da alle Aktionen vor Ort von der IAEA beobachtet und an die Führungsspitze weitergeleitet würden.

Auf die Frage zur Dauer der ständigen Präsenz merkte er aber auch an: Wir können uns nie sicher sein, wir können nur immer wieder versuchen, die Situation zu verbessern.“ Ein Motto, das alle Beteiligten, Politiker und Medien sich zu Herzen nehmen sollten. So übergaben besorgte Bürger Grossi beim Verlassen der Anlage eine Liste mit 20.000 Unterschriften, die die Ukraine aufforderte, weitere „Provokationen“ des Kraftwerks zu unterlassen. Auch darüber wurde in den Mainstreammedien nicht berichtet.

Die Anwesenheit einer dritten Partei in Saporischschja scheint jedoch keine abschreckende Wirkung zu haben. Alina Lipp meldete in ihrem Blog „Neues aus Russland“ einen weiteren Versuch der Ukraine, mit Motorbooten und Booten in der Nähe des Kernkraftwerks Saporischschja Truppen anzulanden. Der Versuch sei vereitelt wurden, 47 Kämpfer starben. (jw)



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