Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD).Foto: MORRIS MAC MATZEN/AFP via Getty Images

91,5 Prozent ungeimpfte Infizierte? Hamburger Zahlenmagie aufgedeckt

Von 22. Dezember 2021 Aktualisiert: 22. Dezember 2021 11:49
Wollte Hamburgs Bürgermeister das Impfgeschehen mit übertriebenen Inzidenzzahlen bei Ungeimpften beeinflussen? Erst eine Kleine Anfrage aus der Hamburger Bürgerschaft bringt genaue Zahlen ans Licht.

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Die Hamburger Sozialbehörde habe über Wochen beeindruckende Zahlen zur Corona-Inzidenz unter Geimpften und Ungeimpften mitgeteilt. Demnach sei diese um ein Vielfaches höher unter den Ungeimpften. Doch nun gebe es Zweifel. Das berichtete der NDR kürzlich.

Der Sender verwies auf Recherchen von Journalisten mehrerer Zeitungen, die herausfinden wollten, bei wie vielen Corona-Fällen in Hamburg der Impfstatus tatsächlich bekannt ist. Dabei ist folgender Verdacht aufgekommen: Die Hamburger Behörden hätten Corona-Fälle mit unbekanntem Impfstatus als Ungeimpfte aufgeführt.

„Sorge um Neutralität und Verlässlichkeit“

Die Hamburger Bürgerschaftsabgeordnete Anna-Elisabeth von Treuenfels-Frowein (FDP) wollte vom Senat in einer Kleinen Anfrage wissen, ob es eine gesonderte Erfassung von Inzidenzen in Hamburg für die Kategorien geimpft, umgeimpft und unbekannt gebe.

Die Abgeordnete verwies dabei auf Zahlen der Regierung Markus Söder in Bayern. Dort habe das Gesundheitsamt „bei der statistischen Erfassung der Inzidenzwerte die mit dem Coronavirus infizierten Personen, von denen kein Impfstatus bekannt ist, zur Gruppe der Ungeimpften“ gezählt, so Treuenfels-Frowein.

Dies habe für Empörung gesorgt, da eine „neutrale Darstellung der Faktenlage“ für die politische Meinungsbildung und Entscheidungsprozesse besonders wichtig sei. „Auf entsprechende Zahlen aus offizieller Hand muss daher Verlass sein“, so die Abgeordnete.

Der Oppositionspolitikerin nach gäben die Hamburger Zahlen „ebenfalls Anlass zur Sorge in Bezug auf ihre Neutralität und Verlässlichkeit“. Insbesondere interessierte sie, ob der Status „unbekannt“ zu den Zahlen der Ungeimpften gezählt werde. Im Weiteren wollte die Abgeordnete wissen, wenn dies der Fall sei, warum man dies nicht gesondert erfasse und wie sich das in den vergangenen zehn Wochen der Pandemie aufgeschlüsselt darstellt.

Senat antwortet

Laut Antwort des Senats würden die Gesundheitsämter bei gemeldeten Infektionen die betroffenen Personen anrufen und ihren Impfstatus ermitteln. Die Prüfung erfolgt durch Nachweis. „Das führt dazu, dass bei der Erfassung der Meldedaten der Impfstatus oft erst mit einer Verzögerung vorliegt“, heißt es in der Antwort.

Daher werde in diesen Fällen der voreingestellte Wert „nicht erhoben“ erfasst. Anschließend melden die Gesundheitsämter die Daten an das Infektionsepidemiologische Landeszentrum am Institut für Hygiene und Umwelt (HU).

Die Menschen, die ihren Impfstatus mit „Ja“ (vollständig geimpft) angegeben haben, bilden die Grundlage für die Inzidenzberechnung der geimpften infizierten Personen (Impfdurchbrüche). In eine weitere Kategorie kommen jene, die nicht eindeutig mit einem „Ja“ ihren Geimpftstatus angegeben haben.

Zur Ermittlung der Inzidenz der Menschen „ohne vollständigen, eindeutig unter ‚Ja‘ zusammengefassten Impfschutz“ werden lediglich die Zahlen der „Ja“-Gruppe von den Gesamtzahlen der wöchentlichen Neuinfektionen abgezogen. Nach diesem Schema hatte auch Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher seine Zahlen der Öffentlichkeit präsentiert. Doch genau darin besteht auch der Haken an der Sache.

Hamburger Datenmagie als Impfargument

Tschentscher hatte bei der Landespressekonferenz am 15. Dezember verkündet, dass von den 3.452 Neuinfektionen in KW 45 (8. – 14.11.) über 90 Prozent ohne vollen Impfschutz seien. Tschentscher verwies auf eine Grafik, die er einblendete: Von den genannten Neuinfektionen sollten demnach nur 8,5 Prozent Geimpfte gewesen sein, was einer Gruppeninzidenz von 22 entspräche, wohingegen 91,5 Prozent der infizierten Menschen ohne vollständigen Impfschutz seien. Die Inzidenz entsprechend bedrohlich: 605.

Im gleichen Zusammenhang machte der Landeschef Werbung für die Impfung. Tschentscher sagte zu den Zahlen, dass es in Hamburg eigentlich nur wenige seien, die keinen vollen Impfschutz hätten. „Natürlich, es gibt Impfdurchbrüche. Es gibt sogar Erkrankungen bei geimpften Menschen. Es gibt sogar schwere Erkrankungen. Aber sie sind sehr, sehr selten.“

Gegenüber den Zahlen von Peter Tschentscher veröffentlichte der Gesundheitssenat leicht abgewandelte Werte für die KW 45, möglicherweise verursacht durch Nachmeldungen, aber mit gleichem Aussagewert.

Ihnen gegenüber steht die Statistik, die der Hamburger Senat der Auswertung des Infektionsepidemiologischen Landeszentrums entnommen hatte und der Antwort zur parlamentarischen Anfrage der FDP-Abgeordneten beifügte.

Darin war deutlich zu sehen, dass die von Tschentscher angeführten Werte für die KW 45 über die prozentuale Beteiligung von Geimpften und Ungeimpften am Hamburger Infektionsgeschehen nicht stimmten.

Statt 91,5 Prozent nicht vollständig Geimpften unter den Neuinfektionen lag der tatsächliche Wert bei 14,3 Prozent. Auch der Wert der Geimpften am Infektionsgeschehen, Tschentscher gab 8,5 Prozent an, lag mit 22,5 Prozent deutlich über den Angaben des Bürgermeisters. Die große Grauzone beim Impfstatus, zuvor den Ungeimpften untergeschoben, wurde mit 62,9 Prozent als „nicht erhoben“ angegeben.

Wie sich diese Grauzone vom Impfstatus her zusammensetzt, soll nun eine Nacherfassung ergeben: „Aufgrund des dynamischen Anstiegs der Infizierten in den letzten Wochen gibt es Verzögerungen beim Nacherfassen des Impfstatus. Es werden alle Anstrengungen unternommen, den Impfstatus nachzuerfassen“, so der Hamburger Senat.

Diese Nacherfassungen sollen durch die Gesundheitsämter erfolgen. Man machte jedoch deutlich, dass der bisher berechnete und nach Impfstatus differenzierte Inzidenzwert nachträglich nicht mehr überarbeitet wird. Der Senat verwies dazu auch darauf, dass es „derzeit keine bundeseinheitlichen Vorgaben“ gebe und auch „keine Meldepflicht an das Robert Koch-Institut (RKI)“, hieß es in der Senatsantwort.

Martin Helfrich, Sprecher der Hamburger Sozialbehörde, versprach aber im Gespräch mit dem NDR, dass die Daten für die zurückliegenden Wochen möglichst vollständig nachgeliefert werden sollen.



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