Bürgerservice oder Eingriff in die Privatsphäre? Rheinenergie lässt Wärmebilder von Privathäusern anfertigen

In Köln sind derzeit Pkw unterwegs, die nachts Wärmebilder von Häusern anfertigen. Auftraggeber ist der kommunale Versorger Rheinenergie. Die Aktion soll dem Ziel dienen, bis 2035 das Ziel der Klimaneutralität umzusetzen. Kritiker wittern eine „Heiz-Stasi".
Titelbild
In Köln werden Wärmebildkameras für die Überprüfung der Energieeffizienz von Gebäuden eingesetzt. Symbolbild.Foto: Bestgreenscreen/iStock
Von 6. Dezember 2023

Noch Anfang der 2010er-Jahre waren deutsche Politiker und Datenschützer Sturm gelaufen gegen die Erfassung von Häuserwänden und Straßenzügen für Google Street View. Hausbesitzer ließen ihre Immobilien verpixeln, Juristen hielten ein Verbot des Dienstes durch das Bundesverfassungsgericht für möglich. Heute fahren private Pkws im Auftrag der Kommunen mit Wärmebildkameras durch Straßenzüge – und sammeln Daten über das Heizverhalten der Menschen.

Wärmebilder als Teil der Strategie zur Klimaneutralität

Wie der WDR berichtet, sind derzeit mit Thermografie-Kameras ausgestattete Pkws in Köln unterwegs. Im Auftrag des kommunalen Energieversorgers Rheinenergie fertigten diese beispielsweise in der Vorwoche im Stadtteil Neubrück Wärmebilder von fast allen Häusern an.

Dahinter stecke das Ziel der Stadt Köln, bis 2035 den Status der sogenannten Netto-Null zu erreichen. Der WDR schreibt dazu:

„Aber um dieses Ziel erreichen zu können, müssen auch alle Hausbesitzer ihre Gebäude auf Vordermann bringen. Dazu gehört zum Beispiel, Dächer zu dämmen oder alte Fenster auszutauschen.“

Ein privates Start-up aus Mannheim ist Auftragnehmer. Die Wärmebilder sollen anhand einer Farbskala helfen, Bereiche zu identifizieren, die schlecht isoliert seien. Im kommenden Frühjahr will die Stadt Köln den Eigentümern die Auswertung der Aufnahmen anbieten – gegen eine entsprechende Gebühr. Im schweizerischen Davos, wo eine ähnliche Aktion stattfindet, sind das immerhin umgerechnet 199 Franken (ca. 211 Euro).

Praxis ist bereits deutlich älter als das Heizungsgesetz

Der Gedanke liegt nahe, dass die Anfertigung der Wärmebilder Teil der kommunalen Wärmeplanung ist, die dem Inkrafttreten des von Minister Robert Habeck durchgesetzten Heizungsgesetzes vorgelagert ist.

Damals war vielfach die Rede von einer drohenden „Heiz-Stasi“, die ausrücken könne, um die Energieverbrauchsgewohnheiten der Bürger zu eruieren. Der Minister hatte damals in Aussicht gestellt, im Rahmen der verpflichtenden „Wärmepläne“ Kommunen weitreichende Vorgaben zu machen. Diese sollten demnach „gebäudescharf“ Daten zu jährlichen Endenergieverbräuchen ermitteln.

Tatsächlich kommt die Gebäude-Thermografie bereits seit Jahren in vielen Kommunen zum Einsatz. Bereits vor der umstrittenen Novelle zum Gebäudeenergie-Gesetz waren vor allem sogenannte Thermografie-Befliegungen verbreitet. Auch dabei war NRW ein Schwerpunkt. So gab es solche Formen der Erhebung von Energieeffizienz etwa in Münster oder in Meerbusch.

In Neuss war bereits 2020 ein Wagen zur Anfertigung von Wärmebildern im Auftrag der Stadtwerke unterwegs. Das Thermografie-Angebot dort beinhalte „mindestens sechs Außenaufnahmen des Gebäudes mit einer Infrarotkamera sowie die Erläuterung der Bilder in einer Informationsbroschüre“.

Wo bleibt der Datenschutz?

Aber auch in anderen Bundesländern kommen Wärmebilder zum Einsatz, wenn es darum geht, Bürgern die Möglichkeit zu eröffnen, sich über die Energieeffizienz ihres Gebäudes zu informieren.

Was den Datenschutz anbelangt, könnte das Fehlen der Zustimmung der Hausbesitzer Probleme aufwerfen. Wo gegen die Veröffentlichung der Fassade eines Hauses auf Google Maps ein Anspruch auf Unkenntlichmachung besteht, müsste der gleiche Maßstab für Start-ups im Auftrag kommunaler Energieversorger gelten.

RWE fertigte bereits 2015 Wärmebilder aus der Luft an

In Meerbusch heißt es mit Blick auf die Befliegung, dass die individuellen, grundstücksbezogenen Ergebnisse „nur mit dem schriftlichen Einverständnis der Eigentümerinnen und Eigentümer beziehungsweise Bevollmächtigten“ ausgegeben würden. Die individuellen Daten würden „ausschließlich bei der Stadt Meerbusch gespeichert, nicht veröffentlicht und nicht an Dritte weitergegeben“. Eine Infobroschüre sei mit dem Grundsteuerbescheid mitgeschickt worden.

Der RWE-Konzern rühmte sich bereits 2015, nicht weniger als 94.000 Wärmebilder aus der Luft angefertigt zu haben. Zu den ersten beflogenen Gemeinden gehörten demnach Rheinbach, Essen, Arnsberg, Ense, Dorsten, Wesel, Alpen, Sonsbeck, Belm und Wallenhorst.

Partner bei dem Projekt waren das belgische Flugunternehmen Eurosense und der TÜV Rheinland. Am Ende, so hieß es vonseiten des Konzerns, „entscheidet der Hauseigentümer selbst, ob ein Bild auch tatsächlich erstellt wird“. Dies sei erst der Fall, wenn eine schriftliche Einverständniserklärung vorliege. Durchschnittlich 54 Prozent der Angeschriebenen sollen das Angebot genutzt haben.

 



Epoch TV
Epoch Vital
Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Dies umfasst ebenso abschweifende Kommentare, die keinen konkreten Bezug zum jeweiligen Artikel haben. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.


Ihre Epoch Times - Redaktion