Bundesregierung zum Stromnetz der Zukunft: „Grundlast wird es nicht mehr geben“

Epoch Times4. April 2019 Aktualisiert: 4. April 2019 18:36
Das Bundesumweltministerium erklärt in einem Twitter-Interview zum Stromnetz der Zukunft: "Grundlast wird es im klassischen Sinne nicht mehr geben. Wir werden ein System von Erneuerbaren, Speichern, intelligenten Netzen und Lastmanagement haben." Technisch möglich ist das allerdings nicht.

Seit 2016 ist Jochen Flasbarth Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB). Am Montag stellte er sich den Fragen der Twittergemeinde und beantwortet 45 Minuten lang die Fragen der Menschen.

Seine Antwort auf die Frage eines Nutzers: „Welche Energieform soll nach der Abschaltung der Kohle- und Kernkraftwerke die Grundlast sichern bzw. diese Kraftwerke ersetzen?“ löste jedoch mehr Fragen aus, als sie beantwortete.

Die Frage, welche Art Grundlast – im Sinne des BMUB – es in Zukunft geben werden, blieb vom Ministerium unbeantwortet.

GrundLAST vs. GrundVERSORGUNG

Die Grundlast der Stromnetze wird während eines Tages nicht unterschritten und ist somit sowohl vom jeweiligen Tag als auch von der regionalen Betrachtung abhängig. Die Grundlast ist also der Strom, der ständig von den Verbrauchern einer bestimmten Region abgenommen wird und zum Beispiel Heizungspumpen, Kläranlagen oder Kühlschränke versorgt.

In Deutschland liegt die Grundlast im Jahresverlauf bei bis zu 40 Gigawatt, die Spitzenlast beträgt 75 bis 80 Gigawatt. Wenn es keine Grundlast mehr geben soll, heißt das konkret, dass die Menschen und die Industrie zeitweise keinen Strom verbrauchen dürfen.

Sollten tatsächlich alle Grundlastkraftwerke, wie Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke abgeschaltet werden, würde das Stromnetz aus zwei Gründen zusammenbrechen. Einerseits benötigen die sogenannten Erneuerbaren eine stabile Grundversorgung, um ihre Frequenz auf das vorhandene Stromnetz „aufzuschalten“ und ungewollte Frequenzschwankungen zu vermeiden, die durch kurzzeitige Windböen oder extreme Sonneneinstrahlung entstehen. Andererseits würde jeder zusätzlich eingeschalter Verbraucher (Laptop, Beleuchtung oder E-Auto-Ladesäule) das ohnehin schon instabile Versorgungsnetz weiter destabilisieren.

MMNews erklärt: „Die großen rotierenden Massen der Turbinen und Generatoren sind eine Momentan-Reserve im Netz. Beim Zuschalten eines Verbrauchers wird der zusätzliche Strom durch Abbremsen der Generatoren geliefert. Die Frequenzminderung ist dann ein Signal, mehr Dampf auf die Turbinen zu geben, um die Sollfrequenz wieder zu erreichen.“

Abschalten ist keine Option, aber:

Bleiben also technisch nur zwei Lösungen: Der Import von Strom aus Ländern mit weniger ambitionierten Umweltzielen (und größeren Übertragungsverlusten) oder der Umstieg auf alternative Grundlastkraftwerke.

Nahezu unbeschränkt und regelmäßig Energie bereitstellen können jedoch weder Wind noch Sonne. Bleiben aus den fünf klassischen Erneuerbaren Energiequellen nur Biogasanlagen, Wasserkraft und Geothermie.

Biogasanlagen produzieren klimaschädliches Methan und kommen daher nicht in Frage, bleiben zwei: Wasserkraft und Geothermie. Studien belegen, dass Pumpspeicherkraftwerke in ganz Westeuropa etwa 2,3 TWh Energie speichern können. Allein für Deutschland bräuchte man jedoch mindestens 20 bis 100 TWh. Große (Lauf-)Wasserkraftwerke wie in der Schweiz oder Norwegen sind aus geografischen Gründen nur bedingt möglich.

Die Geothermie wiederum ist lediglich ein Tropfen auf den lauwarmen Stein, denn im Gegensatz zu Island, wo in wenigen hundert Metern Tiefe bereits Temperaturen von mehreren Hundert Grad Celsius herrschen, erreichen in Deutschland nur wenige Stellen mit geothermalen Anomalien niedrige dreistellige Temperaturen. Der Ertrag aus Geothermie ist so gering, dass er nur selten in Statistiken erscheint.

Die Lösung scheint ganz einfach: Wenn es keine Grundlast mehr gibt, braucht man auch keine Grundversorgung mehr. Jeder baut also seine eigene Solaranlage aufs Carport (um die Waschmaschine und den Kühlschrank zu versorgen. Gekocht wird mit Gas und gefahren wird mit Diesel.) Smartphones, Twitter und Google werden aus Gründen der Versorgungssicherheit abgeschaltet. Stromnetzbetreiber und andere Industrie werden überflüssig und wenn es im Winter kalt wird, heizen wir nicht, vielleicht kühlt das dann die Erde um ein paar Grad ab. Ironie aus. (ts)

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