Die Kinder in Deutschland gehen ab Montag nicht mehr zur Schule. Jedoch nicht wegen des Klimawandels, sondern der Gefahr durch den Coronavirus.Foto: FEDERICO GAMBARINI/DPA/AFP via Getty Images

Coronavirus-Neid: Klima-Aktivisten sehen sich durch Pandemie an den Rand gedrängt

Von 14. März 2020 Aktualisiert: 14. März 2020 8:48
Zewa wichtiger als Greta? „Klimaschutz“-Aktivisten klagen, die Bevölkerung nehme die Bedrohung durch das Coronavirus viel ernster als jene durch die angebliche „Klimakrise“. Dabei sei diese viel gefährlicher. Einige hoffen dennoch, die Pandemie bringe ein Umdenken.

Die Bedrohung durch das Coronavirus scheint Irritationen innerhalb der deutschen „Klimaschutz“-Gemeinde und darüber hinaus ausgelöst zu haben. Ihr internationales Aushängeschild Greta Thunberg hat Anfang der Woche für den heutigen Freitag (13.3.) lediglich einen „Online-Streik“ statt der ursprünglich geplanten Straßendemonstrationen ausgerufen. Zudem geht die breite Aufmerksamkeit, die das Coronavirus in den Medien generiert, auf Kosten des bis zuletzt dominanten Klima-Themas.

Was die Warner vor der „menschengemachten Erderwärmung“ allerdings noch stärker verunsichert, sind die deutlichen Unterschiede in der öffentlichen Wahrnehmung. Die Bevölkerung scheint auf Störungen und Einschränkungen, die mit der Pandemie-Prävention verbunden sind, fast einhellig mit Einsichtigkeit und Verständnis zu reagieren.

Lenkt Coronavirus vom Klima ab?

Demgegenüber stoßen Forderungen nach Verboten, Verzicht und einer radikalen Änderung in der Lebensweise, wie sie Klimaforscher, Politiker und Intellektuelle vor dem Hintergrund der angeblich drohenden Klimakatastrophe formulieren, nach wie vor auf Unverständnis, Häme oder Reaktanz in vielen Teilen der Bevölkerung. 

Wird die „Klimakatastrophe“ am Ende in geringerem Maße als real wahrgenommen, als dies bei der Corona-Pandemie der Fall ist? So weit will Philosoph Richard David Precht nicht gehen. In einem kürzlich geführten Interview mit „Horizont“ und turi2.tv zum Thema Coronavirus meinte er allerdings, die Leute hätten „mehr Angst um ihr Leben als um das Überleben der Menschheit“.

GEO-Umweltredakteur Peter Carstens hingegen sieht den Grund für die drastischen Unterschiede in der Akzeptanz von Disruptionen des Alltags in der Unmittelbarkeit der Bedrohung. Zudem seien das Minuswachstum, die Einschränkungen und der Verzicht, die die Pandemie mit sich bringe, zeitlich begrenzt. In einem Kommentar schreibt er:

„Nüchtern betrachtet, zeigt sich: Corona hat als Bedrohung eine vollkommen andere Qualität als die Klimakrise. Die Virus-Gefahr ist akut und unmittelbar (jeder könnte sich jederzeit anstecken) – und ihre Konsequenzen sind innerhalb von Wochen potenziell tödlich. Und zwar nicht für irgendwelche Pazifik-Insulaner oder Bangladeshis – sondern für jeden von uns. Und seine Angehörigen. Hier in Deutschland. Zudem wird es zwar viele, aber nicht jeden treffen – und vorübergehen.“

„Corona for Future“?

All das seien „genau diejenigen Qualitäten, die der Klimakrise fehlen, um als das wahrgenommen zu werden, was sie ist: als Bedrohung für die menschliche Existenz“.

Einige Klimabesorgte bemühen sich, aus der Not eine Tugend zu machen. So kreierte Uwe Krüger vom „Netzwerk Kritische Kommunikationswissenschaft“ der Universität Leipzig auf Twitter gar einen Hashtag #CoronaForFuture und spricht sich selbst und der gesamten Klimaschutz-Gemeinde Mut zu:

„Alles hat sein Gutes: #CoronavirusPandemic wird die Emissionen verringern (wie schon die Finanzkrise 2008) und uns mit Zwangsentschleunigung und -besinnung vielleicht einer ‚Großen Transformation‘ zur Nachhaltigkeit näherbringen.“

 


Um Missverständnissen vorzubeugen, reicht er noch eine „Klarstellung“ nach, der zufolge auch er einräume, dass „jede/r Corona-Tote […] eine/r zuviel“ sei. Aber, so heißt es weiter, „die menschengemachte Erderwärmung wird auf lange Sicht sehr viel mehr Menschenleben kosten als dieses Virus“.

Zur Frage, wie kurzfristig der Corona-bedingte drastische Rückgang des CO2-Ausstoßes auf globaler Ebene zu einer Senkung der Erdatmosphärentemperatur führen werde und wie deutlich diese ausfalle, sind bis dato noch keine Einschätzungen aus der Klimaforschung bekannt.


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