„Das ist eine Schweinerei“: Kein Rückhalt für Bundeswehr in Politik – Chaotische Auslandseinsätze fordern Menschenleben

Von 4. August 2017 Aktualisiert: 4. August 2017 15:16
Kein Rückhalt in der Bevölkerung, kein Rückhalt in der Politik – dazu auch noch Ärger mit der Ausrüstung und ein Nachwuchsmangel. Das sind die Probleme, mit denen Bundeswehrsoldaten zu kämpfen haben. Außerdem beschließe die Bundesregierung konzeptlos Auslandseinsätze, was Menschenleben koste, beklagen die Soldaten.

In Deutschland sind Bundeswehrsoldaten nicht gut angesehen, beklagt ein Oberstabsfeldwebel der Bundeswehr.

Wenn es darum gehe, irgendwo bei einer Hochwasserkatastrophe zu helfen, dann sei die Bundeswehr „wieder ein bisschen gut“. Bei Auslandseinsätzen hagele es aber nur Kritik, so der Oberstabsfeldwebel Arne in einem Gespräch mit Dunja Hayali auf dem Bundeswehrcamp Castor im Norden Malis. Das Gespräch wurde am 3. August im ZDF-„Donnerstagstalk“ ausgestrahlt.

Die etwa 900 Soldaten auf dem Stützpunkt leben unter extremen Bedingungen: Die Temperaturen lägen meistens bei mehr als 40 Grad Celsius. Es gebe keinen Ausgang und kaum Freizeitmöglichkeiten. Außerdem gebe es Ärger mit der Ausrüstung und einen Nachwuchsmangel.

Kein Wartungs- und Instandsetzungspersonal für Ausrüstung

Ein Hubschrauberpilot, dessen Name nicht genannt wurde, kommt ebenfalls zu Wort. Er erzählt über den Helikopter NH90, der zum Transport und zur Bergung von Verletzten benutzt wird. Der NH90 sei „der modernste Hubschrauber der Welt“. Doch er sei „sehr störanfällig, wir haben viele Systemausfälle“, beklagt der Pilot.

Es fehle zudem das Wartungs- und Instandsetzungspersonal, „um effektiv, schnell die Schäden zu beheben“, so der Pilot weiter. Wie das sein könne, will Hayali wissen.

Auch wieder mangelnde Ausbildung. Es ist unheimlich kompliziert. Ich sage mal scherzhaft: Ein Kernkraftwerk ist eine simple Anlage dagegen. Die Ausbildung dauert und wir haben einfach zu wenig Personal.“

(Hubschrauberpilot auf dem Bundeswehrstützpunkt Castor, Mali)

Ähnlich äußern sich auch Berufssoldatin Nariman Reinke und Oberleutnant Daniel Lücking in der nachfolgenden Talk-Runde. Die beiden waren mehrmals in Afghanistan stationiert und meinen, dass bei der Ausrüstung am meisten gespart werde.

Die Soldaten würden da sehr erfinderisch werden: „Wie kriege ich es hin, dass meine Schutzweste mich auch am besten schützt, wenn ich vielleicht zu meiner rechten Flanke dem Feind gegenübersitze. Das ist nicht gut. Das ist schlecht“, meint die Soldatin Reinke.

Bundesregierung muss Verantwortung für Auslandseinsätze übernehmen

Er sei geschockt gewesen, als er die Situation in Berlin gesehen hatte, beschreibt Oberleutnant Lücking. Er war zwischen 2005 und 2008 vier Mal in Afghanistan stationiert.

Das Parlament könne die Armee nicht kontrollieren, weil im Parlament keine Einigung über die Auslandseinsätze bestehe, so Lücking. Es gebe auch kein langfristiges Konzept. Das führe zu chaotischen Bedingungen vor Ort und koste Menschenleben, beklagt er.

Die Regierung müsse aber für die Auslandseinsätze der Bundeswehr Verantwortung übernehmen:

Die Regierungsmehrheit hat zu verantworten, wenn Material nicht vernünftig ist, und das Menschenleben kostet. Wenn es ewig dauert, das Material dann nachzubeschaffen und wenn hinterher auch einsatzgeschädigte Kameraden keine Hilfe bekommen oder zögerlich Hilfe bekommen.“

(Oberleutnant Daniel Lücking)

Um die Probleme in Afghanistan zu lösen, bräuchte es „eine langfristige Konzeption in Richtung Marshall-Plan“, so Lücking. Die Stabilisierung Afghanistans gehe aber nicht in 15 Jahren, sondern müsse langfristiger geplant werden.

Konzeptlosigkeit bei Auslandseinsätzen

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Auch die Linke beklage die Konzeptlosigkeit der Bundesregierung. Der Fraktionschef der Linken, Dietmar Bartsch, war der einzige Vertreter aus der Politik in der Talk-Runde. Verteidigungsminister Ursula von der Leyen (CDU) musste ihre Beteiligung krankheitsbedingt absagen. Die EPOCH TIMES berichtete.

Es sei nicht klar definiert, wann der Mali-Einsatz ende und was das Ziel sei, beklagt Bartsch. Ökonomische Interessen dürften nicht die Außenpolitik der Bundesregierung gestalten, fordert der Linken-Politiker.

In Mali und Afghanistan sollen langfristige Konzepte her, wobei eine Lösung mit zivilen und nicht mit militärischen Mitteln gefunden werden sollte, so Bartsch.

Fehlender Rückhalt in Politik: „Das ist eine Schweinerei“

Außerdem müsse die Politik eine größere Verantwortung übernehmen: „Wenn Parteien in der Opposition sind, haben sie häufig eine ablehnende Haltung. Wenn sie in der Regierung sind, sehen sie es anders.“ Das sei verantwortungslos gegenüber den Soldaten, meint der Linken-Chef.

Auch Nariman Reinke beklagt den fehlenden Rückhalt in der Politik. „Das ist eine Schweinerei“, meint sie.

Hier das Video der Talk-Runde:

https://youtu.be/wmEtVRNLuYE

(Die ganze Sendung kann auf der ZDF-Mediathek angesehen werden)

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