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Gauck würdigt deutsch-deutsche Währungsunion

Anlässlich des 30. Jahrestags der Währungsunion hat der damalige Bürgerrechtler und spätere Bundespräsident Joachim Gauck die schnelle Einführung der D-Mark in der DDR verteidigt.

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Joachim Gauck

Foto: über dts Nachrichtenagentur

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Lesedauer: 2 Min.

„Die Währungsunion war ein wichtiges Signal: Wir lassen euch nicht ins Bodenlose fallen“, sagte Joachim Gauck der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Die Bereitschaft, einen Teil der Ersparnisse im Verhältnis 1:1 umzutauschen und allgemein einen Umtauschkurs von 1:2 einzuführen, sei ein „unglaubliches Solidaritätsangebot“ gewesen.
Gauck räumte ein, es habe in der Folge zwar „einige Fehler und problematische Entscheidungen gegeben“. Im Kern sei die Entscheidung zugunsten des westdeutschen Modells aber bereits mit der Volkskammerwahl im März 1990 gefallen.
Das Volk habe damals „das politisch Mögliche mit seinem Bauchgefühl am besten erfasst“, so Gauck. Bei allen Schwierigkeiten hab die Mehrheit der Ostdeutschen „den Umbruch trotzdem gut bewältigt“, sagte der Ex-Bundespräsident.
„Deshalb erscheint mir der Unterschied zwischen Ossi und Ossi oftmals größer als der zwischen Ossi und Wessi.“

Sein erstes Westgeld

Der ehemalige Bundespräsident erinnert sich kaum an seine ersten Einkäufe nach Einführung der Westmark in der DDR. Er habe in der DDR mehr unter der Unfreiheit gelitten als unter materiellen Einschränkungen, sagte Gauck der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Mit dem ersten Westgeld habe er „wahrscheinlich einen Liter Milch“ gekauft, sagte Gauck. „Oder Brot.“
Die wirtschaftliche Situation habe ihm damals nicht unter den Fingern gebrannt, sagte Gauck der Zeitung. Ziel der Bürgerrechtler sei es gewesen, „die Machtbasis von SED und Staatssicherheit“ zu brechen und „Freiheit und Rechtsstaatlichkeit herstellen“, betonte er.
Gemäß dem Vertrag über die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion war die D-Mark am 1. Juli 1990 als gesetzliches Zahlungsmittel in der DDR eingeführt worden. Löhne, Gehälter und ein Teil der Ersparnisse wurden zu einem Kurs von 1:1 umgerechnet, der Rest im Verhältnis 1:2.
Der Rostocker Pfarrer Gauck saß bei der Einführung der Währungsunion am 1. Juli 1990 als Abgeordneter von Bündnis 90 in der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR. Kurz darauf übernahm er das Amt des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, von 2012 bis 2017 war er Bundespräsident. (dts/afp)

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